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Lübeck Bunte Bilder, Musik und eine Zeitkapsel
Lokales Lübeck Bunte Bilder, Musik und eine Zeitkapsel
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21:51 13.10.2017
In der Halle zeigen Faiz (9, l.) und Obayda (10) ihre Bilder. Ausgestellt wurden insgesamt 29 Arbeiten, die die Kinder im Stil des Impressionismus gemalt haben. Auch andere Projekte wurden dort präsentiert. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Vier spannende Projekttage liegen hinter den Schülern, Eltern und Lehrern, als sich Petar Shopov (52) in der Aula ans Klavier setzt. Gemeinsam mit Lehrerin Anja Heinze und etwa einem Dutzend Kindern hat der Vater und Musiker fast eine Woche lang an der neuen Schulhymne gearbeitet. „Die Kinder haben den Text entwickelt“, erklärt er, „und ich habe die Musik komponiert.“

150 Jahre ist die Stadtparkschule alt. Passend zum Jubiläumsjahr wurde die Projektwoche „Leben vor 150 Jahren“ auf die Beine gestellt. Entstanden sind unter anderem eine Schulhymne, eine Kunstausstellung, ein Radioprojekt und eine Zeitkapsel mit Interviews prominenter Lübecker.

Insgesamt wurden für etwa 160 Schüler 15 Projekte angeboten. Alle Angebote haben sich mit der Geschichte der Schule beschäftigt, denn diese wurde 1867 gegründet. Themen wie „Schule früher“, „Spiele und Spielzeug“, „Heilpflanzen“, „Kochen“, „Erfinder und Erfindungen“, „Schreiben wie früher“ oder „Kunst vor 150 Jahren“ wurden behandelt und teils in Ausstellungen präsentiert.

Im Mittelpunkt der großen Abschlussfeier, zu der auch Eltern eingeladen sind, steht nun unter anderem die neue Hymne. „Am Stadtparkrand wurde es gebaut, ein wunderschönes Backsteinhaus. . .“, singen die Kinder auf der Bühne und erzählen auf diese Weise von der Historie, dem Pausenglück und dem Unterricht. Ein „Gänsehaut-Moment“ sei das Hören des Liedes für sie, verrät Schulleiterin Claudia Schönbohm später und dankt von Herzen. Doch nicht nur Lehrer, Schüler und Helfer der Projektwoche hätten Großes geleistet, sagt sie. Die Rektorin dankt auch allen „Spendern und Sponsoren, die es mit ihrer finanziellen Unterstützung ermöglicht haben, dass für die Familien keine zusätzlichen Kosten entstanden sind“.

Auf der Bühne geht es weiter mit Tänzen, die Lehrerin Marina Loppentien einstudiert hat. Leonie (8) hat gelernt Walzer zu tanzen, denn das passt in die Entstehungszeit der Schule. „Am Anfang war es schwierig, aber dann hat es richtig Spaß gemacht“, sagt die Zweitklässlerin. Zurück in der Gegenwart geht es mit „Radio Stadtpark“ weiter, ein Projekt von Lehrerin Anne Helling. Die Sendung des Offenen Kanals Lübeck läuft parallel zur Feier und wird in Auszügen direkt in die Aula übertragen. Lea Böttcher (9) hat mitgemacht und erzählt den Hörern vom „tollen Schulhof“, den Pausen und „richtig netten Lehrern“. Ihr Fazit: „Ich kenne keine bessere Schule.“

Und schließlich gibt es an diesem Tag nicht nur Blicke zurück. Mit der „Zeitkapsel“ haben Holger und Cornelia Bach (beide 41) ein Zukunftsprojekt initiiert. Etwa 60 Schüler haben sich in vier Journalisten-Gruppen aufgeteilt und eine Kiste aus Spezialkunststoff mit Dokumenten der Zeitgeschichte gefüllt. Dafür haben sie Interviews unter anderem mit Drägerwerk-Vorstandsvorsitzendem Stefan Dräger, Bürgermeister Bernd Saxe, LN-Chefredakteur Gerald Goetsch und Moderator Malte Arkona geführt. Daran wird man sich in 50 Jahren noch erinnern. Denn die Zeitkapsel wird an einem geheimen Ort vergraben und erst zum 200. Schuljubiläum hervorgeholt.

Mit Brikett in den Unterricht

Die Schule am Stadtpark wurde 1867 gegründet und hieß zunächst „1. St. Gertrud-Schule für Mädchen und Knaben.“ 1934 erfolgt eine Umbenennung in „Volksschule am Stadtpark“, 1971 wurde die Einrichtung eine reine Grundschule. 1997 kam die Betreute Grundschule „Tintenkleckse“ hinzu, 2012 begann die Offene Ganztagsschule mit einen Nachmittagsangebot für alle Kinder. 2016 wurden die ersten Kinder in die neuen bilingualen Klassen eingeschult. In der Jubiläumsfestschrift wird nicht nur die Geschichte der Schule erzählt, auch ehemalige Schüler berichten anschaulich und mit historischen Fotos von ihren ersten Jahren in der Schule am Stadtpark.

Edith Förster erinnert sich an ihre Schulzeit zwischen 1938 und 1942 und schreibt: „In der Mitte des Schulhofes verlief eine kompakte Steinmauer, die Jungen und Mädchen trennte.“

Uwe Bernzen wurde 1944 eingeschult und war noch keine sechs Jahre alt. Er berichtet, „mit Einbruch des Winters fiel der Unterricht häufiger aus oder wurde nur durchgeführt, wenn wir jeweils ein Brikett mitbrachten“. Klaus Rast (eingeschult 1941) erinnert sich an Straßenbahnen im Stadtpark, die verdeckt unter Bäumen standen. „So konnten die Bomber sie nicht zerstören.“

 Cosima Künzel

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