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Lübeck „Bildung ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Armut“
Lokales Lübeck „Bildung ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Armut“
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21:18 03.02.2016
„Kein Schulabschluss, kein Beruf, Hartz IV — und dann landen sie in der Armut.“ Detlev Wulff (Paritätischer)

170 Jugendliche verlassen jedes Jahr ohne Abschluss die Schule. 55 Prozent der Absolventen des ersten Bildungsabschlusses (früher Hauptschulabschluss) finden oft über Jahre keine Lehrstelle. Von 20 Prozent aller Jugendlichen, die die Schule verlassen, ist der weitere berufliche Verbleib unbekannt. 29 Prozent der Lübecker haben keine Berufsausbildung. Hunderte, wenn nicht sogar Tausende junger Lübecker scheitern bereits am Anfang ihrer Berufslaufbahn. Detlev Wulff vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und Jörg Senkspiel (DGB) sprechen von einem „Bildungsversagen des Systems“.

Was am Anfang schief läuft, lässt sich später kaum noch korrigieren. Wer den Sprung von der Schule in die Lehre nicht schafft, der wird schnell zum Langzeitarbeitslosen oder muss eine prekäre Beschäftigung annehmen und landet schließlich lebenslang in der Armut. Zehn Armutskonferenzen haben sich bislang mit zahlreichen Facetten von Armut in Lübeck befasst. Detlev Wulff: „Wir stoßen immer wieder auf dasselbe Thema: Bildung ist der Schüssel zur Armutsbekämpfung.“

Dabei gibt es schon so vieles. Schon in den siebten Klassen beschäftigen sich Lehrer und Schüler mit Berufsorientierung, es gibt Praktika, Schnupperkurse und enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Schulen. „Wir haben eine Unmenge an Förderangeboten“, weiß Jörg Senkspiel, der zwölf Jahre lang die Holstentor-Gemeinschaftsschule leitete, „aber wir erzielen keine entscheidenden Fortschritte.“ Zu viele wüssten nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Zu viele hätten keine Unterstützung aus den Elternhäusern beim schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf. Senkspiel: „Diese jungen Leute bekommen den Übergang nicht organisiert. Die Ausbildungsbetriebe verlangen das aber — und dann kommt es zu Abbrüchen von Ausbildung.“ Der DGB-Vertreter: „Wir brauchen jemand, der diese jungen Menschen an die Hand nimmt.“

In Hamburg gibt es das seit vier Jahren. Jugendberufsagenturen, ein Zusammenschluss von Schul-, Sozial- und Jugendbehörden sowie Arbeitsagenturen und Jobcentern, begleiten Jugendliche intensiv und verbindlich, bis sie im Job sind. Hamburg feiert diese Agenturen als Erfolg. Zahlreiche deutsche Kommunen von Braunschweig bis Regensburg setzen ebenfalls darauf. Die Sozialverbände wollen das auf der 10. Armutskonferenz anregen. Detlev Wulff: „Das wird eine unserer Forderungen sein.“

Zu der öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 10. Februar, in der Handwerkskammer (13 Uhr) haben sich die Verbände hochkarätige Gäste geladen. Die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) stellt das Konzept des Landes für den Übergang in den Beruf vor. Prof. Kai Maaz vom Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung aus Potsdam spricht über Chancengerechtigkeit. Auf dem Podium diskutieren die Landesvorsitzenden des Paritätischen, der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Lehrer-Gewerkschaft GEW.

dor

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