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Lübeck CDU-Krach: Muss Zander abtreten?
Lokales Lübeck CDU-Krach: Muss Zander abtreten?
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22:26 09.01.2017
CDU-Fraktionschef Andreas Zander bei einer Sitzung der Lübecker Bürgerschaft. Quelle: Sergio di Fusco
Lübeck

Zoff, Zank, Zander: Es ist der alte Krach zwischen den beiden Lagern in der CDU, der sich wieder Bahn gebrochen hat. Jetzt heftiger denn je. Die 16-köpfige Fraktion ist gespalten – und der Riss geht so tief wie nie. Die beiden Seiten: Es gibt das Lager um Andreas Zander. Etwa die Hälfte steht loyal zu ihrem Frakionschef. Die andere Hälfte opponiert heftig – und ist gegen ihn. Jetzt wird bereits eine Abwahl von Zander als Fraktionschef diskutiert – hinten den Kulissen. Als möglicher Nachfolgerin wird Kreischefin und Fraktionsvize Anette Röttger genannt. Sie könnte die Fraktion übergangsweise führen. Dazu kommen wird es allerdings nicht – jedenfalls nicht jetzt. Denn Zander ist aktuell gar nicht in der Hansestadt. Er kommt erst am 25. Januar wieder aus Fernost zurück.

„Es wird keine Abwahl von jemanden geben, der nicht da ist“, macht Stellvertreter Lars Rottloff klar, der die Fraktionssitzung gestern Abend geleitet hat und zum Zander-Lager gehört. Der Auslöser: Eine Mail von Zander vom 20. Dezember. Darin macht er klar, dass er seine Fraktionskollegen Christopher Lötsch und Dirk Freitag demontieren will. Sie gehören beide dem Anti-Zander-Lager an. Anlass dafür: Der Beschluss zum Citti-Park im Bauausschuss. Während dieser Sitzung am 18. Dezember hatte Lötsch als Vorsitzender die Sitzung unterbrochen – und nachher anders abgestimmt, als das in der Fraktion diskutiert worden war.

„Mich hat überzeugt, dass glaubhaft versichert wurde, dass der Fahrradladen im Citti-Mark bleiben will – bis 2020“, sagt Lötsch auf LN-Anfrage. Es geht bei der Citti-Park-Debatte um einen komplizierten Flächentausch innerhalb des Einkaufszentrums im Gewerbegebiet Herrenholz. Unterm Strich sollen dort mehr Innenstadt-Waren angeboten werden. Dagegen hat der Einzelhandel vehement protestiert. Die CDU-Fraktion hatte sich am 5. Dezember darauf geeinigt, dass Citti nicht ganz so viele Innenstadt-Waren anbieten darf wie gewünscht. Der Wirtschaftsausschuss hat am 11.

Dezember so beschlossen – mit den Stimmen von CDU und SPD. Der Bauausschuss hingegen hat noch einen drauf gesetzt. Jetzt muss der Citti-Markt deutlich mehr abspecken – und darf wesentlich weniger zusätzliche Innenstadt-Waren anbieten als gedacht. Dafür haben drei CDU-Leute votiert, die restlichen Stimmen kamen von der SPD. „Wir hatten das vorher nicht mit den Sozialdemokraten abgesprochen“, sagt Lötsch.

Doch der Krach innerhalb der Fraktion reicht wesentlich tiefer – und weiter zurück. So wird dem Anti-Zander-Lager eine Nähe zur SPD nachgesagt. Denn viele davon haben Kathrin Weiher (parteilos) im November 2014 nicht zur Senatorin gewählt, sondern für SPD-Mann Jan Lindenau votiert. Es wird vermutet, dass das bei der Wahl von Innensenator Ludger Hinsen (CDU) genauso war. Nun fürchtet Zander, dass er sich bei der Wahl des Bausenators Ende Januar ebenfalls auf die Hälfte seiner Fraktion nicht verlassen kann. Hinzu kommt, dass die Sozialdemokraten als lachende Dritte den Riss innerhalb der CDU-Fraktion gern befördern. Schon prahlen SPD-Leute damit, Stimmen aus dem CDU-Lager für die Bausenatoren-Wahl zu haben.

Und Röttger? „Das gehört sich nicht“, sagt die Kreischefin – zu beiden Lagern. Denn Lötsch und Co. seien ohne Rücksprache von der Fraktionslinie abgewichen. Und Zander habe darauf in einer Art und Weise reagiert, die „mir völlig fremd ist“. Röttger: „So geht es nicht.“

 Josephine von Zastrow

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