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Lübeck "Blauer Engel" lässt sich nicht unterkriegen
Lokales Lübeck "Blauer Engel" lässt sich nicht unterkriegen
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20:17 20.04.2016
Die Kneipe „Blauer Engel“ in der Clemensstraße ist Ziel eines rechten Anschlags geworden. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Quelle: Peer Hellerling
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Ein unbekannter Unterstützer hat sogar eine Botschaft an die Eingangstür geklebt: „Lasst Euch nicht unterkriegen“, steht darauf mit Filzstift geschrieben. „Lübeck liebt und braucht Euch!“ Nach den ersten Aufräumarbeiten läuft bereits gestern wieder der Kneipenbetrieb im Blauen Engel.

Doch hinter dem Team liegt ein turbulenter Montag. Anwohner melden gegen 1.15 Uhr drei zerstörte Fensterscheiben, die Polizei protokolliert den Schaden in der Nacht. Doch als Emma-Luise Weber wenige Stunden später in die Clemensstraße kommt, um die Verwüstung zu begutachten, muss sie feststellen: Auf dem Tresen und auf dem Boden liegen zwei halbe Schweineköpfe — sie sind nachts offenbar übersehen worden. „Das ist ein ganz klares Zeichen eines anti-muslimischen Rassismus“, sagt die 26-Jährige. Sie veranstaltet im Blauen Engel jeden Mittwoch das Café Welcome, in dem Flüchtlinge Deutsch lernen und mit Lübeckern in Kontakt kommen.

Die Polizei rückt am Montag gegen 7.30 Uhr erneut an. Emma-Luise Weber: „Wir fordern, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden.“ Jetzt wird nicht nur wegen Sachbeschädigung ermittelt, nach Angaben von Behördensprecherin Anett Dittmer ist auch das Kommissariat 5 eingeschaltet — die Beamten untersuchen unter anderem rassistische Taten. „Ein politisch motivierter Hintergrund kann nicht ausgeschlossen werden“, sagt sie diplomatisch. Laut Weber nehmen die Ermittler aber weder die Steine noch die Schweinekopfhälften mit. Die Kneipiers entsorgen alles, auch die Glasscherben werden zusammengefegt.

Bereits in der Nacht hatte die Feuerwehr die kaputten Fenster mit Holzplatten vernagelt.

Immer wieder soll es nach Angaben der Engel-Mannschaft zu Zwischenfällen in der Clemensstraße kommen. Unter anderem hören Anwohner laut rechte Rockmusik, Böller werden in Richtung der Flüchtlinge geworfen. Zuletzt sollen zu Ostern drei betrunkene Neonazis im Blauen Engel den Hitler-Gruß gezeigt und „Sieg Heil“ gerufen haben. Daraus entwickelte sich eine Schlägerei. Emma-Luise Weber: „Es ist erschreckend, was an rechten Menschen unterwegs ist.“ Die Polizei bestätigt die Prügelei, der rechtsradikale Unterton sei aber unbekannt.

Doch all die Angriffe stärken eher den Willen des Kneipenteams. „Wir werden auch in Zukunft entschlossen und unbeeindruckt von den Vorkommnissen unsere Arbeit für Geflüchtete fortsetzen“, sagt die 26-jährige Emma-Luise Weber. Deshalb soll auch heute wieder von 17 bis 23 Uhr das Café Welcome in der Clemensstraße stattfinden. „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich die Welt der Geflüchteten mit denen der Lübecker überschneidet.“ Ungefähr 50 Teilnehmer habe das Café durchschnittlich, sagt die 26-Jährige. „Ich hoffe, dass sie auch jetzt nach den Angriffen wiederkommen.“

Auch der Rückhalt der vielen Bands und Kneipen freut die Crew des Blauen Engels. „Greifen sie einen von uns an, greifen sie uns alle an“, postete das Team des Bollwerks auf Facebook. „Wir stehen alle hinter Euch!“, heißt es aus dem Tonfink an derselben Stelle. „Es ist total schön, das zu wissen“, sagt Emma-Luise Weber, „das macht uns Mut.“

Mehr rechte Gewalt

439 rechtsradikale Straftaten hat das Landeskriminalamt (LKA) 2014 registriert. Davor sanken die Zahlen nahezu in jedem Jahr, 2011 lag der Wert noch bei 561 Delikten. Zahlen für 2015 werden bislang nicht genannt, sie sollen erst kommende Woche veröffentlicht werden. Allerdings teilt das LKA auf LN-Anfrage mit, dass „tendenziell eine Steigerung zu erkennen“ sei — hauptsächlich wegen Hass- Kommentaren im Internet.

Von Peer Hellerling

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