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Lübeck Bombenalarm in Travemünder Asylunterkunft
Lokales Lübeck Bombenalarm in Travemünder Asylunterkunft
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Die Einrichtung in der Ostseestraße ist die größte Unterkunft Lübecks. Mitte Mai soll der zweite Bauabschnitt fertig sein. Quelle: Foto: Lutz Roessler

„Hintergrund des Einsatzes war der Eingang eines Briefes bei der Polizei“, berichtet Polizeisprecher Fritz Ulli Gerlach. In diesem Schreiben sei mitgeteilt worden, dass sich auf dem Areal der Flüchtlingsunterkunft ein Sprengsatz befände. Ob es sich um eine konkrete Drohung oder ein Hinweisschreiben handeltete, wollte der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht sagen.

Beamte durchsuchten dann das Gelände und sämtliche Räume. „Die Polizei hatte ihr Kommen zuvor angekündigt“, berichtet Bente Petersdotter, Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes Lübeck, das die Einrichtung zusammen mit den Johannitern betreibt. „Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Zimmer für die Durchsuchung zu verlassen“, sagt sie. Man hätte ihnen nicht erklärt, warum die Beamten so vorgingen, dennoch seien alle ruhig und verständnisvoll geblieben. Erst gegen 18 Uhr waren die Polizisten wieder abgerückt. Gefunden wurde letztlich nichts. Weder Sprengstoff noch andere gefährliche Gegenstände. Jetzt ermitteln die Staatsanwaltschaft und das Kommissariat 5 (Staatsschutz) der Kriminalpolizei, das sich unter anderem um politisch motivierte Straftaten kümmert.

„Wir sind natürlich erleichtert“, sagt Petersdotter, „dass nichts gefunden wurde.“ Bisher habe man nichts mit ausländerfeindlichen Drohungen oder Ähnlichem zu tun gehabt. „Wir hoffen, dass das so bleiben wird.“

Das hebt auch Sozialsenator Sven Schindler (SPD) hervor. „Bisher habe ich von der Polizei keine Informationen zu dem Vorfall bekommen, mir liegen deshalb keine Hinweise vor, nach denen sich die Sicherheitslage in Lübeck verändert hat.“ Drohungen oder Mitteilungen so ernster Art habe es in Zusammenhang mit den Flüchtlingsunterkünften noch nicht gegeben. „In den Bauphasen einiger Unterkünfte kam es aber zu Vorfällen“, sagt Schindler. Dazu gehört ein Brand während des Baus der Flüchtlingsunterkunft in der Solmitzstraße 2015. Eine Brandstiftung mit fremdenfeindlichem Hintergrund schien damals wahrscheinlich. Hinzu kamen Hetz-Aufkleber mit der Aufschrift „Refugees not welcome“. Sie tauchten 2015 und 2016 in verschiedenen Stadtteilen an Laternenmasten auf – auch in Travemünde, während sich die Unterkunft in der Ostseestraße noch in Planung befand.

Auch jetzt, nachdem Ende Februar die ersten Flüchtlinge eingezogen sind, gibt es noch Streit um die Einrichtung. Erst letzte Woche hatte das Verwaltungsgericht Schleswig mitgeteilt, dass es die Klage eines Nachbarn der Unterkunft als unbegründet zurückgewiesen hat. Der Kläger, so hieß es, würde durch die Einrichtung, in der 363 Asylbewerber unterkommen können, nicht unzumutbar in seinen Rechten gestört. Die Anwältin des Klägers, der auch den Wertverlust seines Eigentums beklagte, erklärte den Rechtsstreit mit diesem Urteil für beendet.

Die Unterkunft in der Ostseestraße

356 Menschen können in der Flüchtlingsunterkunft Ostseestraße insgesamt aufgenommen werden. Es gibt sechs U-förmig angelegte Gebäude, die je zwei Etagen haben. Aktuell wohnen dort aber nur etwa 120 Geflüchtete, weil der zweite Bauabschnitt noch nicht fertiggestellt ist. Mitte Mai soll dann alles fertig sein.

Die 9,3 Millionen Euro teure Anlage darf zehn Jahre auf dem Gelände in der Ostseestraße verbleiben. Anschließend muss sie wieder abgerissen werden.

 Luisa Jacobsen

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