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Lübeck Brodtener Steilufer: Stadt will Wanderweg 2014 schließen
Lokales Lübeck Brodtener Steilufer: Stadt will Wanderweg 2014 schließen
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23:33 05.11.2013
2014 soll der Wanderweg am Brodtener Steilufer gesperrt werden. Damit würde ein beliebtes Ausflugsziel im Norden Lübecks wegfallen. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

„Der Betrieb eines Wanderweges entlang des Brodtener Steilufers wird zum Frühjahr 2014 eingestellt. Die bestehenden Mietverträge werden zum nächstmöglichen Termin gekündigt.“ Das schlägt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) den Politikern in einer nicht-öffentlichen Vorlage vor, die in der kommenden Woche beraten wird. Folgen die Politiker dem Vorschlag, steht das Aus für einen äußerst beliebten Wanderweg bevor.

Nach Einschätzung von Kurdirektor Uwe Kirchhoff nutzen jedes Jahr „mehrere Zehntausend Menschen“ den Weg. Außerdem würde die Stadt den überregionalen Ostseeküsten-Radwanderweg unterbrechen. CDU und Grüne lehnen die Kündigung der Verträge ab.

Schindler begründet die Vorlage, die das Aus bedeutet, mit den erfolglosen Verhandlungen mit sieben privaten Flächenbesitzern. „Die Gespräche müssen als gescheitert betrachtet werden.“ Weder seien die Landwirte bereit, Mietkürzungen hinzunehmen, noch wollten sie das Land an die Stadt verkaufen.

Für 50 Hektar hatte die Stadt eine Million Euro angeboten. Die Bauern sollten dann die Flächen von der Stadt zurückpachten. Auch ein verkürzter Wanderweg zwischen Mövenstein und Hermannshöhe sei mit den Verpächtern nicht zu machen.

Erneut führt die Verwaltung das Argument der „teilweise stark überhöhten Mieten“ ins Feld. Knapp 22 000 Euro zahlte der städtische Kurbetrieb bislang als Pacht an sieben Eigentümer. Ziel der Stadt war, diese Summe um fast die Hälfte abzusenken.

Das wollten die Landwirte nicht mitmachen, die ihrerseits eine Anhebung der Mieten verlangten. Ihr Argument: Die langjährigen Verträge würden eine Wertsicherungsklausel beinhalten, die Mieten demnach ohnehin steigen.

Weil es über Monate zu keiner Einigung kam, legten die Eigentümer im April ein weiteres Angebot nach und senkten ihre ursprüngliche Erhöhungsforderung ab. Landwirt Hans-Peter Kröger: „Wir haben sechs Monate lang auf eine Antwort der Stadt gewartet.“

Das Angebot der Stadt, die Flächen komplett an die Hansestadt für eine Million zu veräußern und dann zurückzupachten, lehnten die Bauern ab. Kröger: „Zu diesem Preis würden wir gerne Land kaufen und nicht verkaufen.“ Außerdem wolle man nicht Pächter einer Stadt sein, die man schon jetzt als „Vertragsgegner“ begreife.

Der Landwirt appelliert an die Politiker, sich den ganzen Vorgang noch einmal sehr genau anzuschauen. Kröger: „Ich hoffe, dass die Abgeordneten das Thema nicht so engstirnig sehen.“ CDU und Grüne lehnen die Kündigung der Mietverträge ab. Ulrich Krause, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU: „Wir brauchen den Wanderweg. Mit einer Schließung würde sich die Stadt in der ganzen Lübecker Bucht zum Deppen machen.“

Der Weg müsse offen bleiben, sagt auch Carl Howe (Grüne). Es könne nicht angehen, dass der städtische Kurbetrieb die Miete reduziere, nachdem sie jahrelang gezahlt wurde. Anders dagegen die SPD. „Wir haben klipp und klar gesagt, dass wir nicht auf jede Forderung der Landwirte eingehen“, erklärt der wirtschaftspolitische Sprecher, Jörg Hundertmark, „die Forderungen sind überzogen.“ Eine Schließung sei zwar bitter für den Tourismus, „aber das Ende der Fahnenstange ist erreicht“.

Der Wanderweg ist allerdings auch Teil des überregionalen Ostseeküsten-Radwanderweges. Carsten Kramer, Vorsitzender des Fahrrad-Clubs ADFC: „Einfach dichtmachen — das geht nicht.“ Dann müsste die Stadt eine Alternativstrecke herrichten.

Verträge ausgelaufen
Im August 2012 wird der Streit zwischen Landwirten und der Stadt über die künftige Miete für die Flächen bekannt. 10 500 Euro will die Stadt künftig zahlen, 22 000 Euro wollen die Bauern haben. Bereits seit 2010 sind die alten Mietverträge ausgelaufen und können jederzeit gekündigt werden. Im Januar 2013 schlägt Senator Sven Schindler (SPD) vor, die bisherigen Mieten zu zahlen. Die Politiker fordern Schindler zu weiteren Verhandlungen auf. In den kommenden Wochen beraten zwei Ausschüsse und die Bürgerschaft über das Schicksal des Weges.

Kai Dordowsky

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