Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bis Beine und Ohren glühen
Lokales Lübeck Bis Beine und Ohren glühen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 01.06.2017
Lächeln für die Kamera: Luisa Rische (28) auf dem beschwerlichen Weg nach Norwegen. Quelle: Foto: Luisa Rische

Es fällt schwer, Florian gehen und die jüngst gewonnene Zweisamkeit zurückzulassen. Während meine Gedanken zunächst in Kopenhagen verharren, ist mein Blick nach Norden gerichtet. Schweden liegt vor mir.

In Zeitlupe lasse ich mich in der dänischen Hauptstadt zurück auf „Anton“ sinken. Durchatmen. Nach zwei Tagen in Kopenhagen sitze ich mit nun zwei gepolsterten Radlerhosen wieder entspannt im Sattel.

Ich fahre die dänische Küste entlang, mit der Fähre nach Helsingborg, übers schwedische Land zurück an die Ostsee. In diesem Moment kehren auch meine Gedanken aus Kopenhagen in die Gegenwart zurück.

Die Sonne ruht auf den Wellen der Meeres, die ihr Licht tausendfach zurückwerfen. Ewige Weiten, ferne Küsten, die Welt voraus.

Nach 115 Kilometern komme ich in Bastad an. Während der Besitzer des Campingplatzes abwechselnd die Anrufe seiner drei Handys beantwortet, fällt mein Blick auf eine mannshohe Karte der skandinavischen Länder. Ich schlucke. Während der Weg von Rødby nach Bastad kaum einen Finger breit ist, muss ich meinen Hals weit in den Nacken legen, um das Nordkap auszumachen. „Wie soll ich das in der geplanten Zeit schaffen“, schießt es mir durch den Kopf, als der Besitzer endlich Zeit für mich findet. „How can I help you?“

Auf dem Zeltplatz treffe ich einen Gleichgesinnten aus Norwegen. Er fährt mit dem Rad von Oslo über Berlin nach Prag. Eine wunderschöne Strecke, erzähle ich ihm, als mein Magen lautstark meine Aufmerksamkeit fordert. „Enjoy your meal“, sagt er und lacht. Am nächsten Morgen, als ich aufstehe, ist er schon weg. Aufstehen. Ausziehen. Anziehen. Zähne putzen. Schlafsack einrollen. Isomatte einrollen. Zelt abbauen. Taschen packen. Taschen am Fahrrad anbringen. Trinkflaschen. Helm. Tacho. Schuhe. Navi. Losfahren. Leben auf Rädern in Steno. Wo habe ich denn schon wieder die Taschenlampe gelassen? Alles zusammenzuhalten fordert mehr Gedächtnisleistung, als ich aufbringen kann.

Über Falkenberg, Åsa, Göteborg und Hamburgsund geht es 430 Kilometer die schwedische Westküste entlang. Nur ein nächtlicher Schauer in Falkenberg stellt mein Zelt auf die Probe, sechs Stunden hämmert der Regen unermüdlich auf mein Schlafzimmer ein. Sonst verdunkelt bis Hamburgsund kaum eine Wolke den Himmel über Schweden. Ich muss mich zwingen, nicht immer wieder vom Rad abzusteigen und Fotos zu machen. Stattdessen lasse ich die Bilder, die die Natur vor mir zeichnet, auf mich wirken.

Nach sieben Tagen auf dem Rad sind die Beine schwer wie zwei Sandsäcke, die Ohren glühen rot (ich wusste, ich hatte irgendetwas vergessen einzucremen), die Augenlider kämpfen vergeblich gegen festsitzenden Schlafsand. In Grebbestad lege ich eine längere Pause ein: waschen, duschen, skypen, essen, Akkus laden. Während ich auf dem Rad keinen Freund an meiner Seite vermisse – ich habe ja „Anton“ zum Plaudern –, ist es fern des Rades umso befremdlicher, allein zu sein, allein das Zelt aufzubauen, allein zu kochen, allein über den Tag nachzudenken. Allein, allein. Schlafen und wieder ab aufs Fahrrad. Das allein befreit. Luisa Rische

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kommende Woche beginnen Arbeiten am Bahnhaltepunkt im Hochschulstadtteil.

01.06.2017

Vier musikalische Tage beginnen heute im Seebad. Bei „Travemünde jazzt“ musizieren bis zum Montag, 5. Juni, Bands aus dem In- und Ausland im Brügmanngarten.

01.06.2017

Lübecks Gemeinden laden Sonntag und Montag zu zahlreichen Gottesdiensten ein.

01.06.2017
Anzeige