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Lübeck „Blitzer-Hasser“ in Lübeck unterwegs?
Lokales Lübeck „Blitzer-Hasser“ in Lübeck unterwegs?
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11:13 24.02.2016
Die Blitzsäule an der Neuen Hafenstraße wurde mit Wandfarbe beschmiert. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Weniger Lärm und mehr Verkehrssicherheit auf Lübecks Straßen. Zumindest steckte diese Idee hinter den modernen Blitzer-Säulen der Hansestadt. Nicht so sehr im Sinne des Erfinders dürfte wohl der Umstand gewesen sein, dass sie auch jede Menge Zorn produzieren: Immer wieder werden die Anlagen Ziel von Attacken. Erst am Wochenende hatten Unbekannte die stationären Blitzer an der Neuen Hafenstraße sowie an der Wallbrechtstraße mit Farb-Attacken zeitweise lahmgelegt; vier Angriffe gab es 2015. Das Werk eines notorischen „Blitzer-Hassers“?

Die Bildergalerie zeigt Attacken auf Lübecker Blitzer in den letzten Monaten, chronologisch sortiert.

An so jemanden glaubt zumindest Dierk Dürbrook von der Polizeidirektion Lübeck bislang jedenfalls nicht: „Ich denke nicht, dass wir es hier mit ein und derselben Person zu tun haben.“ So sei bei den Übergriffen am Wochenende im Fall Neue Hafenstraße weiße Wandfarbe, in der Wallbrechtstraße grüner Lack verwendet worden. Das schließt einen Zusammenhang zwar nicht aus. In der Vergangenheit seien die Attacken aber auch deutlich unterschiedlich ausgefallen.

Von zertrümmerten Scheiben bis hin zu einer Bombenattrappe habe sich der Zorn auf die Radarfallen schon auf sehr unterschiedliche Art und Weise Bahn gebrochen. „Wahrscheinlicher ist daher, dass es sich jeweils um wütende Autofahrer gehandelt hat, die von den Blitzern erwischt worden sind und ihrem Ärger Luft machen wollten“, glaubt Dürbrook. So oder so handele es sich um Sachbeschädigung, die nach Paragraf 303 Strafgesetzbuch mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe geahndet wird.

Vor allem die Blitzer-Säule an der Neuen Hafenstraße hat viel auszuhalten: Die jüngste Tat mitgerechnet, ist die Anlage bereits vier Mal Ziel von Vandalismus gewesen: Im März vergangenen Jahres schlug jemand die dunklen Kunststoffscheiben ein, im April gab es eine Attacke mit Farbe, im Juni hatten Unbekannte schließlich versucht, mit einer Holzplatte und Klebeband das Kameraauge zu verdecken. Die Schäden lagen jedes Mal zwischen 500 und 2000 Euro; entgangene Einnahmen für das Stadtsäckel nicht mitgerechnet.

Dabei machen die Blitzer-Anlagen durchaus, was sie sollen (neben 1,5 Millionen Euro, die durch die stationären Blitzer jährlich eingenommen werden), wie eine Studie der Fachhochschule Lübeck im Jahr 2013 ergab. Der durchschnittliche Lärmpegel nahm im Umfeld der Säulen um ein Dezibel ab, stellten die Professoren Jürgen Tchorz und Birger Gigla damals fest.

Lärmspitzen von über 80 Dezibel konnten sogar um 30 Prozent reduziert werden. Auch ein positiver Effekt auf den Verkehrsfluss wurde festgestellt. Erfolge, die die Blitzer-Hasser aber offenkundig nicht direkt zu schätzen wussten.

Ihr vermeintlicher Sieg über die „Abzocke“ war ohnehin nur vorübergehender Natur. Beide Blitzer- Säulen arbeiten inzwischen wieder. „Es war in beiden Fällen jeweils mit einer etwa dreistündigen Reinigung getan“, sagt Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

Konkrete Spuren hat die Polizei nicht — weder bei den aktuellen noch früheren Taten. Hinweise werden unter Telefon 0451/1310 entgegengenommen.

Oliver Vogt

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