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Lübeck Boulebahn: Ärgernis oder Attraktion?
Lokales Lübeck Boulebahn: Ärgernis oder Attraktion?
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11:29 28.07.2018
Eine kurze Session zwischendurch: Lars Wiedemann (l.) und Marc Janniak wagen ein Spiel gegeneinander. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Innenstadt

Es ist kurz vor 10 Uhr am Morgen. Bald schon werden die ersten Gäste in die Lokale einkehren oder durch die Straße schlendern. Lars Wiedemann, Eigentümer des Bistros Vegatable steht im Sand, holt aus und wirft eine Silberkugel in die mit Sand ausgelegte Bahn. Gar nicht schlecht: Die Kugel landet direkt neben der Zielkugel, im Französischen auch „cochonnet“ (Schweinchen) genannt.

Die Stadt will die fürs Hanse-Kulturfestival aufgebaute Boulebahn in der Fleischhauerstraße beseitigen. Da die Bahn sich auf der Verkehrsfläche befindet, stelle sie eine Gefahrenquelle für die Verkehrsteilnehmer dar. Doch die Einwohner wehren sich – sie möchten die Bahn weiterhin nutzen.

„Ich finde die Boulebahn hervorragend“, schwärmt Marc Janniak, dem die Gaststätte Das kleine Waffelhaus gleich nebenan gehört. „Das ist ein neuer Treffpunkt für Jung und Alt geworden und wird wirklich von allen gut angenommen, auch von den Touristen, die vorbeilaufen und gleich selbst eine Runde Boule spielen.“

Wiedemann lächelt. Eine Boulebahn für Jedermann aufzubauen – das war seine Idee gewesen. Eigentlich war sie als Aktion für das Hanse-Kulturfestival Anfang Juni geplant, doch bei den Passanten kam sie so gut an, dass Lars Wiedemann die Bahn am liebsten dauerhaft erhalten würde. Er hat einen Antrag beim Fachbereich Planen und Bauen gestellt und Unterschriften gesammelt. „Bisher haben knapp 500 Leute unterschrieben, darunter auch viele Touristen, die die Idee einfach cool fanden“, sagt Wiedemann. Über den Vormittag verteilt holt er mehrmals Zettel und Stift aus seinem Bistro – „damit noch mehr Leute unterschreiben können“.

Die Nutzungserlaubnis der Boulebahn gilt bis zum 31. Juli. „Die Anlage befindet sich auf einer sogenannten Sondernutzungsfläche, das heißt, dass der Stadt durch sie definitiv keine Parkplätze verloren gehen“, erklärt Wiedemann. „Ich hoffe wirklich, dass wir die Bahn behalten können. Gerade jetzt in den Ferien kommen viele vorbei. Es ist ein perfektes Miteinander von Spielern und Verkehrsteilnehmern – absolut koexistent.“

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Die Hansestadt Lübeck sieht das allerdings anders: Wenngleich es sich bei der Fleischhauerstraße um einen verkehrsberuhigten Bereich handele, finde nichtsdestotrotz reger Verkehr statt. Bei der 12 mal 2,5 Meter großen Holzkonstruktion handele es sich somit um ein Hindernis in der Verkehrsfläche. „Es gibt da klare gesetzliche Vorschriften – man kann nicht einfach eine Freizeitanlage in die Verkehrsfläche einbauen“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Zudem habe die Stadt Lübeck die Aufgabe, sicherzustellen, dass jeder Bürger – ohne Ausnahme – gleich behandelt werde. „Wenn wir jetzt die Boulebahn genehmigen, müssen wir dem Nächsten auch genehmigen, seine Hüpfburg, die nur ein kleines bisschen in den Verkehrsraum hinausragt, stehenzulassen“, so Dorel weiter. „So schwer es uns manchmal auch fällt – wir fällen keine Einzelfallentscheidung, sondern müssen uns immer auch die Frage stellen, was unser Entschluss für die Einwohner Lübecks bedeutet.“

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Entsprechend schlecht sieht es momentan auch für eine dauerhafte Zulassung der Bahn aus – trotz Entwarnung von Polizei und Feuerwehr, dass im Ernstfall kein Problem darin bestünde, die Fleischhauerstraße mit Einsatzwagen zu durchfahren. „Wir haben das natürlich nicht zu entscheiden, aber einige Kollegen haben sich vor Ort selbst einen Überblick verschafft und die Situation zumindest als nicht kritisch beurteilt“, so Vanessa von Hahn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Lübeck. Matthias Stahl, Einsatzleiter der Leitstelle der Feuerwehr, sieht das ähnlich: „Solange eine Nutzungserlaubnis der Stadt Lübeck vorliegt, und das tut sie bis zum 31. Juli, nehmen wir das als geprüft hin und haben keinerlei Probleme mit der Boulebahn.“

Die Entscheidung werde „völlig wertfrei“ getroffen, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Nur: „Wir sind dazu verpflichtet, derartige Anliegen im Rahmen der Sondernutzung nach dem Straßen- und Wegegesetz Schleswig-Holsteins zu treffen – das ist keine beliebige Entscheidung.“

Hier ist Boule erlaubt

Unter allen Kugelspielen ist Pétanque, in der Szene Boule genannt, das populärste. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an. Ziel ist es, mit der eigenen Kugel möglichst nah an die Zielkugel zu gelangen. Die gegnerischen Kugeln können dabei auch weggeschossen werden.

Wer nun Lust bekommen hat, sich selbst im Boulespiel zu testen, der hat in Lübeck einige Bahnen zur Auswahl:

Kalkbrennerstraße 1, St. Jürgen: 1 Bouleplatz, 5 Bahnen, etwa 200 Quadratmeter groß; Spielbetrieb: dienstags ab 18 Uhr Schlutuper Straße 37, St. Gertrud; 1 Bouleplatz, 12 Bahnen; Spielbetrieb: April bis Oktober mittwochs (Sommerrangliste), donnerstags (Training) Ecke Falkenstraße/Hüxterdamm, St. Jürgen: 2 Bouleplätze, 9 Bahnen, etwa 800 Quadratmeter groß; Spielbetrieb: mittwochs/donnerstags ab 18 Uhr, freitags/sonnabends/sonntags ab nachmittags Stadtpark, St. Jürgen, Parkstraße/Eingang Adolfplatz, an der ersten Fußwegkreuzung links: 1 Bouleplatz, 7 Bahnen, etwa 222 Quadratmeter groß; Spielbetrieb: Von April bis Oktober freitags ab 15 Uhr Wallstraße 9, Innenstadt: 1 Bouleplatz, 12 Bahnen, etwa 450 Quadratmeter; Spielbetrieb: montags/donnerstags ab 18.30 Uhr, sonst täglich Mehr Infos gibt es im Internet unter: www.boule-in-schleswig-holstein.de

Josephine Andreoli

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