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Lübeck Was wird aus den Brandruinen der Altstadt?
Lokales Lübeck Was wird aus den Brandruinen der Altstadt?
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21:47 24.10.2018
Der Giebel des 1291 errichteten Hauses am Burgkloster, das Pfingsten 2017 abbrannte, ist provisorisch abgestützt. Wie das Haus wieder aufgebaut wird, soll sich bald entscheiden. Quelle: 54°/John Garve
Innenstadt

Immer wieder brennt es in der Altstadt – eine besondere Gefahr für die Bewohner der Häuser, wegen der Enge in den Altstadtstraßen meist eine große Herausforderung für die Feuerwehr. Doch selbst wenn keine Menschen zu Schaden kommen: Es bleiben teils massive Schäden an den Häusern, die zu beheben die Eigentümer oft überfordert.

Das Haus Wakenitzmauer 3, das am 23. September durch einen Brand unbewohnbar wurde, ist derzeit durch ein Gerüst gesichert. Der Eigentümer rechnet mit einer einjährigen Sanierungszeit. Quelle: 54°/John Garve

Lübecks bekannteste und größte Brandruine ist das Haus direkt am Burgkloster, das in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 2017 abbrannte. Auch eineinhalb Jahre nach dem Brand ragen wie ein Mahnmal die mit einer vorgesetzten Holzkonstruktion und einem innen stehenden Stahlprofil notdürftig gesicherten Reste des Giebels in die Höhe.

Frage der Statik

„Es gibt keinen neuen Stand“, sagt Eigentümer Detlef Zaube. „Es geht nach wie vor um die Statik“, sagt er. Und um entsprechende Verhandlungen mit der Denkmalpflege. Die entscheidende Frage: Dokumentiert man das noch stehende Giebelwerk des denkmalgeschützten Hauses aus dem Jahr 1291, demontiert es anschließend und baut es neu auf? Oder erhält man das Original und integriert es in den künftigen Giebel?

Viele Gespräche mit der Denkmalpflege

In mehreren Runden sind Denkmalpfleger, Eigentümer, seine Architektin Vera Detlefsen, Detlev Holst von der Bürgerinitiative rettet Lübeck (Birl) und dessen Bruder, Bauforscher Jens-Christian Holst, nun schon zusammengekommen. Zuletzt, so Detlev Holst, habe man sich auf den Erhalt geeinigt. Nach dem jüngsten Gespräch ist er „optimistisch, dass wir es hinbekommen.“ So langsam scheint Dynamik ins Thema zu kommen.

Frische Brandruine

Auch an der Wakenitzmauer 3 steht seit dem 23. September eine Brandruine. Es wurde laut Eigentümer Nils Steinfeldt vom Bauordnungsamt stillgelegt, sowohl das Vorder- als auch das Hinterhaus dürfen nicht betreten werden – es besteht Einsturzgefahr. Der 51-Jährige, der selbst in dem Haus wohnte, ist „nur froh, dass alle heil rausgekommen sind.“

 Bei einer Mieterin, die in der vierten Etage wohnte, bestand Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung, der habe sich jedoch nicht erhärtet. 15 Bewohner mussten an jenem Abend das Haus verlassen. „Ich war drei Tage lang nur am Zittern und wollte gar nicht aufwachen“, sagt der Eigentümer.

Neue Wohnungen gesucht

Die meisten, weiß Steinfeldt, haben bereits neue Wohnungen gefunden. Wie Mathematik-Studentin Anne Faber (die LN berichteten). Er selbst übernachtet aktuell in seinem leergeräumten Elternhaus in Bad Schwartau, das eigentlich zum Verkauf steht. Der Schaden an seinem Haus an der Wakenitzmauer beläuft sich nach ersten Schätzungen der Polizei auf rund 500 000 Euro.

Ein Jahr Sanierungszeit?

An der Wakenitzmauer passiert einiges: Dachdecker, Architekten waren da, am Haus steht ein Gerüst. Eine Abstimmung mit der Denkmalpflege ist in diesem Fall nicht nötig, Steinfeldt ist gut versichert – auch gegen Mietausfall. Fünf Kündigungen habe er bereits erhalten. Momentan arbeite er an einem Rundschreiben an seine Mieter. „Ich will das Haus wieder aufbauen“, sagt Steinfeldt, der das Haus seiner Großmutter im Jahr 2002 übernommen hatte. Aber bei allem guten Willen: „Es wird wohl ein Jahr dauern, bis hier wieder jemand wohnen kann.“

Ursache wird unklar bleiben

Derweil wird die wirkliche Ursache des Feuers wohl nie definitiv geklärt werden. Fahrlässige Brandstiftung oder ein technischer Defekt, hieß es seitens der Polizei wenige Tage nach dem Brand. Grund: Der Bereich, in dem das Feuer ausbrach, ist komplett ausgebrannt, zudem aufgrund von Einsturzgefahr nicht begehbar.

Sabine Risch

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