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„Bürger-Konzept ist voller Lyrik und bunter Bilder“

Nördliche Wallhalbinsel „Bürger-Konzept ist voller Lyrik und bunter Bilder“

Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft (KWL), erhebt massive Kritik an den alternativen Plänen für die Nördliche Wallhalbinsel.

Mann der Media Docks: Dirk Gerdes (53) hat den ersten Hafenschuppen auf der Nördlichen Wallhalbinsel saniert. Am 19. April 2002 wurde er eröffnet.

Quelle: Maxwitat

Lübeck. Die Stadt hat erhebliche Zweifel an dem Bürger-Konzept für die Wallhalbinsel. Sie gehören zu den größten Kritikern. Sind Sie ein schlechter Verlierer, weil Ihr Kailine-Projekt versenkt wurde?

Dirk Gerdes: Nein, ich will mich nicht beklagen über alternative Pläne. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das Projekt Kailine die Stadt am Ende viel weiter bringen würde als die Pläne der Projektgruppe Hafenschuppen (PIH).

Was stört Sie konkret am Konzept?

Gerdes: Die Broschüre der PIH ist voller Lyrik und bunter Bilder. Es fehlt aus meiner Sicht aber an elementaren Dingen, die wir in der Mediationsrunde diskutiert haben.

Zum Beispiel?

Gerdes: Dazu gehört der Nachweis der Wirtschaftlichkeit jedes einzelnen Schuppens — vor allem derjenigen, in denen soziale, sozialtherapeutische, karitative oder kulturelle Einrichtungen untergebracht werden sollen. Dazu findet sich in dem Papier keine einzige Berechnung. Aus meiner Sicht zielt das Konzept vordringlich darauf ab, zunächst lediglich den Abriss der Schuppen zu verhindern. Zitat aus der Broschüre: „Hierzu gehört auch die Offenheit für anfängliche Interimslösungen.“ Die Schuppen werden nicht umgebaut, sondern zunächst nur notdürftig hergerichtet, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist.

Zu wenige Wohnungen sind ein weiterer Kritikpunkt. Eignet sich die Wallhalbinsel denn als Wohnviertel?

Gerdes: Das ist ein sehr, sehr guter Wohnstandort. Wir sind eine wachsende Stadt. Durch die Bereitstellung von Wohnungen in dieser Lage holen wir deutlich mehr Wirtschaftskraft in die Stadt als die von der PIH vorgesehene Nutzung. Wohnen am Wasser mit Blick auf die Altstadt ist das Nonplusultra. Wozu brauchen Theater oder Proberäume für Musiker eine Top-Lage am Wasser?

Dann könnte man mehr Schuppen zu Wohnungen machen . . .

Gerdes: Mit Kailine hatten wir einen Wohnungsmix angeboten, der uns in die Lage versetzt hätte, auch günstigere Grundstücke für den sozialen Wohnungsbau auf den Markt zu bringen. Dazu hatten wir zusammen mit der Lübecker Wohnungswirtschaft ein Konzept erarbeitet. Im Übrigen liegen die von der PIH genannten 3200 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung im Vergleich zu dem Kailine-Projekt etwa auf demselben Niveau. Nur spricht jetzt niemand von Luxuswohnungen.

Die PIH sagt, in dem Papier der Stadt sind viele Fragen, die die Stadt klären muss, nicht die Initiative. Stimmt das?

Gerdes: Nein, das ist definitiv nicht so. Beispielsweise Parken: Da gibt es eine Reihe von Fragezeichen. Neben dem üblichen Bedarf an Stellplätzen sieht das Konzept ein Hotel mit 150 Zimmern vor, hinzu kommen die Media Docks mit einem Bedarf an 140 Stellplätzen, dann „Kunst am Kai“ — ein Theater mit 700 Sitzplätzen. Für den Strandsalon sieht das Konzept ganze 25 Stellplätze vor. Das reicht hinten und vorne nicht. Der Stellplatzerlass ist das eine, der tatsächliche Bedarf das andere.

Es ist ein Parkhaus mit 150 Stellplätzen angedacht.

Gerdes: Das sind viel zu wenig. Und wer baut das — die PIH? Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen.

Hatten die isländischen Investoren bereits ein fertiges Verkehrskonzept?

Gerdes: Die Isländer sind ja noch einen Schritt vor dem Kailine-Projekt gewesen. Wir hatten mit Kailine ein sehr ausgeklügeltes Park-Konzept erarbeitet, das ein großes Parkhaus und Tiefgaragen unter jedem Neubau vorsah.

