Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Briefe, die zu Herzen gehen
Lokales Lübeck Briefe, die zu Herzen gehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 13.02.2016
Archivarin Angela Schlegel vom Lübecker Stadtarchiv liest einen der Liebesbriefe. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Der mecklenburgische Major Conrad Ludwig Heyer verfasst am 3. April in seiner Hamburger Schreibstube einen bewegenden Brief. Das Schreiben ist an die Frau seines Herzens, die Lübecker Bürgerstochter Catharina Lefever, gerichtet. Immer wieder hält der junge Mann inne, sucht nach den richtigen Worten. Wir schreiben das Jahr 1697.

Der Brief wird heute im Stadtarchiv Lübeck aufbewahrt. Er zeugt von einer berührenden Liebesgeschichte, die sich vor über 300 Jahren in der Hansestadt zugetragen hat. „Was leidet man doch, wenn man von derjenigen entfernet ist, so allein durch ihre Gegenwarth mein Hertz beruhigen kann“, schreibt Heyer darin aufgewühlt. Die „aus der Trennung entstehende Marter“ würde er aber tapfer ertragen.

Am Ende des Briefes umarmt er „seinen Herzensengel“ zu „hundert tausend Mahl in Gedanken“. Bei ihrem nächsten Treffen wolle er sie „mit tausend Küssen und anderen Vergnügungen“ verwöhnen und sei bereit zu sterben.

Seine Angebetete ist zu diesem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt. Ihre Eltern sind bereits verstorben, sie waren wohlhabende Kaufleute mit exzellenten Beziehungen zur Lübecker Oberschicht. Seither kümmern sich die älteren Brüder Franz und Adolph um die Belange des Mädchens, das seit dem Tod der Eltern bei einem Verwandten in der Breiten Straße lebt.

Dort trifft Major Heyer, ein Freund der Familie, die junge Frau auch zum ersten Mal. Schnell verliebt er sich in das blondhaarige Mädchen. Seine Gefühle werden von Catharina erwidert — und so hält Heyer wenig später bei der Verwandtschaft um die Hand seiner Angebeteten an. Doch die Brüder stimmen einer Hochzeit nicht zu. Warum? Darüber kursieren bis heute verschiedene Gerüchte. Eines unterstellt den Brüdern Habgier: Sie sollen das Erbe ihrer Schwester, das sie als Vormunde verwalteten, bereits in ihre Firmen investiert haben. Im Falle einer Hochzeit hätten sie ihre Schwester jedoch auszahlen müssen. Das galt es zu verhindern.

Doch die Verliebten lassen sich nicht beirren: Sie verloben sich heimlich, tauschen Ringe aus. Und als Conrad Heyer ein paar Wochen später seinen Liebesbrief verfasst, hat er auch schon einen weiteren Plan gefasst. Er will mit seiner Geliebten nach Mecklenburg durchbrennen und heimlich Hochzeit feiern. In seinem Schreiben bittet er Catharina aber um Vorsicht: „Ihr müsset euch nun gegen keinen Menschen was davon merken lasse, es sey dan, ihr seyd dessen Verschwiegenheit versichert.“

Nur einen Monat später setzen die Liebenden ihren Plan in die Tat um: Am 1. Mai, nur zwei Tage nach Catharinas 16. Geburtstag, fährt Heyer im Morgengrauen zum Burgtor und wartet dort auf seine Geliebte. Die schleicht sich mit dem Vorwand, sie würde Verwandte treffen, aus dem Haus und trifft vor den Stadtmauern auf ihren Verlobten. Sofort machen die beiden sich auf den Weg in Richtung Mecklenburg.

Unterdessen haben Catharinas Brüder ihr Verschwinden bemerkt und in ihrem Zimmer den Liebesbrief des Majors entdeckt. Sofort alarmieren sie den Lübecker Rat. Steckbriefe werden in der Stadt ausgehängt, die jeden dazu auffordern, das entflohene Mädchen zu verhaften. Außerdem verfassen die Männer wutentbrannt ein Schreiben an den Herzog von Mecklenburg, in dem sie die Todesstrafe für den „Entführer“ ihrer Schwester fordern.

Doch ihre Bemühungen haben keinen Erfolg: Heyer und Catharina heiraten am 4. Mai auf einem Adelshof in Mecklenburg. Getraut werden die Liebenden in aller Stille von dem ortsansässigen Pastor.

Ihr frisches Glück wird jedoch schnell auf die Probe gestellt: In Lübeck streben die immer noch erbosten Brüder einen Gerichtsprozess an. Zum einen forderten sie die Todesstrafe für Heyer. Zum anderen wollen Franz und Adolph aufgrund der in ihren Augen nicht rechtmäßigen Eheschließung das Vermögen Catharinas einbehalten. Es folgten Jahre des Rechtsstreits. Am Ende haben wieder die Liebenden die Nase vorn: 1703 gewinnen sie den Prozess in der höchsten Instanz. Ob Catharina Heyer ihr Vermögen dann auch ausgezahlt bekommt, ist unbekannt. Sie verstirbt sieben Jahre nach Verkündung des Urteils.

Katrin Diederichs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einigung im Senat: Keine neunmonatige Wiederbesetzungssperre.

13.02.2016

Kartenvorverkauf für den 27. Februar hat begonnen — 18 Häuser machen mit.

13.02.2016

Schiffsmakler tagen — 380 Gäste aus acht Nationen.

13.02.2016
Anzeige