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Lübeck Blühende Zukunft: Moisling will auf den Zug aufspringen
Lokales Lübeck Blühende Zukunft: Moisling will auf den Zug aufspringen
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20:12 26.10.2016
Wasser, Wälder, Wiesen: Moisling wird eingerahmt vom Elbe-Lübeck-Kanal (links) und der Trave. Quelle: Fotos: Christoffer Greiß, Maxwitat (2), Neelsen
Lübeck

Die Moislinger haben es satt, dass ihr Wohnort schlecht geredet und als sozialer Brennpunkt abgekanzelt wird. Dass der Stadtteil weit schöner ist als sein Ruf, bestätigten Fachleute beim Stadtdiskurs der Gemeinnützigen. Moisling habe als Stadtteil, „fantastisch gelegen wie eine Insel zwischen Trave und Elbe-Lübeck-Kanal“, große Zukunftschancen. In der von der stellvertretenden Direktorin der Gemeinnützigen, Antje Peters-Hirt, geleiteten Gesprächsrunde wurde eines überdeutlich: Eine der Grundvoraussetzung für den erstrebten Aufschwung ist ein Bahnhaltepunkt im Bereich des Oberbüssauer Weges. Mit ihm würde Moisling zu einem 40 Minuten entfernten Vorort von Hamburg.

Die Bürger machen mobil: Beim Stadtdiskurs in der Gemeinnützigen wurde mit Nachdruck ein Bahnhaltepunkt für den Stadtteil gefordert.

Torsten Teichmann (63)

schreibt über die

Zukunftschancen Moislings.

Der Stadtdiskurs begann mit einem Märchen. Frank Schwartze, Professor der Lübecker Fachhochschule, sprach über „Bad Moisling an der Trave“ und zeichnete ein Fantasiegespinst der Vergangenheit dieses Ortes: Kurort mit Kurhaus und Flussstrand, einem Englischen Garten zwischen Trave und Kanal; eine Kleinstadt mit Flaniermeilen, einem malerischen Ortskern und 42 Lokalen. Das war zwar alles ein wenig versponnen, zeigte aber auf, was so möglich wäre.

Matthias Rasch, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft „Trave“, wurde da konkreter mit seinem – in dieser Klarheit – noch nie gehörten Bekenntnis zu Moisling. Ein Viertel des gesamten Wohnungsbestandes der „Trave“ stehe in Moisling. Die Wohnungsbaugesellschaft habe ein wirtschaftliches Interesse daran, dass es mit Moisling vorangehe, und investiere deshalb im Stadtteil Millionen in die Modernisierung von Wohnraum. Es sei eine „Investition in das Leben der Menschen“. Den Bahnhaltepunkt nannte Rasch eine „Achse nach Hamburg“, die „Zuzug von außen“ ermögliche. Rasch:

„Moisling mit seinen Grünflächen und der „Geschlossenheit der Insellage ist ein Stadtteil mit riesigem Potenzial.“

Wolfgang Thieß, Vorsitzender von Rot-Weiß Moisling, sieht neue Wohngebiete, wenn der Zug in Moisling hält: „Wir brauchen den Haltepunkt dringend.“ Er kämpft darum, dass der Zug der Zeit nicht am Ort vorbeirauscht. „Kommt die Bahnstation?“, fragte er am Dienstagabend im feinen Saal der Gemeinnützigen knochentrocken und mit Widerhall. Achim Selk vom Stadtplanungsamt machte Hoffnung: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es mit dem Bahnhaltepunkt in Moisling klappt.“ Auch er sieht in der Bahnstation eine Initialzündung für neue Wohngebiete. Detlev Wulff vom Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtung nannte die direkte Moislinger Bahnverbindung nach Hamburg einen „Anschluss an die äußere Welt“.

Aber Moisling will nicht nur auf den Zug springen. Ein Ortskern muss her, als Stätte der Begegnung und Kultur. Die neue Moislinger Mitte, die dort geschaffen wird, wo jetzt das Ärztezentrum steht (nicht weit von der erträumten Bahnstation entfernt), „wird 2024 eingeweiht“, wagte Annette Quast, Moislinger Quartiermanagerin für das Projekt „Soziale Stadt“, einen Blick in die Zukunft. Angelika Krüger vom Stadtteilbeirat mahnte: „Moislings Image muss dringend aufgewertet werden.“ Es müsse endlich in die Köpfe der Menschen, dass „dies ein wunderschöner Stadtteil ist“. Und während Günter Ambrosius, Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins, den Zusammenhalt der Vereine betonte, sieht Pastor Olaf Klein mit Sorge das „eklatante soziale Gefälle“ im Stadtteil: „Vielen Menschen geht es nicht gut.“

Nächster Stadtdiskurs:

8. November. Thema: Travemünde.

Große Chance

Zeitenwandel in Moisling: Die „Trave“ baut neue Wohnungen, modernisiert 60er-Jahre-Blöcke, nimmt viel Geld in die Hand. Junge Familien ziehen in alte Siedlungshäuser. Die Menschen, denen es gut geht, fühlen sich wohl in diesem Stadtteil. Sie genießen die reichhaltige Natur, die fantastische Lage zwischen Trave und Elbe-Lübeck-Kanal.

Doch es gibt auch viele Menschen in diesem 10000-Einwohner-Ort auf lübschen Gebiet, die nicht auf die Beine kommen, im sozialen Abseits gelandet sind.

Jetzt wird an einem Moisling gebaut, in dem sich alle heimisch fühlen: Alteingesessene, Neubürger, Migranten und Flüchtlinge. Der Stadtteil ist sozial. Integration und Nächstenliebe sind keine Worthülsen. Hilfe findet im Stillen statt. Man hält zusammen, häufig aus Trotz. Dieser Stadtteil hat es nicht verdient, wie ein Schmuddelkind in die Ecke gestellt zu werden. Das Kainsmal, das Moisling aufgedrückt wurde, trägt dieser Ort seit dem Mittelalter, als feine lübsche Herren die Juden dorthin abschoben, um unter sich zu bleiben.

Mit der Ausgrenzung ist jetzt Schluss. Moisling ist viel zu schön, um hässlich geredet zu werden. Darum muss der Zug der Zeit in Moisling halten: Baut die Bahnstation! Jetzt!

Torsten Teichmann

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