Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Bürger wehren sich: Wir wollen keine Geldeintreiber sein
Lokales Lübeck Bürger wehren sich: Wir wollen keine Geldeintreiber sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:25 22.03.2014
Lübeck

Sie sprechen von „Wahnsinn“ und „Frechheit“: Die Bürger wollen nicht für die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) bei den Nachbarn abkassieren. Sie rebellieren. So wie Daniel Czerner aus Buntekuh.

Er bekam die Aufforderung, bei 116 Miteigentümern seiner Reihenhaussiedlung im Pinassenweg die Gebühr für die versiegelten Flächen von jeweils um die 60 Cent einzukassieren. Es geht um die Parkplätze vor den Reihenhäusern sowie um gemeinsam genutzte Gehwege. Von 15 Nachbarn soll er die anteilige Regensteuer für einen Fußweg eintreiben.

Der 45-Jährige nennt das „Wahnsinn“. Czerner: „Ich habe zwei Jobs, wie soll ich das machen?“ Außerdem kenne er die meisten gar nicht. Es gehe zwar nur um Centbeträge für die Einzelnen, aber der von den EBL ernannte Kassierer könne gar keine Vollmacht vorzeigen. Czerner hat Widerspruch eingelegt und sich beim Grundbuchamt erkundigt, wem die Flächen überhaupt gehören. Jetzt soll er nur noch für den Fußweg kassieren. Der Entsorger hätte in der Siedlung aber weitere zehn bis 15 Nachbarn als Kassierer ausgewählt, berichtet Czerner.

Das gleiche Bild im Musikerviertel. „Wir haben hier Höfe mit zehn Garagen“, berichtet Günter Sawall, „einer soll für alle zahlen und sich das Geld dann von den Miteigentümern wiederholen.“ Sawall:

„Die EBL hat nicht einmal Angaben gemacht, wem die anderen Garagen gehören.“ Die Teilergemeinschaft ist sogar doppelt betroffen. Die Entsorgungsbetriebe wollen nämlich auch deren Müllbehälter von Großgefäßen auf einzelne Tonnen umstellen und haben die Eigentümer aufgefordert, einen Verwalter für die Rechnung zu benennen. Sawall: „Die EBL erhöhen die Müllgebühren und zum Dank dürfen wir das Geld eintreiben.“

Fassungslos sind auch Diane Gaedeke und Heiko Schymura aus Travemünde. Sie bekamen vor einer Woche die Abrechnung für den Fußweg hinter ihrem Haus in der Straße Langer Bogen. „Nur zufällig ist uns aufgefallen, dass wir für ein 92 Quadratmeter großes Stück Gemeinschaftsfläche zahlen sollten. Am Telefon hat man uns gesagt, dass wir per Losverfahren ausgewählt wurden, um das Geld von 14 Parteien einzutreiben“, sagt Schymura. „Wir sind fast vom Glauben abgefallen.“ Es geht um rund 40 Euro für das Jahr 2013. Das Kuriose: In der Abrechnung steht nichts von dieser Aufgabe. „Wir wurden gar nicht darauf hingewiesen, geschweige denn gefragt“, sagt der Travemünder. Wie er und seine Freundin die Aufgabe lösen sollen, ist ihnen schleierhaft. In den Reihenhäusern seien Menschen längst wieder umgezogen oder verstorben. „Da hieß es, die jetzigen Bewohner sollen zahlen und es sich von den Vorgängern wiederholen. Es ist eine Frechheit, dass wir im Zweifel Gesamtschuldner sind.“

Heiko Schymura hat Widerspruch eingelegt. Alle 14 Parteien haben zudem dafür unterschrieben, dass nicht nur einer das Amt als Verwalter übernehmen soll. „Das allen zu erklären hat Stunden gekostet“, sagt er. Und nun fragt er sich, wer wohl für den Weg vor ihrem Haus zuständig sein soll. „Ich glaube, dass anderen diese Verfahrensweise gar nicht auffällt und sie unwissend für alle bezahlen.“

Auf der Homepage der EBL ist zu lesen, dass einzelne Rechnungen an alle Betroffenen einen erhöhten Verwaltungsaufwand bedeuten würden. „Gerecht und bürgerfreundlich“ sei die Vorgehensweise, verteidigt das städtische Unternehmen sein Handeln. Heiko Schymura sieht das anders: „Es werden bestimmt Millionen für Vermessungen und Berechnungen ausgeben. Und bei uns sparen sie jetzt am Papier?“

„„Ich habe zwei Jobs,
wie soll ich das machen? Außerdem kenne ich die meisten Nachbarn gar nicht und habe keine Vollmacht.“
Daniel Czerner aus Buntekuh
„Es ist eine Frechheit,

dass wir im Zweifel Gesamtschuldner sind.
Unsere Aufgabe allen Nachbarn zu erklären, hat Stunden gedauert.“
Heiko Schymura aus Travemünde

Kai Dordowsky und Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Illusionen und Erotik, Tanz und Gesang im Kolosseum

22.03.2014

Es sind zehn Sekunden, die zu zwei E-Mails von Schülern an Dietmar Hampel führen. „Verrückt“ steht in der einen, „eine riesige Medienpräsenz“ in der anderen.

22.03.2014

Dehoga begrüßte 650 Gäste in der MuK — ein kulinarischer Abend der Superlative.

22.03.2014