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Lübeck Brummifahrer demonstrieren lautstark gegen Lohndumping
Lokales Lübeck Brummifahrer demonstrieren lautstark gegen Lohndumping
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20:19 31.08.2013
Einer von vielen aussagekräftigen Sprüchen: Bevor der Demo-Konvoi durch Lübeck startet, macht Trucker Bernd von Finte unterhalb der Fahrerkabine noch schnell das Banner an seinem Lkw fest. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

15 Stunden war Jürgen Franz „auf dem Bock“ — wie es im Trucker- Fachjargon heißt — und erst gegen Mitternacht zu Hause. Und trotzdem hat er sich nur ein paar Stunden später wieder aus dem westfälischen Ibbenbüren auf den Weg gemacht, um bei dieser „Demonstration der Stärke“ dabei zu sein, so der 54-jährige Berufskraftfahrer. An die 50 Lkws fuhren gestern Vormittag in Konvoi-Formation vom Nordlandkai über die Lohmühle und durch die Schönböckener Straße ins Gewerbegebiet Roggenhorst. Eskortiert von der Polizei machten sie auf ihrem Weg durch die Stadt lautstark, mit durchdringenden Hupen- und Fanfarenklängen, auf sich aufmerksam.

Ihr Anliegen wurde durch zahlreiche Transparente, die an den Fahrzeugen befestigt waren, deutlich — „Fahrer gegen Lohndumping“, „Konvoi gegen EU-Willkür und Sozialabbau“ oder „hier kommt Werner, aber wie lange noch?“ Was die Trucker außerhalb ihrer Arbeitszeit so massiv auf die Straße treibt, ist das Reizwort „Kabotage“. So beabsichtigt die EU, die Regeln für die grenzüberschreitenden Transporte noch weiter zu lockern. „Im Februar ist bei unseren holländischen Kollegen die Wut darüber als erstes hochgekocht, dass eine lettische Spedition, mit Stammsitz in Lübeck, Fahrer auf den Philippinen anwirbt. Diese sollen unter anderem für 680 Euro brutto in ganz Europa fahren“, erklärte Demo-Veranstalter Sven Gerhardt von der ursprünglich holländischen Bewegung „Actie in de Transport Germany“.

„Daher auch diese Abschlusskundgebung hier in der Spenglerstraße“, erklärte der 42-Jährige.

In den Beneluxstaaten sind zudem einige Firmen aufgeflogen, die osteuropäische Fahrer über Schein- und Leihfirmen sogar nur für maximal 380 Euro Monatslohn im nationalen Verkehr auf den Lkw setzen.

Nun besteht die Furcht, dass sich diese „Billigheimer“ dank Kabotage auch in Deutschland ausbreiten, sorgt sich der Verein Kraftfahrer-Clubs Deutschland, der die Aktion mitorganisiert hat. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2200 Euro verdient ein deutscher Brummifahrer „Das ist doch das Aus für unseren Berufsstand hierzulande“, bemerkte dann auch Rouven Jacobi, „geht das so weiter, bin ich in spätestens fünf Jahren arbeitslos.“ Drei Jahre lang wurde der 22-Jährige zum Berufskraftfahrer ausgebildet, bevor er eigenständig seinen 40-Tonner mit Holz aus Finnland durch Europa steuern durfte. „Den Job wollte ich schon immer machen, weil ich diese Freiheit liebe“, betonte er.

Sattelzüge, Zugmaschinen und 40-Tonner mit Kennzeichen quer durchs Land, dazu skandinavische, österreichische und holländische Nummernschilder — „auf diesen Konvoi können wir doch stolz sein“, sagte Monika Pickering, die mit ihrem Lkw vor allem im Hamburger Hafen eingesetzt wird. „Wir wenden uns nicht gegen unsere ausländischen Kollegen; wir wenden uns gegen dieses ausbeuterische System und fordern in der gesamten EU einheitliche, angepasste Mindestlöhne sowie einheitliche Frachttarife“, stellte sie fest.

Rückendeckung für die Anliegen der Brummifahrer kam gestern auch vom Unternehmensverband Logistik. So trat auch dessen Geschäftsführer, Thomas Rackow, ans Mikrofon. „Von Lübeck aus soll ein Signal für ganz Deutschland ausgehen“, so seine Botschaft.

Michael Hollinde

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