Unterm Strich bleiben beim Konzept der PIH aber 900 000 Euro übrig für die Stadt wie bei Kailine...

Gerdes: Das stimmt nicht. Die PIH hat nicht berücksichtigt, dass die bisher aufgelaufenen Vorkosten von 650 000 Euro abzuziehen sind. Also bleiben nur 250000 Euro Gewinn bei der Stadt.

Bei Kailine hingegen haben wir den Gewinn für die Stadt nach oben korrigiert, weil sich in Zusammenhang mit der Ausschreibung der ersten beiden Baufelder ergeben hatte, dass wir deutlich höhere Grundstückspreise erzielen konnten, als von uns angenommen. Unsere letzte Kalkulation ergibt einen Überschuss von 2,95 Millionen Euro für die Stadt.

Sie haben die Media Docks saniert und Schuppen 10/11. Warum sind Sie gegen die Sanierung weiterer Schuppen?

Gerdes: Es gibt einen Sättigungsgrad am Markt. Und wir wissen, was eine Sanierung bedeutet, welche Kosten die Schuppen verursachen und welchen Aufwand solche Projekte nach sich ziehen. Wir müssen laufend die Schuppen instand halten. Für die Media Docks haben wir zuletzt eine Million Euro ausgegeben — nur für die Fassadensanierung. Die Gebäudesubstanz der Schuppen ist denkbar schlecht.

Wir wissen, wovon wir sprechen. Wir haben bei den Media Docks und bei den Schuppen 10/11 gläserne Hüllen eingebaut. Das ist teuer, aber nur so bleiben die Schuppen erhalten und können permanent genutzt werden. Dies muss über Miete finanziert werden. Wir schaffen die Wirtschaftlichkeit nur, weil wir Spitzenmieten von zwölf Euro pro Quadratmeter und mehr erzielen.

Verkämpfen Sie sich da nicht? Die Politik will die Hafenschuppen erhalten.

Gerdes: Selbstverständlich. Wenn der Beschluss gefasst wird, dann wird der von uns ohne Wenn und Aber akzeptiert. Dann sind wir die Letzten, die sich weigern, an der Umsetzung mitzuwirken.

Aber es muss auch erlaubt sein, Kritik zu üben. Wir haben mit dem Kailine-Projekt sehr viel Kritik einstecken müssen, insbesondere von der Bürgerinitiative. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein schlechter Verlierer bin. Ich möchte nur einen Beitrag dazu leisten, dass die Politik über alle Dinge informiert ist, um sorgsam das Für und Wider abzuwägen.

Einmal Glaskugelgucken: Wird das Bürger-Konzept verwirklicht?

Gerdes: Es gibt eine politische Mehrheit für das PIH-Konzept. Ich weiß nicht, ob das die Mehrheit der Lübecker so sieht.

Interview: Josephine v. Zastrow

Bürgerschaft: Kailine-Verkauf

4,3 Millionen Euro für zwei Grundstücke mit 5000 Quadratmetern auf der Nördlichen Wallhalbinsel wollten die Investoren Jürgen Wernekinck und Volker Schlüschen zahlen — mehr Geld, als das Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) erwartet hatte. Dort ging man von drei Millionen aus. Doch die Bürgerschaft lehnte im Sommer 2013 ab.

Damit stoppte sie das Kailine-Projekt in letzter Minute. Nun ist dieser Kaufvertrag wieder auf der morgigen Tagesordnung der Bürgerschaft. Auf Antrag der SPD hatten die Politiker beschlossen, dass der Kaufvertrag erneut in die Bürgerschaft kommt, wenn das Bürger-Konzept vorliegt.

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Lübeck
Blick von der Senatorenbank in den Bürgerschaftssaal: Bausenator Franz-Peter Boden (SPD, l.) sitzt traditionell ganz außen, ihm gegenüber die CDU-Fraktion. An der anderen Seite des Raumes hat die SPD ihren Platz. Sie sitzt am Eingang, von dort geht es zur Lobby.

Die alten Hafenschuppen bleiben: Denn das Alternativ- Konzept für die Nördliche Wallhalbinsel soll verwirklicht werden. Das hat die Bürgerschaft mit den Stimmen von CDU, Grünen, Linken, FDP, BfL, Partei-Piraten und Freien Wählern gestern beschlossen. Nur die SPD votiert dagegen.

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