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Lübeck Böllerwurf: Berufung zurückgezogen
Lokales Lübeck Böllerwurf: Berufung zurückgezogen
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20:25 06.12.2017

Sichtlich nervös betrat der 28-jährige Finn B. (Name geändert) gestern den Gerichtssaal im Landgericht. Im März hatte ihn das Amtsgericht schon wegen der vorsätzlich gefährlichen Körperverletzung und der vorsätzlichen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldbuße von 1500 Euro verurteilt. B. hatte am 12. Juni 2016 beim Public-Viewing des EM-Spiels der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Ukraine in der Musik- und Kongresshalle (MuK) einen Böller in eine Menschenmenge geworfen. Fünf Menschen litten nach der Explosion unter Ohrenschmerzen und vorübergehender Taubheit. Der 28-Jährige war stark alkoholisiert und konnte sich während der Verhandlung nur lückenhaft erinnern. An die Tat selbst will er keine Erinnerungen haben. Das „moderate Urteil“ hatte Richter Jobst-Rüdiger Puchert ausgesprochen, da B. während der Verhandlung ehrliche Reue gezeigt und sich bei allen Verletzten entschuldigt hatte.

Der 28-Jährige und sein Rechtsanwalt Holger Vödisch hatten gegen das Urteil aber trotzdem Berufung eingelegt. B. habe während seiner Tat einen Alkoholwert von 2,84 Promille im Blut gehabt. „Er kann sich an nichts erinnern“, sagte Vödisch. Entgegen dem Urteil des Amtsgerichts habe sein Mandant nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig gehandelt.

In der anderthalbstündigen Berufungsverhandlung ging Richterin Petra Nagel noch einmal alle Gutachten durch. Unter anderem geht das Landeskriminalamt davon aus, dass der Böller, den B. warf, aus Polen stamme. In Deutschland sei der Knallkörper nicht zulässig und falle unter das Sprengstoffgesetz. Oft werde die Sprengkraft unterschätzt, da die Böller nur etwa zwölf Gramm wiegen. Jedoch sei ein Sicherheitsabstand von 15 Metern bei der Zündung einzuhalten, da die Energie der Explosion auch ausreiche, eine Hand zu zerfetzen. B. will Böller dieser Art noch nie gesehen haben. „Ich kann mich an den Abend nicht erinnern“, sagte er um Fassung ringend. Auch woher der Böller stammen könnte, weiß er nicht.

Richterin Nagel lud auch den Rechtsmediziner Christoph Meißner als Gutachter vor. Durch den Alkohol sei B.s Steuerungsfähigkeit vermindert gewesen. „Er hat den Böller geworfen, ohne kritisch zu reflektieren, was das bedeutet“, sagte Meißner. Er erklärte zudem, dass aber auch gewöhnliche Knallkörper Ohrenschmerzen und Taubheit verursachen könnten, wenn sie nah am Ohr explodieren.

Entscheidend für Staatsanwalt Kai-Uwe Bergfeld: „Ich unterstelle Herrn B., dass er weiß, dass man Böller nicht auf Menschen wirft.“ Ähnlich sah es auch die Richterin, als sie ein „offenes Wort“ an B.

und seinen Anwalt richtete. „Wer Böller in die Menge schmeißt, nimmt Verletzungen in Kauf.“ So sei das Urteil des Amtsgerichts sehr milde, da der Betrunkene gewusst haben muss, was er tat. Nach einer kurzen Unterredung mit seinem Mandanten zog Rechtsanwalt Vödisch die Berufung zurück. „Ich will Sie hier nicht mehr wiedersehen“, verabschiedete Nagel den 28-Jährigen.

sha

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