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Lübeck C&A-Gebäude: Umbau beginnt noch in diesem Jahr
Lokales Lübeck C&A-Gebäude: Umbau beginnt noch in diesem Jahr
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14:15 23.11.2016
Eifriges Putzen und Schaben am einstigen Schaufenster: die benachbarten Geschäftsleute aus der Mühlenstraße, Bettina Ernst (v. vorne), Michael Groth, Bianca Ude und Hardy Büttner („Im alten Zolln“). FOTOS: ULF-KERSTEN NEELSEN

Es riecht leicht chemisch, auf alle Fälle nach einem starken Putzmittel: Michael Groth (Papierhaus Groth) sprüht immer wieder die scharf riechende Flüssigkeit auf die einstige Schaufensterscheibe des C&A- Gebäudes in der Mühlenstraße, Bettina Ernst (Spielwarenladen Kinderkram) versucht, die schwarzen und weißen Tags wegzuwischen. Jens Torkuhl (Wäsche Torkuhl) hingegen weicht Plakate ein, dann setzt er einen Glasschaber an. „Das ist ein Schandfleck hier“, sagt Bianca Ude (Das kunterbunte Mietfach). Sie habe „Angst, dass die Leute hier umdrehen und gar nicht mehr bis zu meinem Geschäft weitergehen“. Während eine ältere Passantin kopfschüttelnd stehen bleibt und „Schwachsinn!“ murmelt, erkundigt sich eine andere näher nach dem Vorhaben und sagt im Weitergehen „Respekt!“.

Drei Jahre Leerstand

1967 eröffnet C&A in der Mühlenstraße. Ende November 2013 schließt C&A die Filiale, zunächst kommen allerlei Gerüchte auf, unter anderem über die Billig- Textilkette Primark. Drei verschiedene Eigentümer hat das Haus in zwei Jahren, Ende 2015 erwerben es die beiden Lübecker Rechtsanwälte, die 13 Millionen Euro investieren wollen.

Gemeinsam haben die Kaufleute ein Ziel: Sie wollen gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, wo sie selbst ihre Geschäfte aufhübschen, den „Schandfleck“ etwas ansehnlicher machen. Eigentlich, davon waren sie überzeugt, sei das ja Sache der Eigentümer. Doch die rühren sich nicht.

Solange das C&A-Haus noch in Betrieb gewesen sei, habe immer alles tiptop ausgesehen, zumal Filialleiter Jacobus Faure sich stets sehr für ein ansprechendes Äußeres der Mühlenstraße engagiert habe.

Doch dann kam der Umzug in die Breite Straße und der Leerstand in der Mühlenstraße. „Der erste neue Eigentümer hat auch noch ein bisschen was gemacht“, sagt Torkuhl, der sich jetzt täglich beim Blick auf die andere Straßenseite ärgert. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin des Lübeck-Managements, Olivia Kempke, habe er überlegt, was man tun könne.

Man sprach die Immobilienentwickler der neuen Eigentümerin Devello AG & Co. Mühlenstraße KG, die Lübecker Rechtsanwälte Jürgen Schrader und Andreas Marx an, doch die wollten sich nicht an einer Verschönerungsaktion beteiligen. Sie erteilten allerdings die Genehmigung, dass die Nachbarn sich gerne an der Fassade betätigen könnten. „Ich finde es großartig, dass die Mühlenstraße die Initiative ergreift“, sagt Olivia Kempke. Eine Dauerlösung kann das allerdings nicht sein.

Muss es wohl auch nicht. Denn wie Jürgen Schrader gestern auf LN-Anfrage mitteilte, seien jetzt bauvorbereitende Maßnahmen für ein Kaufhaus mit mehreren Geschäften geplant. „Bis zum Jahreswechsel wollen wir mit den Abbrucharbeiten angefangen haben, im Frühjahr soll Baubeginn sein, Ende 2017 wollen wir fertig sein.“

Ursprünglich wollten sie bereits Ende dieses Jahres mit einer Verkaufsfläche von 7600 Quadratmetern eröffnen, doch im Mai räumten sie ein, dass noch nicht für alle Flächen Mieter gefunden seien und dass noch verschiedene Konzepte diskutiert würden. Wenn denn nun mit einjähriger Verspätung endlich etwas passiert, sind die benachbarten Geschäftsinhaber glücklich und zufrieden. „Wir hoffen jedenfalls sehr, dass nun endlich etwas passiert“, sagt Michael Groth. Doch erst einmal machen sie mit ihrer Putzaktion weiter. „Wir leben in einer Touristenstadt und wollen es nett haben“, sagt Bettina Ernst. „Außerdem ist es sehr schön, solche Aktionen gemeinsam mit den Kollegen zu machen.“

 Sabine Risch

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