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Lübeck CDU jubelt: Lübeck wird schwarz
Lokales Lübeck CDU jubelt: Lübeck wird schwarz
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21:55 25.09.2017
Die neue Frauen-Power in der CDU: Die Kreisvorsitzende Anette Röttger (m.) sitzt seit Kurzem im Kieler Landtag, die Bundestagsbewerberin Claudia Schmidtke (r.) zieht in den Bundestag ein, und Kathrin Weiher (l.) will Bürgermeisterin werden. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

 Eine Zäsur: Warum hat die Stadt die politische Farbe gewechselt? Beide Parteien haben ein Minus in der Hansestadt eingefahren. Einzig: Der Stimmen-Verlust der SPD ist noch größer als der der CDU. Entgegen dem Bundestrend. Dadurch ist die Hansestadt über Nacht schwarz geworden. Niemand hat damit gerechnet. Das Ergebnis dreht sich erst spät, die 30000 Briefwähler geben den Ausschlag für die CDU.

Historischer Sieg: Lübeck wählt CDU. Die SPD-Hochburg ist eingestürzt. Polit-Neuling Claudia Schmidtke gewinnt den Wahlkreis direkt, die Union holt auch die meisten Zweitstimmen. Eine Zäsur: Warum hat die Stadt die politische Farbe gewechselt?

Erfreulich

Die Wahlbeteiligung ist gestiegen und liegt im Wahlkreis 11 bei 72,1 Prozent. Das sind mehr als 2013 – da wählten 68,6 Prozent.

Der Jubel bei der Union ist riesengroß. „Die CDU hat auf eine Quereinsteigerin gesetzt“, freut sich Kreischefin Anette Röttger, „das war der richtige Schritt zur richtigen Zeit“. Polit-Neuling Claudia Schmidtke hat für die CDU das Rennen gemacht. Dabei ist die Herzchirurgin erst seit zweieinhalb Jahren in der Partei – und holt aus dem Stand 35,3 Prozent. Damit nimmt sie der Dauer-Bundestagsabgeordneten Gabriele Hiller-Ohm (SPD) den Lübecker Wahlkreis ab. Hiller-Ohm zieht nur knapp über ihren Listenplatz in den Bundestag ein. Denn sie stürzt massiv ab auf 33,8 Prozent – das sind 6,9 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Die SPD-Frau sitzt seit 2002 im Bundestag – und das Ticket nach Berlin war fest eingeplant. Vier Mal hat Hiller-Ohm es direkt gelöst und den Lübecker Wahlkreis für sich entschieden. Nur dieses Mal nicht.

Für die CDU ist ganz klar: Das Top-Ergebnis ist der Kandidatin Schmidtke zu verdanken. „Sie hat fachlich und persönlich überzeugt“, sagt Röttger. Aber beim Vergleich mit der Bundestagswahl 2013 wird schnell klar: Schmidtke hat 1,2 Prozentpunkte weniger geholt als ihre Vorgängerin Alexandra Dinges-Dierig. Die kam auf 36,4 Prozent. „Die CDU hat bundesweit verloren“, versucht Röttger zu erklären.

Außerdem habe Schmidtke bei den absoluten Zahlen doch 551 Stimmen mehr als Dinges-Dierig eingefahren.

Das gleiche Bild ergibt sich beim Blick auf die Zweitstimmen. Die CDU verliert immerhin 4,7 Prozent – und kommt so nur auf 29,5 Prozent. Die SPD stürzt aber noch tiefer ab, um satte 8,7 Prozent – und holt lediglich 25,4 Prozent. Vor allem in den SPD-Hochburgen Moisling, Buntekuh, Kücknitz und St. Lorenz Süd sind nur 50 Prozent zur Wahlurne gegangen. Dort liegt die Wahlbeteiligung weit unter dem Lübecker Schnitt von 72,1 Prozent.

Ein schrecklicher Abend für die Sozialdemokraten. „Wir haben in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich viel verloren“, gibt SPD-Kreischef Thomas Rother mit Blick auf die anderen Bundesländer zu. Und räumt ein: „Wir müssen uns inhaltlich, organisatorisch und personell erneuern.“ Und das Ergebnis in der Hansestadt? Da ist sich Rother sicher: „Lübeck ist nicht schwarz, sondern bunter geworden.“

Zugelegt haben die kleinen Parteien: Grüne, FDP, Linke und AfD. Für das miese Abschneiden seiner Partei in Lübeck gibt Rother den Grünen eine Mitschuld: „Kandidat Thorsten Fürter hat gegen Hiller-Ohm Wahlkampf gemacht.“ Fürter hatte erklärt, es müsse jemand Neues ran und wollte den Wahlkreis direkt gewinnen. Früher gab es Wahlkämpfe, bei denen die Öko-Partei auf Rot-Grün gesetzt – und um die Zweitstimme geworben hatte.

Frische Gesichter statt bekannter Partei-Gewächse: Mit ein Grund, warum die CDU das Rennen gemacht hat – und nicht die SPD? „Wir müssen einen Prozess der Veränderung durchmachen“, sagt Rother. Und gibt zu: „Den hat die CDU schon hinter sich.“ Erneuerung ist ein diffiziler Prozess – und dabei kracht es heftig. Das weiß die Lübecker CDU, die es dabei in zwei Teile gerissen hat. So haben am Wahlabend die beiden Lager den Sieg getrennt gefeiert. Die einen beim Griechen am Pferdemarkt, die anderen beim Italiener in der Fischergrube. Röttger weiß darum. Sie hat die Erneuerung der Partei voran getrieben seit sie 2012 Kreischefin wurde. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, ist sie überzeugt. „Das Ergebnis spricht für sich.“

 Von Josephine von Zastrow und Kai Dordowsky

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