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Lübeck Borns‘ Amtssitz für 1,13 Millionen saniert
Lokales Lübeck Borns‘ Amtssitz für 1,13 Millionen saniert
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15:50 25.10.2013
Prächtiger Blickfang: Das Gebäude der Kulturverwaltung in der Schildstraße 12 ist repräsentativ umgestaltet worden. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Prunkvolles Palais: Die Sanierung der Stadtvilla der Kulturverwaltung, Amtssitz von Senatorin Annette Borns (SPD), hat 1,13 Millionen Euro gekostet. Neben ihr haben dort 40 Mitarbeiter der Stadt ihren Arbeitsplatz. Das 250 Jahre alte Gebäude steht in der Schildstraße 12 im Aegidienviertel auf der Altstadtinsel. Für 880 000 Euro hat die Stadt das Brömsen-Palais auf Vordermann gebracht. Vor allem das Dach war morsch. Aktuell wird der Garten für 250 000 Euro von der Possehl-Stiftung runderneuert.

Diese Frischzellenkur wird von der CDU scharf kritisiert. „Wenn eine Senatorin sich ihren Prunkbau für 1,13 Millionen Euro sanieren lässt, muss man fragen, ob sie die richtigen Prioritäten setzt“, sagt Fraktionschef Andreas Zander. „Und das angesichts von stinkenden Schulklos und maroden Schulen, für die Frau Borns als Senatorin verantwortlich ist.“ Jetzt habe auch Lübeck einen Prachtbau — und nicht nur der Limburger Bischof, so Zander ironisch. Bei den Baupolitikern ist der große Umfang der Sanierung unbekannt. „Davon weiß ich nichts“, so der Grüne Carl Howe. „Eigentlich gehen Schultoiletten vor Verwaltungsgebäuden.“

Die Senatorin verteidigt das Projekt. „Beides kann man nicht immer gegeneinander abwägen“, sagt Borns. Außerdem fließe das meiste Geld in Schulen — jährlich zwischen 20 bis 25 Millionen Euro. Zudem seien die Deckenbalken des Palais angefressen und von Schwamm befallen gewesen, so dass die Sicherheit gefährdet war. Die Stadt hat die Possehl-Stiftung dann gefragt, ob sie Geld für die Umgestaltung des Vorplatzes beisteuern würde. „Es geht auch um die Altstadt.“ Ausgelöst durch die Sanierung des Palais würden jetzt auch andere Hausbesitzer in der Nachbarschaft investieren, so Borns. „Durch die Gestaltung des Vorplatzes bekommt das Haus seine Würde“, stimmt Renate Menken, Chefin der Possehl-Stiftung, zu. Wenn man das Haus schon herrichte, dann müsse man es auch richtig machen. Dass die Villa jetzt sehr schick daherkommt, sieht auch Menken: „Das putzt ganz ungemein.“ Wäre das Geld besser in Schultoiletten investiert? Menken: „Wir haben für Schulen 2012 vier Millionen Euro ausgegeben.“

Aktuell holpern Bagger und Raupen auf dem kleinen Vorplatz hin und her — und wühlen sich durch die Erde. „Es sieht nach einer wilden Buddelei aus“, beschreibt Controller Eckhard Graf von der Kulturverwaltung die Lage. Denn die Arbeiten müssen auf 400 Quadratmetern erledigt werden, auch Rohre werden neu verlegt. Wenn die Bauarbeiter auf archäologische Funde stoßen, gibt es einen Bau-Stopp.

Wer von der Straße aus auf das Gebäude schaut, kann erahnen, wie der Vorplatz einmal aussehen wird. Das Grundstück ist mit einem Zaun zur Straße abgegrenzt, an der linken und rechten Seite ist er jeweils mit einem Tor als Auffahrt versehen. In der Mitte des Zaunes ragen drei Gingko-Bäume in die Höhe. Davor soll ein Rondell entstehen, das an den Seiten teilweise eingefasst wird mit Pflanzen — und jeweils einer Leuchte. In der Mitte des Halbrunds ist ein Schotter-Rasen geplant — so dass die Fläche als Bühne für Kleinkunst genutzt werden kann. Ansonsten ist der Platz mit Basaltsteinen gepflastert, teilweise mit Granit. Direkt vor dem Hauseingang reihen sich bereits Hortensien in einem rechteckigen Beet auf. „Wir haben eine strenge Form gewählt“, erklärt Landschaftsarchitekt Gunnar ter Balk.

Früher war der Vorplatz geteert und diente als Parkplatz — für die Mitarbeiter der Verwaltung und für Nachbarn. Denn das Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) der Stadt hatte Stellplätze vermietet. Die fallen jetzt weg. Das war eine Bedingung der Possehl-Stiftung für ihre Geldspende. Aber auch hinter dem Palais wird gearbeitet. Dort ist ein Streifen direkt am Haus mit Granit gepflastert worden — als Terrasse. Der Rest des Gartens soll ebenfalls ansprechender hergerichtet werden. Es sind Beete vorgesehen, in der Mitte ragt ein alter Birnbaum in die Höhe.

Vor zwei Jahren hatte die Sanierung der Villa begonnen. Die Deckenbalken waren von Schwamm befallen, das Dach musste erneuert werden. Gleichzeitig wurde das Haus energetisch verbessert, Fenster erneuert, die Fassade rot gestrichen. Die Rückseite des Hauses ist mit Holz verkleidet und in Gelb gehalten. Die Gartenarbeiten sollen in diesem Jahr abgeschlossen sein.

Privilegierter Wohnsitz
13. Jahrhundert: Da wurde das Grundstück erstmals bebaut. Damals hatten sehr reiche, teilweise auch adlige Familien dort ihren Wohnsitz. Denn sie hatten das Privileg, ihr Haus zurückgesetzt von der lärmenden Straße zu errichten — abweichend vom sonst üblichen Stadtrecht. Nur 14 weitere Grundstücke in der Gegend durften das ebenfalls. Das heutige Palais stammt von 1759. 1819 erwarb ein Arzt das Haus samt den angrenzenden Gebäuden und eröffnete ein orthopädisches Institut.

Josephine von Zastrow

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