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Lübeck Bundespolizei: Der bisher größte Jahrgang
Lokales Lübeck Bundespolizei: Der bisher größte Jahrgang
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16:48 30.08.2018
Die Absolventen des 72. Studienjahrgangs Bundespolizei bei ihrer Abschlussveranstaltung in der Musik- und Kongresshalle Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Die Bundespolizei wächst. Seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 steigt die Zahl der Neueinstellungen. Das macht sich auch an der Akademie in Lübeck bemerkbar, die Beamten für den gehobenen Dienst ausbildet: Der 72. Jahrgang ist der bisher größte. 394 Absolventinnen und Absolventen bekamen am Donnerstag in der MuK ihre Urkunden ausgehändigt, darunter sechs Mitglieder der afghanischen Nationalpolizei. Ein Jahr zuvor waren es 259 gewesen. Der Jahrgang, der in der kommenden Woche seinen Lehrgang beginnt, wird nach Angaben der Akademie 550 Teilnehmer haben.

Von einem „beispiellosen Stellenzuwachs“ sprach Stephan Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, in seiner Rede vor den Absolventen. 7500 zusätzliche Stellen seien für den Zeitraum von 2015 bis 2020 vorgesehen. Das entspreche einem Zuwachs von 25 Prozent. Dazu kämen noch einmal 5000 in den Jahren 2020 bis 2025. Die Bundespolizei, sagte Mayer, sei eine „tragende Säule in der Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik“.

394 Männer und Frauen sind in der MuK zu Kommissaren ernannt worden. Sie haben einen zwei- bis dreijährigen Lehrgang an der Bundespolizeiakademie in Lübeck absolviert. Es ist der bisher größte Jahrgang.

Dieter Romann, Präsident des Bundespolizeipräsidiums, verwies auf die vielfältigen und zunehmenden Aufgaben der Bundespolizei: „Wie keine andere Organisation zeichnen wir die Entwicklung unseres Landes nach, unmittelbar und sofort“, sagte er. Er nannte Ereignisse in der Geschichte der Bundesrepublik, in denen die Bundespolizei eine Rolle spielte: der Anschluss des Saarlands 1957, das Olympia-Attentat von 1972, der RAF-Terrorismus, die Wiedervereinigung, der 11. September 2001, die Migrationskrise. „Nichts von alledem hatten wir geplant.“ Als aktuelles Beispiel nannte Romann die Demonstrationen von Rechtsextremen in Sachsen: „Auch am Donnerstag unterstützen wir die Kollegen von der Landespolizei in Chemnitz, und das werden wir auch am Sonnabend tun und, wenn nötig, auch an den Folgetagen.“

Die Ausbildung des 72. Jahrgangs fiel in die Zeit, in der die Einwanderung von Flüchtlingen über die Balkanroute und das Mittelmeer stark zunahm. Patrick Hertrampf (27), der in der MuK als Jahrgangsbester ausgezeichnet wurde, versah seinen Dienst Ende 2015 an der deutsch-österreichischen Grenze in Rosenheim. „Das war eine Herausforderung, auch für mich persönlich“, sagt er. Hertrampf gehört, wie 159 der 394 Absolventen, zu den sogenannten Aufsteigern, die schon vor dem Lehrgang bei der Bundespolizei waren. Für sie ist das Studium zehn Monate kürzer als für die Bundespolizei-Neulinge.

Die Neulinge sind daran zu erkennen, dass auf ihren Schulterstücken noch keine Sterne prangen. Zu ihnen gehört Sarah Holtschneider (31) aus Düsseldorf, die neun Jahre als Fachwirtin für Versicherung und Finanzen arbeitete. „Mein alter Beruf hat mich nicht mehr erfüllt“, sagt sie. Deswegen hat sie noch einmal umgesattelt: „Wenn’s der Traumberuf ist, ist das Alter egal. Man kann Menschen helfen, man kann ganz Deutschland bereisen. Wir sind dafür da, den Leuten die Angst zu nehmen und für Sicherheit zu sorgen.“ Frauen machen ungefähr ein Viertel der Absolventen aus – ein Wert, der sich in den vergangenen Jahren kaum verändert hat.

Ihre traditionelle Spende übergaben die Lehrgangs-Absolventen diesmal an den Verein Spielmobil Lübeck, der mit einem Transporter durch die Stadt fährt und Kindern Spielzeug zur Verfügung stellt. Der Vorsitzende Eckhard Marwick nahm einen Scheck über 1234,56 Euro entgegen.

Die afghanischen Lehrgangsteilnehmer kehren nach der Ausbildung in ihre Heimat zurück. Für Interviews mit den LN standen sie nicht zur Verfügung.

Hanno Kabel

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