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Lübeck Bürgerschaft stimmt gegen den Erhalt der Linden
Lokales Lübeck Bürgerschaft stimmt gegen den Erhalt der Linden
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15:03 01.07.2016
Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Innenstadt

Unübersichtlich, unbefriedigend, unschön: Die Bürgerschaft hat den Erhalt der Linden abgelehnt – gegen die Stimmen von Grünen, GAL und Die Partei. Ausgefallen ist dabei die hochemotionale Debatte um den Erhalt der Linden an der Untertrave. Zumindest in der Bürgerschaft. Denn niemand meldet sich zu Wort, als der Tagesordnungspunkt drankommt – und schon ist Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer (SPD) in der Abstimmung über die Anträge von GAL und Grünen. Nach LN-Informationen wollten die Grünen der GAL den Vortritt lassen, damit deren Vertreterin als erste ans Rednerpult kann – doch diese Absprache ist bei der GAL im Eifer des Gefechts untergegangen. Dann hagelt es Proteste, es gibt eine Unterbrechung, der Ältestenrat tagt – aber es bleibt dabei.

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Die Bürgerschaft lehnt den Erhalt der Linden gänzlich ohne Debatte ab.

Dafür geht es in der Lobby vor dem Bürgerschaftssaal hoch her. „Die Stadtpräsidentin Schopenhauer hat uns zugesagt, dass wir die Unterschriften in der Sitzung übergeben dürfen“, macht Alexandra Stauvermann ihrem Ärger Luft. 5000 haben sie und andere Bürger gesammelt, damit die 48 Bäume an der Untertrave stehenbleiben. Sie sollen durch 60 Perlschnurbäume ersetzt werden. Denn die Stadt baut die Untertrave in diesem Herbst für 15,6 Millionen Euro zur Flaniermeile um. Das Fernsehen ist da, das Radio, die Zeitungen. „Nirgends wurde gesagt, dass die Bäume abgeholzt werden“, ruft eine Lübeckerin. „Darüber diskutiere ich nicht mit Ihnen, weil es nicht stimmt“, versucht Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) zu klären. Als zuständiger Senator stellt er sich den aufgebrachten Bürgern.

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„Wir haben doch eine Bürgerbeteiligung mit 150 Leuten gemacht.“ Außerdem habe das 300 Seiten starke Baumgutachten ausgelegen, das Aussagen über jeden einzelnen Baum beinhalte. „Das hat sich jeder Bürger ansehen können.“ Doch die Bürger sind sauer. „Die Bäume können erhalten werden“, ist Stauvermann überzeugt. Den Linden müsse mehr Platz eingeräumt werden.

„Die Linden kommen weg“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau, und dass seine Partei keine Angst vor einem Bürgerbegehren habe. „Ein Großteil der Unterschriften stammt von Touristen“, merkt Lindenau an. Bei einem Bürgerbegehren aber dürfen nur die Lübecker unterzeichnen. Außerdem stehe das Aktionsbündnis zur Rettung der Linden unter hohem Zeitdruck. Es müsste innerhalb kurzer Zeit 10000 Unterschriften sammeln. „Die Linden werden gefällt, und Ersatzbäume werden gepflanzt“, bestätigt CDU-Fraktionschef Andreas Zander. „Wir haben ewig lange geplant, und wir haben ewig lange diskutiert. Jetzt muss es losgehen.“

Auch FDP-Fraktionschef Thomas Rathcke kann das Verhalten der Linden-Freunde nicht verstehen. „Dass die Bäume wegkommen, war für jeden ersichtlich.“ Weitere Diskussionen und Aktionen seien kontraproduktiv, sagt Rathcke. Sauer reagiert die GAL auf die Linden-Entscheidung ohne Debatte. „Es ist eindeutig, dass man uns nicht reden lassen wollte“, kritisiert die GAL-Politikerin Katja Mentz die Sitzungsführung von Stadtpräsidentin Schopenhauer. Dass die 5000 Unterschriften nicht in der Sitzung überreicht werden durften, sei ein „starkes Stück gegenüber den Bürgern“, erklärt Mentz. Auch Grünen-Fraktionschefin Michelle Akyurt hält Schopenhauer eine „unsensible Sitzungsführung“ vor.

Am Mittwoch berät das Aktionsbündnis über ein Bürgerbegehren.

Als Lindenau zum Biber wurde

Der SPD-Fraktionschef Jan Lindenau als Biber, der die 48 Winterlinden an der Untertrave abnagt: Mit diesem Spaß hat sich die selbsternannte Spaßpartei „Die Partei“ in das Aufreger-Thema der letzten beiden Wochen eingemischt.

Biber Lindenau wurde an den von Fällung bedrohten Bäumen angebracht – verziert mit der Aufforderung: „Esst mehr Lindenaus“. Gestern in der Bürgerschaft erhielt der SPD-Vormann dann sogar ein T-Shirt mit seinem Biber-Konterfei – überreicht vom Bürgerschaftsabgeordneten Bastian Langbehn, einem von zwei Mitgliedern der Fraktion der Partei-Piraten.

„Ist das auch in XXL?“, erkundigte sich Lindenau zunächst bei Langbehn. Fraktionskollegin Kerstin Metzner half bei der Anprobe im Bürgerschaftssaal und fertigte anschließend ein paar Fotos von Spender und Beschenktem. „Die Partei hat jetzt ihren Spaß gehabt“, kehrte Lindenau zum Ernst der Lage zurück, „ich weiß nicht, ob man damit die halbe Stadt zupflastern muss.“ Immerhin sei die Spaßpartei erstmals seit ihrem Einzug in die Stadtvertretung mit einem Gag aufgefallen, merkte Lindenau noch an. Den Linden hat es nicht geholfen.

 Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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