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Lübeck Busse sauber und pünktlich: Nur wenige Fahrgäste wollen Geld zurück
Lokales Lübeck Busse sauber und pünktlich: Nur wenige Fahrgäste wollen Geld zurück
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11:30 12.01.2017
Wartende Fahrgäste: Bis zu 15 Minuten dürfen Busse verspätet sein, erst danach greift der Entschädigungsanspruch. Quelle: Fotos: Maxwitat, Dresing (3)
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Lübeck

Dieses Qualitätsversprechen bringt den Stadtverkehr Lübeck wahrlich nicht in finanzielle Nöte. Seit 2015 gibt das Verkehrsunternehmen seinen jährlich 27 Millionen Fahrgästen drei Garantien ab: Die Busse sind pünktlich, sauber und schaffen abends die Anschlüsse an Bus und Bahn. Verstößt das Unternehmen gegen diese Garantien, erhalten die Fahrgäste eine finanzielle Entschädigung. Bei Verspätung wird der Fahrschein erstattet, bei einem verpassten Anschluss ab 21 Uhr übernimmt der Stadtverkehr Taxikosten bis zu 25 Euro; und wer sich im Bus die Kleidung verschmutzt, erhält Reinigungskosten bis zu 20 Euro erstattet. 2015 und 2016 zahlte der Stadtverkehr für alle drei Garantien jeweils knapp 500 Euro aus.

Bei anderen Verkehrsunternehmen geht es da um ganz andere Summen. Beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) liefen 2015 rund 80000 Anträge wegen Verstoßes gegen die Garantien auf. Der HVV (750 Millionen Fahrgäste) zahlte 100000 Euro an Entschädigung aus. „2016 liegen die Zahlen im gleichen Rahmen“, sagt Unternehmenssprecher Rainer Vohl. Der schleswig-holsteinische Auftraggeber für Schienenverkehr, der Verkehrsverbund Nah.SH, zahlte 23000 Entschädigungen aus, die Summe betrug 70000 Euro. „Die Nah.SH-Garantie gilt seit 2011 für Fahrten mit Nahverkehrszügen“, erklärt Sprecher Dennis Fiedel.

In Kiel haben die Verkehrsbetriebe keine Garantie wie die Lübecker, sondern eine individuelle Prüfung. „Erreichen uns Anfragen auf Entschädigung, zum Beispiel wegen eines Fahrtausfalls aus technischen Gründen, wird zunächst der Sachverhalt geprüft“, erklärt Peter Klein von der Kieler Verkehrsgesellschaft. Anschließend würden „im berechtigten Fall“ Entschädigungen geleistet. Klein: „Die ausgezahlten Gelder und Sachleistungen beliefen sich für 2015 auf 400 Euro und 2016 auf rund 350 Euro.“

Ulrich Pluschkell, Aufsichtsratsvorsitzender des Lübecker Stadtverkehrs, bewertet die geringe Entschädigungssumme von knapp 500 Euro im Jahr als gutes Signal. „Die Leistung des Stadtverkehrs ist offenbar besser, als viele Leute unken.“ Aber auch der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung um detaillierte Erläuterungen gebeten, warum so wenige Kunden die Garantien in Anspruch nehmen. Sind sie zu wenig bekannt? Ist das Verfahren zu kompliziert? Laut Busunternehmen wurden die Informationen über die Garantien breit gestreut, müssten also bekannt sein. Pluschkell selbst hat Gymnasiasten bei einem Schulbesuch demonstriert, wie man einen Entschädigungsantrag per Smartphone stellen kann. Zumindest für Zeitkarten-Inhaber sei das Verfahren nicht zu umständlich.

Sind die Busse immer pünktlich? Laut Stadtverkehr erreichen sie die Vorgabe zu 98 bis 99 Prozent. Allerdings gibt es einen Spielraum von 15 Minuten, erst ab dann ist es eine Verspätung. Das ist bei Verkehrsunternehmen durchaus üblich. Beim HVV können sich Fahrgäste ab 20 Minuten Verspätung Fahrtkosten ersetzen lassen. Die Hamburger stehen indes auch für Verspätungen gerade, die durch Streiks, höhere Gewalt und Unwetter verursacht sind. Der Stadtverkehr nimmt dagegen Verspätungen durch Unfälle, Umleitungen oder höhere Gewalt nicht auf seine Kappe. Nur selbst verschuldete Verspätungen sind garantiefähig – technische Pannen oder der Ausfall eines Fahrers. Aufsichtsratschef Pluschkell möchte von den Bürgern wissen, ob sie mit den Fahrgastgarantien zufrieden sind. Er bittet um Mitteilungen per E-Mail (info@svhl.de).

Denn der Stadtverkehr wird sein Qualitätsversprechen ausweiten. Ab April werden auch die Priwallfähren in das Angebot mit einbezogen. Wie genau das vonstatten gehen soll, daran werde derzeit aber noch getüftelt, heißt es aus dem Unternehmen. „Im August 2016 hätte das jedoch teuer werden können“, gibt Ulrich Pluschkell zu. An mehreren Tagen mussten Anwohner und Touristen an einer Fähre bis zu 90 Minuten auf eine Überfahrt warten.

 Kai Dordowsky und Jan Dresing

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