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Bunte Vielfalt im „Biotop“ rund um den Hansering

LLN Serie: Mein Viertel, mein Zuhause Bunte Vielfalt im „Biotop“ rund um den Hansering

Wo einst Blumen und Gemüse wuchsen, steht heute die Papageiensiedlung mit vielen Bewohnern, die einander kennen.

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Michael Winckelmann (66) wuchs am Hansering auf. Er liebt sein Viertel, ist gut vernetzt und kennt die meisten seiner Nachbarn. Mit Hund „Motte“ geht er besonders gern zum Luna-Park.

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Wenn Michael Winckelmann mit Hund „Motte“ vor die Tür geht, muss er alle paar Meter stehenbleiben und einen kurzen Plausch halten. Der 66-Jährige wohnt im Hansering 26. Von hier sind es nur wenige Schritte zum Stadtteilhaus. Fröhlich begrüßt der Frontmann der Lübecker Band The Koasters Karin Bleichstein, die hier ehrenamtlich tätig ist. „Das hier“, sagt die 53-Jährige, „ist ein Biotop, ein Zuhause mit vielen alten Leuten, Kindern und Zugewanderten — mein Kiez“. 29 Jahre lebt sie schon im Viertel, genau gesagt am Kolberger Platz/Wendische Straße. Jeden Dienstag bereitet sie mit anderen Helfern Frühstück für jedermann, zudem betreut sie das Café Welcome, das montags von 14 bis 17 Uhr offen ist für jedermann, und das Flüchtlingen die Möglichkeit bietet, im Austausch mit Alteingesessenen ein bisschen Deutsch zu lernen. Die meisten kommen aus der Unterkunft in der Dornestraße. Die liegt genau zwischen zwei Moscheen. Während die eine als gemäßigt gilt, macht die andere vielen Angst, weil sie salafistisch orientiert sein soll.

Doch zurück zum Stadtteilhaus. „Die gute Gemeinschaft im Viertel und die guten Netzwerke“, sagt Ramune Virsilaite-Wöhlert (39) vom Nachbarschaftsbüro, das mache die Qualität des Viertels aus — „und die bunten Menschen, die sehr unterschiedlich sind“. Treffen kann man sie im Stadtteilhaus — oder in der Drogerie Weinert, die seit 1959 am Hansering ansässig ist und in zweiter Generation von Andreas und Sigrid Weinert geführt wird. Wer erfahren will, was los ist im Quartier, der schnackt mit Sigrid Weinert (57). Als Sprecherin der Interessengemeinschaft Hansering ist sie stets bestens informiert und Mitorganisatorin des Sommerfestes am Hansering, bei dem so viele Einrichtungen mitmachen, dass man sie kaum zählen kann.

Ladeninhaberin Sigi Weinert

Quelle:

Früher, erzählt Winckelmann, während er mit „Motte“ weiter Richtung Dornestraße geht, „waren die Kneipen hier Treffpunkte“. Die sind jetzt weg, dafür sitzen, sowie das Wetter es irgendwie zulässt, Nachbarn und ehemalige Quartierbewohner auf der anderen Straßenseite vor der Zippendorfer Bäckerei bei einer Tasse Kaffee. Wie Carmen Hinz (58), die früher im Viertel wohnte. Jetzt kommt sie regelmäßig, „denn man trifft immer wen, den man kennt.“ Zum Beispiel Roswitha Thim (70), die seit mehr als 30 Jahren hier wohnt. „Ich bin fast jeden Tag hier, es ist wunderbar, ich habe in unmittelbarer Nähe meinen Hausarzt, meine Drogerie, meine Apotheke.“

Die Geschichte des Viertels

Die Geschichte des Viertels

1851 wird ein erster Bahnhof auf der Wallhalbinsel am Holstentor gebaut.

1861 entscheidet Lübeck, die Vorstädte offiziell als Stadtgebiet anzuerkennen.

1884/85 baut man aufgrund des Bevölkerungszuwachses die II. St. Lorenz-Schule.

1892 zieht Dräger nach drei Jahren von der Altstadt an die Moislinger Allee 66.

1914 errichtet die Luthergemeinde Pastorat und Gemeindehaus, 1937 die Kirche.

1950 baut die „Neue Heimat“ 724 Wohneinheiten in der Dornestraße/am Töpferweg.

