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18:26 09.07.2016

„Es ist eine Veränderung, aber keine Katastrophe“, sagt Propst Franz Mecklenfeld, noch Vorsitzender des Caritasverbandes Lübeck. Die Aufgabe der Selbstständigkeit sei bedauerlich, „ist aber ein kluger Weg“. 38 Jahre lang war die Lübecker Caritas ein eigenständiger Ortsverband, damit ist seit dem 1. Juli Schluss. Der Wohlfahrtsverband, der 40 hauptamtliche Mitarbeiter und 130 Ehrenamtler beschäftigt, ist mit dem Diözesan-Caritasverband des Erzbistums Hamburg fusioniert. Die Hamburger übernehmen rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres alle rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen.

„Das ist eine Veränderung, aber keine Katastrophe.“Propst Franz Mecklenfeld

Das Ende der Selbstständigkeit hat sich schon länger abgezeichnet. Vor drei Jahren wurden Gespräche mit dem Kieler Landesverband geführt, die aber nicht erfolgreich waren. Als klar war, dass auch die Landesverbände vor Verschmelzungen stehen, suchten die Lübecker das Gespräch mit den Hamburgern. Hintergrund: Die Lübecker Caritas befand sich in finanzieller Schieflage. Roswitha Kaske, ehemalige CDU-Bürgerschaftsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Caritas-Ortsverbandes: „Wir sind nicht auf Rosen gebettet und haben uns nach einem Partner umgesehen.“ Ende 2013 wurden die vier Kitas Herz Jesu, St. Bonifatius, St. Franziskus und St. Konrad an die Pfarrgemeinden übertragen. Anfang dieses Jahres wechselte das Alten- und Pflegeheim St. Birgitta in Travemünde zu den Maltesern Norddeutschland. „Katholische Verbände müssen sich nicht unnötig Konkurrenz machen“, erklärt Roswitha Kaske den Kurs, „das Haus Birgitta läuft unter den Maltesern genauso gut wie unter der Caritas.“

Die Geschäftsstelle im Fegefeuer und das Kerngeschäft der Helfer bleiben erhalten – und das sei entscheidend, sagt die Leiterin der Lübecker Caritas, Dorothee Martini. Das riesige Angebot von der Bahnhofsmission über Beratungsstellen bis zur Stadtranderholung werde eher ausgebaut. „Die Bahnhofsmission, die wir gemeinsam mit der Gemeindediakonie betreiben, arbeitet nicht kostendeckend“, sagt Martini, „aber sie ist gelebte Kirche vor Ort.“ Die Seniorenberatung soll zu einem dauerhaften Angebot ausgebaut werden. Tausende Lübecker haben Kontakt zur Caritas – weil sie die Familien- und Schwangerenberatung, den Besuchsdienst für Senioren, die Kleiderkammer, die psychosoziale Krebsnachsorge, die Migrationsberatung oder die Workshops für Alleinerziehende in Anspruch nehmen. Einen großen Teil dieser Angebote habe ohnehin schon das Erzbistum Hamburg entweder ganz oder zu großen Teilen finanziert, sagt die Lübecker Leiterin Martini. Um sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können, sei es richtig, die Buchhaltung, die Informationstechnologie und das Marketing in größeren Einheiten zu konzentrieren. „Verwaltungsabläufe und Gebäudemanagement werden professionalisiert“, heißt es in einer Erklärung des Hamburger Diözesanverbandes, „die Position der Caritas in Lübeck wird mittel- und langfristig gesichert.“ Von den 40 hauptamtlichen Stellen fallen nach Angaben von Dorothee Martini zwei weg. Die Mitarbeitervertretung sei von Anfang an in die Fusionspläne eingebunden gewesen und in diversen Versammlungen informiert worden. Das wird von der Personalvertretung bestätigt. Größte Belastung für die Beschäftigten sei die jahrelange Unsicherheit gewesen, wohin die Reise geht.

38 Jahre lang, von 1978 bis 2016, war die Caritas Lübeck selbstständig. Über 50 Jahre davor allerdings nicht. Propst Mecklenfeld: „Die Caritas ist seit den 1920er-Jahren in Lübeck tätig.“

Wandel in der Kirche

Nicht nur in der Wohlfahrtspflege ändern sich Strukturen. Die katholische Kirche Lübeck hat Ende Mai angekündigt, dass eine „Strukturrevolution“ vorgenommen wird (LN berichteten). Die sechs bisherigen Pfarreien werden im März 2017 aufgelöst und in einer neuen Groß-Gemeinde aufgehen. Ein Drittel der Priesterstellen wird gestrichen, die Zahl der Gottesdienste reduziert. Über 24000 Gläubige sind von dieser Strukturreform betroffen. Und Propst Franz Mecklenfeld wird im November versetzt. Als Gründe für die Strukturreform werden sinkende Mitgliederzahlen genannt.

Kai Dordowsky

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