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Lübeck Pieske will seine Trauminsel retten
Lokales Lübeck Pieske will seine Trauminsel retten
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20:01 16.09.2018
Land in Sicht: Die „Ana-Varu" kurz vor Pagan. Das Bild wurde von einer in der Nähe segelnden Yacht aus aufgenommen Quelle: Privat
St. Gertrud

 Er war Lehrer, ist Wikinger, Weltumsegler: Burghard Pieske. Jetzt setzt sich der 74-jährige Lübecker für die Pazifikinsel Pagan ein. Vor wenigen Wochen, kurz vor einem „Jahrhundert-Hurricane“, ist er von einem Törn nach Pagan zurückgekehrt – und brennt für den Erhalt der Insel.

Insel der Vielfalt

„Ich habe mich verliebt in die Insel, weil sie so vielfältig ist“, sagt der Mann, der die ganze Welt gesehen hat. Steile Klippen, sanfte Hänge, bizarre Lava-Landschaften, üppige Vegetation – das ist das Bild, das sich Pieske bot. „Robinson würde hier im Luxus leben“, sagt er, denn nicht nur, dass man Früchte wie Mangos direkt vom Baum essen kann: Auch Rinder, Hühner und andere Tiere leben auf Pagan. Es sind die Nachfahren der beim Vulkanausbruch 1981 nicht getöteten Tiere. „Es ist schon verrückt: Man ist auf einer unbewohnten Insel und wird morgens von Hahnengeschrei geweckt.“

Gegensätzlicher als auf Pagan könnte es wohl kaum irgendwo aussehen

„Die Natur holt sich alles zurück“, sagt er, überwuchere liegen gebliebene Flugzeuge und andere Hinterlassenschaften. Einziger Schönheitsfehler: Am Strand einer engen Bucht sammelt sich Plastikmüll – auch vor Pagan hat die Verschmutzung der Meere nicht Halt gemacht.

Die Insel Pagan

Pagan gehört zur Gruppe der Nördlichen Marianen, genannt „Commonwealth of the Northern Mariana Islands“, und ist eine Insel mit zwei aktiven Vulkanen. Die Marianen, gelegen zwischen Japan und Papua-Neuguinea, sind sogenanntes nichtinkorporiertes Außengebiet der USA.

1981 bricht – nach mehreren kleinen Erdbeben – der aktivere Vulkan, Mount Pagan, aus, Lavaströme ergießen sich über Ackerflächen und die Landepiste für Versorgungsflugzeuge. Die rund 50 Bewohner werden evakuiert und dürfen wegen der Gefahr weiterer Vulkanausbrüche nicht zurück auf ihre Insel.

Seit Jahren wollen die USA – im Kräftemessen mit China – Pagan für mehrere Wochen im Jahr zum Truppenübungsplatz machen und möglicherweise bombardieren.

Wer Burghard Pieske kennt, weiß, dass er nicht als Tourist nach Pagan gesegelt ist. „Früher“, erklärt er seine Grundidee, „habe ich mir die Welt angeguckt – jetzt möchte ich etwas bewirken.“ Deshalb hat er vor einigen Jahren die „Ana-Varu“ gebaut, ein Auslegerboot, wie es die Polynesier bereits vor 3000 Jahren nutzten, nur mit neuen Materialien. Damit möchte er die einstige Migrationsroute der Völker des Südpazifiks ersegeln und erfahren.

Stets Einheimische an Bord

Stets nimmt er Einheimische, genannt Chamorro, mit, denn in Guam, der größten Insel des Marianen-Archipels, würden zwar mittlerweile auch wieder traditionelle Boote gebaut, „aber kaum jemand kann diese Boote segeln.“ Pieskes ursprüngliche Mission ist also, die Kultur der traditionellen Seefahrt wieder zu beleben.

Vor zwei Jahren begleitete ihn der inzwischen verstorbene Nash auf einer irren Sturmfahrt von Taiwan nach Guam, dieses Mal war der Chamorro Ron dabei, der mit seiner ganzen Familie ein interaktives Museumsdorf betreibt.

Zwei Bewohner auf Zeit

400 Seemeilen, viereinhalb Tage, brauchten Pieske und Ron mit der „Ana-Varu“ von Guam nach Pagan, wo sie vielfältig überrascht wurden. Pieske lernte von Ron die Bedeutung einzelner Muscheln, die sie am Strand fanden, kennen, erfuhr eine Menge über die Kultur der Chamorro. Auf der Insel trafen sie „zwei junge Typen, die von der Regierung eingesetzt sind, um zu demonstrieren: Die Insel ist bewohnt.“ Nach einem halben Jahr werden die Ranger von Kollegen abgelöst.

Familien möchten zurück

Denn auch die Regierung auf Saipan, der Hauptinsel der Nördlichen Marianen, positioniert sich gegen die Einrichtung eines Truppenübungsplatzes und mögliche Test-Bombardierungen auf Pagan. Und: Viele Familien, die 1981 umgesiedelt wurden, wollten zurück auf „ihre“ Insel. Pieske weiß, „dass ich nur einen kleinen Beitrag zur Rettung Pagans leisten kann.“ Aber er tut, was er kann: Er hält Vorträge an der Universität von Guam, an der viele US-Amerikaner studieren, und über diverse Zeitungsartikel, die dort über seine Expedition erschienen, bekommt das Thema eine gewisse Öffentlichkeit.

Burghard Pieske arbeitet derzeit an einem Film über Pagan, den er in Guam und irgendwann vielleicht auch in Lübeck zeigen will. Sein Fazit: „Pagan ist magic! Ein Wahnsinn, dass man erwägt, diese Insel zu bombardieren!“

Sabine Risch

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