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Lübeck Bilderbücher von Kindern für Kinder
Lokales Lübeck Bilderbücher von Kindern für Kinder
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21:27 02.09.2016
Begeistertes Kinderbuch-Team: Michael (10, v. l.), Fabian (10), Jana (12), Sophia (12), Alexa (13) und Liliana (9). Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Michael, Fabian, Jana, Sophia, Alexa und Liliana sitzen konzentriert am großen Tisch der Bilderbuchwerkstatt im Kinderliteraturhaus der Bücherpiraten in der Fleischhauerstraße. Sie leisten Großes in dieser Woche. Die Neun- bis 13-Jährigen malen Bilder und schreiben Texte, diskutieren gemeinsam über die Inhalte ihrer märchenhaften Erzählung. Jetzt ist ihr Kinderbuch vollendet. In etwa zehn Tagen wird „Wo bist Du, Momo?“, eine reich bebilderte maritime Geschichte von einer Nixe, die ihren Freund, den Delfin „Momo“, sucht, im Internet stehen und kann weltweit im Portal www.bilingual-picturebooks.org kostenlos heruntergeladen werden.

„Es ist toll, dass ich an so einem Projekt beteiligt bin.“ Jana (12)

Das ganz Besondere an diesem Bilderbuch: Es kann in zwei Sprachen gelesen werden, die man sich nach freiem Belieben auswählen kann. Kinder aller Herren Länder bekommen so die Chance, ihr erstes Bilderbuch in ihrer Muttersprache zu lesen. Denn, was kaum bekannt ist: Millionen von Kindern hatten diese Möglichkeit bislang nicht.

Das Lübecker Bücher-Projekt macht Furore: „Schokokuchen auf Hawaii“ und „Oskar und Lumufo – Der Fuchs und die Außerirdische“ stehen seit vier Monaten im Internet und wurden bereits 3100 Mal heruntergeladen und häufig weiter vervielfältigt. Das erste Buch liegt in 22 Sprachen vor, 16 weitere sind in Vorbereitung, das zweite Buch gibt es in zwölf Sprachen; und täglich werden es mehr.

„Wo bist Du, Momo?“ wird in der ersten Veröffentlichungsphase wie die beiden vorangegangenen Bücher von vereidigten Übersetzern vom Deutschen ins Arabische, Russische, Englische, Chinesische, Französische und Spanische übersetzt. Denn diese Sprachen sind die „häufigsten Zweitsprachen auf der Welt“, sagt Kinderbuchautor Martin Gries, Pädagogischer Leiter der Bücherpiraten.

Nach diesem ersten Schritt beginnt der „Schneeballeffekt“. Übersetzer aus aller Welt können als unentgeltliche Mitarbeiter die Bücher in eine Sprache ihrer Wahl übersetzen. Und sie tun es mit Begeisterung. Die Übersetzer melden sich bei den Bücherpiraten. Jedes Buch gibt es in zwei Sprachen. Das führt zu ganz ungewöhnlichen Konstellationen: Portugiesisch und Friesisch, Englisch und Plattdeutsch, Deutsch und Arabisch. Ziel ist es, die Bücher in allen erdenklichen Sprachen den Kindern in fernsten Ländern in die Hand zu geben, damit sie nur noch vor Freude sprachlos sind. Vor vier Monaten, beim Start des Projekts „1001 Sprache“, das von der Margot und Jürgen Wessel-Stiftung mit 10 000 Euro gefördert wird, betonte Martin Gries: „Leseförderer aus aller Welt suchen händeringend nach zweisprachigen Bilderbüchern.“ Denn es gebe unvorstellbar viele Kinder auf der Welt, die ihr erstes Kinderbuch nicht begreifen, weil weder sie noch ihre Eltern die Sprache verstehen.

Autoren und Illustratoren eines Bilderbuches zu sein, begeistert die acht Lübecker Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren, die von Martin Gries und der Illustratorin Anne Hofmann angeleitet werden.

Liliana (9) ist „stolz, eine Kinderbuchautorin zu sein“, Fabian (10) gesteht ein, dass es zuweilen „schwierig ist, die richtigen Worte zu finden“. Aber Schreiben mache unheimlich viel Spaß. Jana (12) findet es „toll, dass ich an so einem Projekt mitarbeiten darf“, Michael (10) „malt mit großer Begeisterung Bilder“, Sophia (12) freut sich, dass „überall auf der Welt Kinder das lesen können“, und Alexa (13) ist traurig darüber, dass „viele Kinder keine Bücher in ihrer Sprache bekommen“ – jetzt aber doch.

 Torsten Teichmann

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