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Lübeck Attentat von Kücknitz: „Ich denke jedes Mal daran, wenn ich in den Bus steige“
Lokales Lübeck Attentat von Kücknitz: „Ich denke jedes Mal daran, wenn ich in den Bus steige“
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12:16 14.02.2019
Nach der Messerattacke im Bus besprechen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr die Lage. Quelle: DPA
St. Jürgen/Kücknitz

Für die 63-jährige Travemünderin ist seit dem 20. Juli vor allem eines anders: „Ich denke heute noch jedes Mal daran, wenn ich in den Bus steige“, sagt die Rentnerin auf die Frage des Vorsitzenden Richters Christian Singelmann, wie es ihr jetzt, sieben Monate nach der Tat, gehe. „Ich gehe seitdem im Bus immer nach hinten, zur hinteren Tür, und checke die Leute im Bus.“

Verantwortlich für dieses Traum soll ein 34-jähriger, psychisch kranker Deutsch-Iraner sein. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am 20. Juli vorigen Jahres in einem Bus der Linie 30 in Lübeck-Kücknitz wahllos um sich gestochen und zwölf Menschen verletzt zu haben – einige von ihnen lebensgefährlich.

„Wahllos auf die Opfer eingestochen“

Ähnlich wie der 63-jährigen Travemünderin ergeht es einem 26-jährigen landwirtschaftlichen Helfer. Er bekam das Drama im Bus erst recht spät mit, weil er mit seinem Handy beschäftigt war und Kopfhörer auf dem Kopf hatte. Er selbst habe fast ganz hinten gesessen und erst so richtig realisiert, was los war, als der Beschuldigte nach hinten gekommen sei und „wahllos auf die Opfer eingestochen hat“. Er habe sich, an den Haltestangen hängend, mit beiden Füßen gegen den Attentäter gewehrt. Als der 34-jährige, psychisch kranke Deutsch-Iraner bereits am Boden lag, habe der zu ihm gesagt: „Ihr Deutschen habt mich dazu gebracht.“ Mehrere Wochen, so der Zeuge, „konnte ich nicht Bus fahren.“ Jetzt sitze er immer ganz vorne, „ich bin nicht mehr mit dem Handy beschäftigt und gucke ganz genau, wer einsteigt.“

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„Er war mir unheimlich“

Aufgefallen war der Beschuldigte an jenem Sommertag schon mehreren Beteiligten: „Mich hat er an der Bushaltestelle angesprochen und gefragt, ob der Bus nach Travemünde fährt“, sagt ein 19-jähriger Travemünder aus. Als er bejahte, habe der Beschuldigte gesagt: „Ich will baden gehen, hab’ da voll Bock drauf.“ Der 63-jährigen Travemünderin war der Beschuldigte im Bus wegen seiner dicken Jacke an einem 25 Grad warmen Sommertag und „einer gewissen Aggressivität“ aufgefallen. „Er war mir unheimlich.“

„Hatte eine Vorahnung, eine Intuition“

Auch eine 60-jährige Reinigungskraft aus Lübeck, die im Verlauf des Geschehens mit dem Messer am Bein verletzt wurde, hatte „eine Vorahnung, eine Intuition“. Sie habe den Beschuldigten beobachtet, „der aussah, als wolle er in den Skiurlaub“. Ihre sehr lebendigen, durch lebhafte Gesten unterstützten Schilderungen gerieten zu einer filmreifen Vorstellung, von Richter Singelmann gelegentlich höflich unterbrochen mit Fragen wie: „Wollen wir jetzt erst einmal weitermachen?“

Neues, Überraschendes bekam die I. Große Strafkammer am Dienstag nicht zu hören. Der Beschuldigte verfolgte die Zeugenaussagen ruhig und still. Die Mutter des 34-Jährigen, ließ Singelmann wissen, mache von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Gutachten beim nächsten Termin

Obwohl der für Freitag anberaumte Verhandlungstermin abgesagt werden musste und noch einige Zeugen zu hören sind, geht der Vorsitzende Richter davon aus, dass bereits am Nachmittag des 22. Februar die abschließenden Gutachten erfolgen. Anschließend wird das Gericht darüber entscheiden, ob und wie lange der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Sabine Risch

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