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Lübeck Brücke aus Kaisers Zeiten wird ersetzt
Lokales Lübeck Brücke aus Kaisers Zeiten wird ersetzt
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22:15 28.01.2016
Die alte Stahlbrücke über den Elbe-Lübeck-Kanal ist marode. Seit Anfang 2015 ist die Traglast eingeschränkt. Fahrzeuge dürfen nur noch ein Gesamtgewicht von maximal zwölf Tonnen haben. Quelle: Fotos: Marohn, Archiv

Gibt es Lärm? Wie kommen die Kinder zur Schule? Wie lange sollen die Bauarbeiten dauern? Wird gerammt oder gebohrt? Rund 120 Anwohner drängen in den großen Gastraum des Sportlerheims des Kronsforder Sportvereins. Sie sind gekommen, um sich über den geplanten Neubau der Büssauer Kanalbrücke zu informieren. Denn die über 100 Jahre alte Querung über den Elbe-Lübeck-Kanal, die Nieder- und Oberbüssau miteinander verbindet, ist marode und soll abgerissen werden.

Zu dem Info-Abend eingeladen hat der Gemeinnützige Stadtteilverein Initiative für Lübecks ländliche Räume. „Es gibt sehr viele Gerüchte“, sagt Detlef Stolzenberg von der Initiative. Er und seine Mitstreiter wollen für Klarheit sorgen und haben kurzerhand die zuständige Behörde eingeladen, die Pläne zu präsentieren und sich den Fragen der Anwohner zu stellen.

Das Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg (WNA), das als Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für die Bauwerke über den Elbe-Lübeck-Kanal zuständig ist, reist gleich mit vier Mitarbeitern an.

„Wir haben auch die Bauverwaltung der Stadt eingeladen. Aber von denen ist keiner gekommen“, sagt Stolzenberg.

Rund 30 Minuten stellt WNA-Ingenieur Frank Wieland die Pläne des neuen Bauwerks vor und erläutert den weiteren Ablauf der geplanten Baumaßnahmen. Zwei Jahre Bauzeit veranschlagt die Behörde für den Abriss der alten Brücke und den Bau der neuen Stahlkonstruktion. In dieser Zeit wird ein kostenloser Shuttle-Service Fußgänger und Radfahrer von einem Ortsteil in den anderen bringen. Für die Autofahrer soll eine Umleitungsstrecke über die Straßen Langjohrd, Milbreed und Kronsforder Hauptstraße eingerichtet werden.

Der Baubeginn steht allerdings noch nicht fest, genau wie der ausführende Bauträger. Die Ausschreibungen laufen. „Wir gehen davon aus, dass Mitte 2016 angefangen wird“, sagt Wieland. Im dritten Quartal 2018 soll das neue Bauwerk fertig sein. Rund 4,5 Millionen Euro sind veranschlagt. Die neue Brücke soll eine Stützweite von 45 Metern haben, 13 Meter mehr als das alte Bauwerk. Die geplante Fahrbahnbreite der neuen Stahlkonstruktion soll 4,80 Meter betragen. „Es gibt keine Lastbeschränkung mehr“, sagt Wieland.

Kopfzerbrechen bereiten den Planern nicht nur der torfige Untergrund, auf dem das Bauwerk steht. Auch die Materialzulieferung zur Baustelle wird nicht einfach. Geplant ist, dies komplett über die Schleusenstraße abzuwickeln. Mit einem Ponton soll das Material auf die andere Seite gebracht werden. Der Baustellenverkehr sorgt gerade bei den Anwohnern der Schleusenstraße für einige Unruhe. Doch das WNA wiegelt schnell ab. Mit einer Beweissicherung will man alle Gebäude vor dem Bau erfassen. So kann man auf etwaige Schäden, die durch die Bauarbeiten entstehen, gleich reagieren.

„Es ist ein schwieriges Bauvorhaben. Uns ist sehr daran gelegen, dass nichts passiert“, sagt Rüdiger Richter, Leiter des Sachbereichs Brücken des WNA. Martin Peyk (53) wohnt seit 2002 in der Schleusenstraße und lauscht den Ausführungen äußerst gespannt. Er macht sich Sorgen, welche Auswirkungen die Bauarbeiten auf sein Haus haben werden. Dennoch sieht er die Infoveranstaltung sehr positiv. „Es ist sehr informativ. Man muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen.“

Historisches Bauwerk
1900 Die Kanalbrücke über die Schleuse Büssau wird gebaut. Sie quert genau bei Kilometer 3,427 den Elbe-Lübeck-Kanal und verbindet die Ortsteile Nieder- und Oberbüssau. Das 32 Meter lange Bauwerk ruht auf zwei Widerlagern. Sie hat eine Fahrbahnbreite von genau vier Metern. Mit ihren Maßen ist das Bauwerk nun zu klein für die modernen Großmotorschiffe, die eine Durchfahrtshöhe von mindestens 5,25 Metern benötigen.
Ein Planfeststellungsverfahren wird 2009 eröffnet. Es endet 2012 mit dem Beschluss, die Brücke neu zu bauen. Seit Anfang 2015 ist die Traglast der Brücke eingeschränkt. Bei einer routinemäßigen Kontrolle werden erhebliche Mängel festgestellt. Seitdem darf sie nur noch mit einem Gesamtgewicht von maximal zwölf Tonnen befahren werden.

Majka Gerke

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