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Lübeck Bis zum Polarkreis und weiter
Lokales Lübeck Bis zum Polarkreis und weiter
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20:36 30.06.2017
Ein stählerner Globus am Ufer markiert den Polarkreis. Ein Pflichtfotomotiv, als die Fähre Richtung Norden vorbeischippert. Quelle: Foto: Luisa Rische
Lübeck/Vassdalsvik

Wir kürzen ab. 110 Kilometer und 1750 Höhenmeter lassen wir rechts liegen und schneiden stattdessen mit einem Katamaran durch die Wellen der aufgebrachten See. In Stokkvågen bugsieren meine Begleiterin Ruth und ich unsere Fahrräder „Anton“ und „Ginny“ die Gangway der Schnellfähre hinunter. Ein Platzregen reagiert sich auf uns ab. Die Nacht verbringen wir auf einem Zeltplatz in Kilboghavn.

Am Tag danach passieren wir den Polarkreis. Während wir uns im Salon der Fähre nach Jektvik wärmen, weist uns eine Lautsprecherstimme auf diesen besonderen Moment hin. Wir werfen uns die Kameras um den Hals und laufen – ganz Klischeetourist – an Deck. Ein Stahlgerüst in Form eines Globus steht uns Modell.

Von Jektvik geht es nach Ågskardet, von Halsa nach Vassdalsvik. Während wir noch lachend Verschwörungstheorien über die Wolken aufstellen, die sich wohl mit unsichtbarem Seil und Haken an unsere Räder gehängt haben, erwartet uns schon das nächste Unheil. Auf dem Weg nach Vassdalsvik entleert sich über mehrere Stunden eine tiefschwarze Wolke über uns, die es sich in den Gipfeln der umliegenden Berge gemütlich gemacht hat. Die Tropfen schlagen uns ins Gesicht, der Regen prügelt uns zu Boden, Sturzbäche reißen unsere Laune davon.

Als wir in Vassdalsvik ankommen, sind unsere Hände klamm, Finger und Zehen teils eingeschlafen. Von den Haaren und der Nasenspitze, vom Helm und den Ärmeln – überall tropft es herunter. Die letzte Fähre hat den Hafen längst verlassen.

Ernüchtert sucht Ruth eine Toilette und findet einen Warteraum. Unsere Blicke treffen sich. Wir sind uns einig. Wir warten im Warteraum auf die nächste Fähre. Weil die erst morgen kommt, schlagen wir unser Nachtlager auf dem grau-melierten Fliesenboden mit Fußbodenheizung auf.

Als das Blut wieder durch unsere Finger strömt, lockert sich die Stimmung. Wir können nicht anders und lachen los. Wir lachen über das Wetter, über den Warteraum, über uns selbst, über die Bodenheizung, den Bewegungsmelder, über die Toiletten, die sich nicht öffnen lassen, über Pendler, die vielleicht am nächsten Morgen auf der Suche nach einem warmen Plätzchen auf zwei schlafende Reisende stoßen.

Es ist kein Pendler, der uns am nächsten Morgen weckt. Es ist die Fähre, die mit einem gewaltigen Rumms anlegt und den Boden vibrieren lässt. Wir schauen aus dem Fenster, können dem Kapitän bei der Arbeit zusehen. Ob er uns auch sehen kann? Wir schlafen weiter. Die zweite Fähre kommt und geht. Die dritte kommt sechseinhalb Stunden später und bringt uns nach Ørnes.

In Ørnes trennen Ruth und ich uns. Vorläufig. Weil geteiltes Leid halbes Leid und geteilte Freude doppelte Freude ist, wollen wir uns auf den Lofoten wiedertreffen. Eine Umarmung, ein Blick zurück.

Ruth macht sich auf den Weg nach Bodø, ich fahre nach Saltstraumen, wo ich die längste Nacht des Jahres erlebe – Mitternacht im Sonnenschein. Die 28-Jährige reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt. In unregelmäßigen Abständen berichtet Luisa Rische von ihren Erlebnissen.

lur

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