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Lübeck Bunte Parade für sexuelle Vielfalt
Lokales Lübeck Bunte Parade für sexuelle Vielfalt
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18:26 19.08.2017
Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Innenstadt

Um 13 Uhr gab es einen großen Knall an der Obertrave los und dann flogen rote Konfettiherzen durch die Luft. Das war der Startschuss für die diesjährige Demonstration anlässlich des international weit verbreiteten Christopher Street Days (CSD).

In bunten Kostümen, mit Regenbogenflaggen, Seifenblasen und lauter Musik zogen rund 2000 Menschen am Sonnabendmittag durch die Innenstadt. Bunt, laut, vielfältig. Es ist der Feiertag schlechthin für die homo-, bi, trans- und intersexuelle Szene der Stadt. Am Sonnabend wurde sie sichtbar: in Lübeck bereits zum 16. Mal. Techno-Bässe dröhnten, die Menge tanzte ums Holstentor, über den Lindenplatz und durch die Königstraße, bis sie wieder zurück an der Obertrave war.

Vielen Teilnehmern geht es um mehr als ums Feiern: Maik Hoppe (27) hat sich in ein schwarzes Federnkostüm geworfen und hält ein Plakat in die Höhe: „Lieber ne schwarze Seele als ne braune Gesinnung“ ist dort zu lesen. „Dieses Jahr ist politischer geworden“, sagt er, „durch das Erstarken der Rechten gehen wieder mehr Leute auf die Straße.“ Nicht nur darum geht es ihm: „Das Adoptionsrecht muss auch für lesbische Paare angeglichen werden.“

Der CSD Live bei Facebook

Ein Live-Video von der Veranstaltung sehen Sie auf der Facebook-Seite von LN Online.

Viel sei noch zu tun auf dem Weg zur vollständigen Gleichberechtigung von Homosexuellen, sagt der CSD-Vereinsvorsitzende Christian Till bei der Eröffnung. Zwar sei man durch die Einführung der Ehe für alle gesetzlich endlich auf einer Ebene mit den Heteros. „Trotzdem erfahren wir immer wieder, wie schwierig es für viele Menschen ist, sich vor Freunden, der Familie oder am Arbeitsplatz zu outen“,sagt Till. Umso schöner sei es, dass der CSD auch eine große Anhängerschaft Heterosexueller habe. „Wir brauchen diese Solidarität in unserer Gesellschaft“, sagt er. Sozialminister Heiner Garg (FDP), selbst bekennender Schwuler und Schirmherr des CSD, betont: „Wir sollten heute auch an diejenigen denken, die in anderen Ländern nach wie vor aufgrund ihrer sexuellen Gesinnung verfolgt werden.“

Eine der solidarischen Demonstranten ist Lea Naomi Leitzel. Mit ihren Freunden hält sie auf der Parade ein Stück einer riesigen Flagge verschiedener Nationen in die Luft. „Ich habe viele trans- und homosexuelle Freunde“, sagt die 20-Jährige, „da macht es mich sehr glücklich, wenn sie sich hier ohne Angst vor Vorurteilen so zeigen können, wie sie sind.“

Ein paar Schritte weiter schwoft Roswitha Drespenberg (66) mit ihrem Sohn Torge (42) zu Michael Jacksons Billie Jean. „Die Stimmung ist toll“, sagt sie. Lübeck sei ein schwieriges Pflaster für Homosexuelle. „Man kann hier kaum Leute kennenlernen“, sagt Torge Drespenberg, „es gibt hier noch nicht einmal eine Schwulenkneipe.“ Davon kann auch Melanie Küthaus aus Bad Bramstedt ein Lied singen. Bis vor kurzem war sie noch ein Mann. „Auf dem Dorf habe ich jeden Tag meinen eigenen kleinen CSD“, sagt die 53-Jährige. Oft habe sie mit schrägen Blicken anderer Leute zu kämpfen. Umso wichtiger sei es, beim CSD Flagge für vielfältige Lebensweisen zu zeigen.
Von Saskia Brücker

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