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Lübeck CDU will Bahnhofsvorplatz zu Helmut-Kohl-Platz machen
Lokales Lübeck CDU will Bahnhofsvorplatz zu Helmut-Kohl-Platz machen
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07:47 11.01.2018
Die CDU will den Bahnhofsvorplatz in Helmut-Kohl-Platz umbenennen. Quelle: Olaf Malzahn
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Zweiter Anlauf, dem früheren Bundeskanzler in der Hansestadt einen Ehrenplatz zuzuweisen: Im Sommer vergangenen Jahres brachte CDU-Bürgerschaftsmitglied Burkhart Eymer die Idee ins Gespräch, den Hindenburgplatz in Helmut-Kohl-Platz umzubenennen. „Der Widerstand der Anwohner war sehr groß“, erklärt Eymer, warum die Idee von seiner Frak tion nicht weiter verfolgt wurde. „Wir haben uns nach Alternativen umgeschaut.“ Der Bahnhofsvorplatz sei ein städtebaulich herausgehobener Platz. Eymer: „Das ist keine Sackgasse im Hinterhof.“ Zugleich gebe es dort kaum Anlieger, für die eine Umbenennung mit bürokratischem Aufwand verbunden wäre. Zusammen mit der angrenzenden Konrad-Adenauer-Straße und der in der Nähe liegenden Willy-Brandt-Allee hätte Lübeck „eine Kanzler-Meile“, sagt Eymer. Kohl habe als Bundeskanzler die Wiedervereinigung durchgesetzt, wovon vor allem Lübeck als Großstadt an der früheren Zonenrandgrenze profitiert habe. Die CDU werde das Gespräch mit den anderen Fraktionen suchen. Der CDU- Politiker: „Ich bin vorsichtig optimistisch.“ Sollte die Bürgerschaft zustimmen, werde man sich an die Familie Kohl wenden.

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Doch die Idee ist politisch umstritten. „Wir sind nicht grundsätzlich abgeneigt“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau, fordert aber eine Gesamtlösung. Denn die Umbenennung von Hindenburgplatz, Pfitznerstraße und Lenardweg steht ebenfalls im Raum, wird seit Jahren diskutiert und ist immer noch nicht entschieden. Die Chefs der mittelgroßen und kleinen Fraktionen lehnen den CDU-Vorstoß ab. Marcel Niewöhner (BfL): „Wir sind grundsätzlich dagegen, Straßen und Plätze nach Persönlichkeiten zu benennen.“ Nachfolgende Generationen seien mit der Namensgebung oft nicht einverstanden. „Wir sind dagegen“, erklärt Antje Jansen (GAL). Wenn der Bahnhofsvorplatz einen anderen Namen bekommen sollte, wäre eine Verbindung zum dort stehenden Denkmal passend, das an die Deporta tion von Juden erinnert. Jansen: „Wir sollten eher einen Menschen aus dem Widerstand gegen den Faschismus ehren.“

Michelle Akyurt (Grüne): „Es gibt viele weibliche Persönlichkeiten, die wir ehren könnten.“ Ihr seien die Motive der CDU nicht klar. Helmut Kohl sei zweifellos ein großer Politiker und Europäer gewesen, erklärt Thomas Rathcke: „Aber er hat sich in der Spendenaffäre über Recht und Gesetz hinweggesetzt.“ Auch das gehöre zur Wahrheit. Rathcke: „Wir lehnen die Umbenennung ab.“ Auch Bruno Böhm (Freie Wähler & Die Linke) erinnert an die ungeklärte Geschichte der schwarzen Kassen. „Ich halte nichts von der Umbenennung“, sagt Böhm.

Die LN-Leser sind ebenfalls überwiegend dagegen. 240 Kommentare gingen bei Facebook ein. Ilona Walter schreibt: „Der Ex-Bundeskanzler Kohl hat nichts für Lübeck getan!“ Walter will stattdessen einen früheren Bürgermeister ehren und schlägt den Robert-Knüppel- Platz vor. Alexander Krämer: „Haben Sie grad das Geräusch gehört? Willy Brandt hat sich soeben im Grabe herumgedreht! Helmut Kohl hat doch gar nichts unmittelbar mit der Stadtgeschichte zu tun.“ Krämer will lieber einen Bernd-Saxe-Platz: „Er war ja lange Bürgermeister der Stadt und auch ein ganz guter.“ Claus Jost: „Wenn man einen Menschen sucht mit einer schneeweißen Vita, lässt man es besser bleiben. Selbst beim Papst hat man was gefunden.“ Lyad Turkamann ist für den CDU- Vorschlag: „Helmut Kohl hat viel für Deutschland gemacht. Als Dankeschön einen Platz nach seinem Namen zu benennen, ist gut.“

Auch Bürgermeister Saxe hätte nichts dagegen. Es gebe aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine solche Benennung erst fünf Jahre nach dem Ableben des Betroffenen vorgenommen wird. Der SPD-Politiker: „Wenn man in Sachen Straßenbenennung an Kohl denkt, muss man natürlich auch an Helmut Schmidt denken.“

Von Kai Dordowsky

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