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Lübeck Brunnen am Gustav-Radbruch-Platz wird abgerissen
Lokales Lübeck Brunnen am Gustav-Radbruch-Platz wird abgerissen
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20:43 16.09.2016
Der Brunnen auf dem Gustav-Radbruch-Platz wird seit Freitag abgerissen. Eine Reparatur wäre zu teuer gewesen. Quelle: Holger Kröger
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St. Gertrud

Am Freitagmorgen rückt der Abbruchbagger an. Sein Ziel ist der am Rande des Gustav-Radbruch-Platzes gelegene Burgfeldbrunnen. Am 31. Juli 1964 wurde das aus Stahlbeton gefertigte Bauwerk erstmalig in Betrieb genommen, jetzt – über 50 Jahre später – ist es endgültig vorbei mit sprudelnden Fontänen über den großflächigen Wasserbecken.

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Das über 50 Jahre alte Bauwerk auf dem Gustav-Radbruch- Platz ist beschädigt und wird abgerissen. Umstritten war der Brunnen immer.

1964 wurde der Brunnen fertig gestellt. Entworfen hatte ihn die Stadt in Zusammenarbeit mit einem Gartenarchitekten. Die Baumaterialien waren Stahlbeton für das Brunnenbecken und Waschbetonsteine für die Umrandung.

24 000 Euro kosten die Rückbaumaßnahmen insgesamt. Nach dem Abriss soll der Bereich des Brunnenbeckens bis zum vorhandenen Geländeniveau aufgefüllt und begrünt werden.

Mit einem Hydraulikmeißel zerstemmt Maschinist Heiko Fronder vom Abbruchunternehmen Grabowski die 20 Zentimeter dicken Wände der Wasserbecken; bis zum Mittag hat er bereits die Hälfte des Brunnens zerstört. Die Lübeckerin Jutta Böckmann schaut vom Bussteig aus interessiert zu der Baustelle hinüber. Ganz dunkel kann sich die 75-Jährige an das erste Jahr des Brunnens erinnern. „Ich fand ihn früher schon etwas lieblos“, sagt sie bestimmt. Ein großer Verlust sei der Abriss für sie nicht.

Auch andere Lübecker teilten damals diese Ansicht: Im Stadtarchiv hat Dr. Jan Lokers Leserbriefe an die LN vom März 1965 gefunden, die – gelinde gesagt – Geringschätzung zum Ausdruck bringen. So findet sich da unter anderem die Meinung, es handele sich bei dem Bauwerk „um einen (Vieh-) Trog von entwaffnender Dürftigkeit.“ Doch nicht jedermanns Erinnerung an den Brunnen ist dermaßen düster:

Bianca Krönke wird das sprudelnde Nass definitiv vermissen. „Mein jetzt fünf Jahre alter Sohn hat immer gern darin gespielt“, sagt die 35-Jährige. Für sie und ihre Familie sei es stets ein geselliger Ort gewesen.

Dass der Brunnen überhaupt abgerissen werden muss, begründet die Stadt mit massiven Schädigungen am Material. Alternativen seien geprüft worden, aber eine Instandsetzung wäre in Hinblick auf die geplante Neugestaltung des Gustav-Radbruch-Platzes nicht wirtschaftlich, lässt der Bereich Stadtgrün und Verkehr mitteilen. Informationen zu Beginn und Art dieser Neugestaltung könne die Stadt derzeit aber noch nicht geben, sagt Stadtsprecherin Valessa Glisovic.

Refik Gülsen (58) und seine Frau Halise (57) betreiben seit 25 Jahren den kleinen Kiosk auf dem Burgfeld und wünschen sich wieder einen Brunnen. Schmunzelnd erinnern sie sich, dass mehrmals Seife oder Waschpulver ins Wasser gekippt worden war, sodass nach kurzer Zeit ein großer, glitzernder Schaumball den Brunnen umhüllte. Obwohl so ein Streich nicht richtig sei, müssen die Eheleute noch heute darüber lachen. Grün gebe es überall genug, findet Halise Gülsen – Wasser belebe den Platz.

Doch erst einmal werden sich die Kioskbetreiber und Bürger mit einer ebenen Fläche begnügen müssen. In zwei Wochen sollen die Arbeiten beendet sein.

 Luisa Jacobsen

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