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Lübeck Brolingplatz künftig ohne Wochenmarkt?
Lokales Lübeck Brolingplatz künftig ohne Wochenmarkt?
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20:19 15.08.2015
Kein Markt ohne Blumenfrau Carmen Puttfarken: Die 68-Jährige steht seit 46 Jahren auf den Brolingplatz und will dahin zurück. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Mehr als zehn Jahre haben die Wochenmarktbeschicker darum gekämpft, dass der Brolingplatz umgebaut wird. Jetzt wird er für 1,2 Millionen Euro neu gestaltet, und die Händler müssen so lange auf den Parkplatz vor dem Hagebaumarkt an der Lohmühle ausweichen. Doch ausgerechnet dieser Notstandort erweist sich jetzt für viele als Glücksgriff.

Einige Händler liebäugeln sogar damit, dort zu bleiben. Der Vorteil: „Es gibt keine Parkplatzprobleme“, sagt Fischhändlerin Regine Groß, stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Marktbeschicker.

Die Händler würden sich in einer „echten Zwickmühle“ befinden. Denn die Umsätze sind am Ausweichstandort nicht um bis zu 50 Prozent eingebrochen — wie befürchtet. Im Gegenteil: Sie haben sich sogar um bis zu 30 Prozent erhöht.

„Die Menschen kommen nicht alle mit dem Rad und dem Bollerwagen zum Wochenmarkt“, sagt Groß, „wir können nicht von denen leben, die zu Fuß kommen.“ Auf öffentlichen Diskussionsveranstaltungen hat die Marktfrau deshalb immer wieder mehr Parkplätze am Brolingplatz gefordert. Stattdessen fallen durch die Neugestaltung aber welche weg. „Das habe ich von Anfang an moniert“, sagt Groß. An der Lohmühle kaufen jetzt viele Bürger auf dem Markt ein, die zum Hagebaumarkt fahren. „Jetzt kommen eben auch Leute zu uns, die dort problemlos parken können“, hat sie festgestellt.

Zehn Jahre lang die Umgestaltung fordern und dann nicht zurückkehren? „Das gibt Ärger“, schwant den Wochenmarktbeschickern. Doch Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) beruhigt. „Ich habe den Marktbeschickern gesagt, dass ich kein Problem damit habe, wenn sie dort bleiben möchten, wo sie jetzt sind.“ Der Brolingplatz werde in erster Linie für die Bewohner des Stadtteils hergerichtet.

Kostenträchtige Sonderwünsche der Marktkaufleute habe die Stadt „zum Glück ignoriert“, so der Bürgermeister. Tatsächlich hatten sich die Marktbeschicker und die Initiative Brolingplatz ein Markthäuschen gewünscht, das als Büro der Marktleitung und Treffpunkt der Initiative gedacht war. Der Hansestadt war das zu teuer. „Nun kriegt der Stadtteil einen schicken neuen Mittelpunkt für den Alltag und für Feste“, sagt Saxe, „die Marktbeschicker können selbst entscheiden, wo sie bleiben.“

Für die Bürgerinitiative Brolingplatz gibt es aber gar keine Frage, „dass der Wochenmarkt zurückkehrt“. Elin Altemark von der Initiative: „Ohne den Wochenmarkt ist die Nahversorgung in dem Quartier desolat.“ Aldi sei seit Jahren geschlossen, Edeka seit einigen Wochen ebenfalls. Altemark: „Wir haben noch einen Sky in der Schwartauer Allee und einen Netto in der Fackenburger Allee.“ Vor allem die vielen älteren Bewohner des Quartiers seien auf den Wochenmarkt auf dem Brolingplatz angewiesen. Altemark: „Wir wollen die Attraktivität des Wochenmarktes noch steigern, indem wir ein Café anbieten.“

Für Anke Trunzer aus der Schönböckener Straße ist es indes egal, ob der Markt auf dem Brolingplatz oder vor dem Hagebaumarkt steht. „Ich komme sowieso mit dem Rad“, sagt die 69-Jährige. Jens-Dieter Haß würde sich wünschen, dass der Markt bleibt, wo er jetzt ist. Der Leiter des Hagebaumarktes hat die Markthändler erst entdeckt, seit sie direkt vor seiner Tür stehen. Er und die Kaufleute verstehen sich gut, machen Aktionen, planen ein Grillfest. „Aber ich bleibe auch Kunde, wenn der Markt wieder zurück auf den Brolingplatz geht“, verspricht er. Christiane Hornburg ist eindeutig für den alten Standort: „Ein Markt braucht Flair.“ Der sei auf den Brolingplatz vorhanden, auf dem Parkplatz aber nicht.

Und die Händler? Sind zwiegespalten. „Wir haben viele neue Kunden gewonnen“, sagt Margarethe Hübsch, die seit 16 Jahren Eier auf dem Markt verkauft. Andererseits schaffen ältere Stammkunden aus dem Wohnquartier am Brolingplatz den Weg bis zum Hagebaumarkt nicht. „Ich will auf jeden Fall zurück“, sagt deshalb die Gemüsehändlerin Ingrid Zäske. Blumenfrau Carmen Puttfarken aus Hamburg nickt: „Ich will auch zurück.“ Der Platz am Hagebaumarkt sei gut als Ausweichquartier — aber nicht für immer.

Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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