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Lübeck Bürgerschaft entscheidet: Lieber Park als Autos
Lokales Lübeck Bürgerschaft entscheidet: Lieber Park als Autos
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21:14 30.06.2017
St. Lorenz Nord

Abgelehnt. Die Bürgerschaft hat gegen den Verkauf eines Grundstücks an der Stockelsdorfer Straße gestimmt. Die Stadt wollte das 10000 Quadratmeter große Areal für 700000 Euro an das Autohaus Pfohe veräußern. Es sollte dort erweitert werden. Aber diese Pläne sind jetzt gescheitert. Und zugleich ist der Weg frei für die Ideen der Bürgerinitiative Brolingplatz. Sie will aus dem Areal einen Obstgarten für alle machen. Zu später Stunde am Donnerstag haben SPD, GAL und Grüne in nicht-öffentlicher Sitzung gegen den Verkauf gestimmt. Obwohl SPD-Senator Sven Schindler den Verkauf wollte und einen Kompromiss vorgeschlagen hatte.

Keine Erweiterung: Das Autohaus Pfohe wollte das benachbarte Grundstück von der Stadt kaufen, da es Platznot hat. Quelle: Fotos: Neelsen, Maxwitat*
„Wir wollen keine weitere Versiegelung in dem Stadtteil.“ Harald Quirder, baupolitischer Sprecher der SPD

„Das ist ein weiterer Sargnagel für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Hansestadt“, kritisiert CDU-Wirtschaftsmann Ulrich Krause den Beschluss. Außerdem: „Der Aufenthaltswert dieser Fläche geht gegen Null“, argumentiert Krause. Denn das Grundstück liegt direkt an der Autobahn, wo es laut und dreckig ist. Und: „Es liegt nicht einmal ein Konzept für die Entwicklung der Fläche vor“, reagiert er empört. Wirtschaftssenator Schindler ist überrascht vom Beschluss der eigenen Fraktion: „Ich bedauere diese Entscheidung.“ Denn zuvor war der Verkauf in zwei Ausschüssen beschlossen worden – mit Enthaltung der SPD.

Doch der Kompromiss von Schindler hat die eigenen Genossen nicht überzeugt. Seine Idee: Das Grundstück wird an das Autohaus verkauft. Als Ausgleich werden am Wanderweg des Struckbachs hundert neue, große Bäume gepflanzt. „Als grünes Bollwerk gegen die Autobahn“, so Schindler. Sie würden das Fünffache an Sauerstoff wie die jetzige, verwilderte Grünfläche produzieren. Doch damit kann Schindler nicht punkten. „Es ging wohl eher um die Durchsetzung des Prinzips, weitere Flächenversiegelungen zu verhindern“, sagt er resigniert.

„Wir wollen keine weitere Versiegelung der Grünflächen in dem Stadtteil“, bestätigt Harald Quirder, baupolitischer Sprecher der SPD. Nach seiner Aussage kämpfe die SPD seit Jahren für mehr Grün in St. Lorenz Nord. Damit haben sich die Bauleute gegen die Wirtschaftsleute in der SPD durchgesetzt. Denn es gab durchaus Sozialdemokraten, die für den Verkauf der Flächen an das Autohaus votieren wollten. Auch Conja Grau hatte sich dafür eingesetzt. Sie ist Wirtschaftskoordinatorin der Stadt und gleichzeitig SPD-Mitglied.

Enttäuschung bei Sönke Freyer, Chef des Autohauses Pfohe. „Ich habe die Entscheidung nicht verstanden“, gibt er zu. Denn im Vorwege habe er gut mit der Stadtverwaltung zusammengearbeitet. Durch das 10000 Quadratmeter große Grundstück wäre die Situation für alle entspannter gewesen. „Für den Betrieb und auch für die Anwohner“, so Freyer. „Natürlich bin ich ärgerlich – aber das ist Demokratie“, gibt er zu. Jetzt müsse er versuchen, die Arbeitsabläufe auf dem Gelände anders zu organisieren. Denn das Autohaus kann sich nicht an anderer Stelle erweitern. Lediglich das benachbarte Gelände wäre dazu geeignet gewesen. Es war früher eine Kleingartenanlage und liegt seit neun Jahren brach. Seither hat sich das Autohaus immer wieder um den Kauf dieses Grundstücks bemüht.

Jubel indes bei der Bürgerinitiative Brolingplatz. „Wir freuen uns riesig darüber. Das ist ganz toll“, kommentiert Sprecherin Regine Groß den Beschluss der Bürgerschaft. Es zeige, dass man sich noch auf die Politiker verlassen könne. Die hatten 2004 nämlich einen Plan beschlossen, der aus dem Areal einen Park machen sollte. Denn in St. Lorenz Nord gibt es wenig Grün. Die Initiative hat für den Erhalt der „grünen Lunge“ gekämpft und will jetzt einen Obstgarten daraus machen – mit Hilfe des Vereins Hanseobst. Groß kann sich auch vorstellen, dass dort Schulklassen gärtnern; sozusagen urbaner Gartenbau. Das ist eine Bewegung, die sich in Großstädten entwickelt hat. Dabei geht es darum, in dicht besiedelten Gebieten einen „Garten für alle“ zu realisieren. Groß: „Wir wissen, wir haben eine große Verantwortung. Und wollen die Entwicklung jetzt in Ruhe angehen.“

Josephine von Zastrow

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