1955 beginnt nach Plänen des Architekten Ernst May der Bau der Papageiensiedlung.

1999 bis 2007 wird das Viertel im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ umgestaltet.

Die Geschäftszeile am Hansering hat in jüngster Zeit einige Veränderungen hinnehmen müssen. „Durch Leerstände ist es nicht mehr so schön“, sagt Winckelmanns Nachbarin Edith Reiß (83). Sie kennt viele im Viertel, denn die Seniorin hat 25 Jahre im Tabakwarenladen am Hansering gearbeitet, da tauscht man sich aus. Und auch wenn sie bedauert, dass der Blumenladen geschlossen wurde und dass die Zeit zu schnelllebig geworden sei, sagt sie mit Bestimmtheit: „Nee, ich geh nirgendwo anders mehr hin.“

Winckelmann und „Motte“ gehen weiter — zum Sportplatz, der viele Erinnerungen bei ihm weckt, und dann zum Luna-Park auf der anderen Straßenseite. Er ist in Hausnummer 28 aufgewachsen, wohnte einige Jahre am Finkenberg, bevor er 2010 zurückzog in den Hansering. „Die Bebauung ist erst ab den 50er Jahren entstanden, das war alles noch Gärtnerland. Wenn meine Brüder und ich zur Schule in die Innenstadt gingen, hatten wir immer dreckige Schuhe.“ Oft gab‘s für ihn auch Ärger im Quartier, „denn auf dem Sportplatz durften wir nicht Fußball spielen, im Luna-Park ebenfalls nicht. Also haben wir auf den Grünflächen vor den Häusern oder auf der Straße gespielt.“

Noch heute zieht es ihn mit „Motte“ immer wieder zum Luna-Park, vor dessen Haupteingang freitags ein kleiner Markt aufgebaut wird. Er finde es schön, wenn hier viele Kinder fröhlich spielen und Familien im Sommer picknicken. Bevor Winckelmann mit Hund nach Hause geht, schaut er noch einmal bei Karin Bleichstein vorbei. „Tschüß, mein Herz“, sagt die und meint es rein nachbarschaftlich.

Sabine Risch

Die LN laden Sie zum Leserfrühstück ein:

Die LN laden Sie zum Leserfrühstück ein: In unserer neuen LN-Serie stellen wir Ihnen Lübecks Stadtviertel einmal genauer vor, doch wir wollen noch mehr darüber erfahren, was Sie in Ihren Stadtteilen bewegt und worüber wir aus Ihrer Sicht einmal berichten sollten. Deshalb laden wir zehn Leser zum Frühstück ein, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir treffen uns am Sonnabend, 2. April, von 10 bis 11 Uhr im Viertel rund um den Hansering. Wenn Sie teilnehmen möchten, schicken Sie uns eine E-Mail an: redaktion.luebeck@ln-luebeck.de. Bitte schreiben Sie uns kurz, was Sie sich von dem Treffen mit den LN erhoffen. Sollten wir zu viele Bewerbungen haben, entscheidet das Los. Die Teilnehmer werden benachrichtigt.

Wussten Sie schon, dass....

Wussten Sie schon, dass . . .

St. Lorenz Süd einst Gärtnerland war? Vor allem am Finkenberg, an der Lachswehr und jenseits der Margarethenstraße lag das Gartenland. 1848 lebten allein an der Moislinger Allee 23 Gärtnerfamilien. Im Mittelalter wurde auf dem Finkenberg Hopfen angebaut. Mehr als 50 Prozent der insgesamt 14897 Bewohner des Stadtteils am 31. Dezember 2014 ledig oder sogar Singles waren? Nur in der Innenstadt (60,5 Prozent) ist der Anteil noch höher, in Travemünde liegt er hingegen bei nur 26,9 Prozent. Das Stadtteilhaus, das früher die Stadtteilbibliothek war, von der Vorwerker Diakonie, der Gemeindediakonie und der Stadt gemeinsam betrieben wird und dass Anwohner hier Räume mieten können? Lübecks vermutlich einzige Schuhmachermeisterin Angelika Hoch (Töpferweg), die erste und bislang einzige Biokonditorei, die „Gaumenfreude“, (Moislinger Allee/Nelkenstraße) und der italienische Feinkostmarkt „Andronaco“ (Töpferweg) im Viertel ansässig sind?

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