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Lübeck Bundestag: Fürter will Lübeck gewinnen
Lokales Lübeck Bundestag: Fürter will Lübeck gewinnen
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10:24 30.08.2017
Quelle: Felix König
Lübeck

Von den Wählern direkt in den Bundestag geschickt zu werden, das hat bisher nur ein Urgestein der Grünen geschafft. Gleich vier Mal gewann Hans-Christian Ströbele das Direktmandat in seinem Berliner Wahlkreis. Jetzt schickt sich ein Lübecker Grüner an, das Gleiche zu versuchen. Thorsten Fürter will bei der Bundestagwahl am 24.

September den Wahlkreis Lübeck direkt gewinnen. „Wir wollen eine kleine Sensation schaffen“, sagt Fürter.

„Das wird nicht leicht“, räumt der Kreisvorsitzende der Grünen ein, aber aus seiner Sicht stehen die Zeichen so günstig wie noch nie. Die Grünen wurden bei der Landtagswahl am 7. Mai mit 14,6 Prozent der Zweitstimmen klar die drittstärkste Kraft in der Hansestadt. „Wären wir mit neun Prozent vom Hof gegangen, hätten sich große Zielsetzungen für die Bundestagwahl erledigt“, sagt der 47-jährige Richter am Oberlandesgericht Schleswig. Auch bei den Erststimmen konnten die Grünen im Wahlkreis Lübeck-Süd ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Denn zu Lübeck-Süd zählt die Innenstadt, und dort sind die Grünen bei allen Wahlen besonders stark.

Doch Fürter macht sich auch Hoffnungen, weil er er „auf eine weitgehend unbekannte CDU- Kandidatin und eine SPD-Kandidatin trifft, die schon lange dabei ist“. Prof. Claudia Schmidtke gewann im vergangenen Dezember völlig überraschend die CDU-interne Nominierung für die Bundestagswahl gegen Bürgerschaftsmitglied Burkhart Eymer. Die Herzchirurgin ist erst seit drei Jahren politisch aktiv und eine Seiteneinsteigerin. Gabriele Hiller-Ohm (SPD) sitzt seit 2002 im Berliner Parlament und gewann den Lübecker Wahlkreis bereits vier Mal direkt. Bei der SPD-internen Kandidatenkür setzte sich die 64-jährige Sozialdemokratin gegen Mitbewerber Ingo Schaffenberg durch, der einen Achtungserfolg verbuchte. „Die Abstimmung hat gezeigt, dass es einen Sättigungseffekt in der SPD gibt“, erklärt Fürter. Der Grünen-Politiker hat den Eindruck, dass er den „gleichen Bekanntheitsgrad in Lübeck hat wie Hiller-Ohm“.

Die SPD-Abgeordnete wurde von Fürters Kampfansage überrascht. „Das ist ja ein sehr ambitionierter Plan“, erklärt Hiller-Ohm. Der für die langjährige Abgeordnete auch gefährlich werden könnte. Denn Fürter wird die Wähler um beide Stimmen für die Grünen bitten – die Erststimme für das Direktmandat und die Zweitstimme für die Grünen-Liste. „Ich werde um jede Erststimme kämpfen, auch die der Grünen-Wähler“, kontert Hiller-Ohm. „Denn ich decke ja auch Themen ab, die für Grünen-Wähler wichtig sind.“ Die CDU-Bewerberin Schmidtke freut sich auf „nette Begegnungen während des Wahlkampfes mit Thorsten Fürter“, bedauert aber, „dass ausgerechnet die Grünen mit einem Mann antreten“.

Fürter ist ein erfahrener Wahlkämpfer. Im November 2011 holte er bei der Direktwahl des Bürgermeisters beachtliche 19,4 Prozent der Stimmen. Der 47-Jährige, der seit Ende der 1990er Jahre in der Partei ist, saß auch schon im Landtag (2009 bis 2012), sitzt in der Bürgerschaft (seit 2013), war drei Jahre lang Fraktionsvorsitzender der Grünen und ist seit einem Jahr Kreisvorsitzender. Außerdem koordiniert er derzeit den Wahlkampf der parteilosen Bürgermeister-Kandidatin Kathrin Weiher.

30 Prozent der Erststimmen sind Fürters Ziel. Um das zu erreichen, will der Grünen-Politiker einen neuen Wahlkampf führen: papierlos, stattdessen mit viel direktem Kontakt zu den Bürgern – in den sozialen Medien wie auch auf der Straße. Details verrät er im Juni.

Stephanie Göhler, seit vier Jahren gleichberechtigte Kreisvorsitzende der Grünen, tritt nicht mehr für das Amt an. „Unsere Satzung verbietet eine erneute Kandidatur“, sagt Göhler, die die Partei zusammen mit Thorsten Fürter leitet. Im Juli wird das Amt neu besetzt.

102 Mitglieder zählen die Grünen aktuell, vor einem Jahr waren es 91.

16,5 Prozent holten die Grünen bei der Kommunalwahl 2013. Das Ergebnis soll im Mai 2018 getoppt werden.

 Kai Dordowsky

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