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Lübeck Chemieunfall: Vier Verletzte, mehrere Straßen gesperrt
Lokales Lübeck Chemieunfall: Vier Verletzte, mehrere Straßen gesperrt
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13:03 06.10.2016
Als klar ist, dass eine chemische Reaktion den Einsatz ausgelöst hat, rückt auch der Gefahrgutzug der Feuerwehr aus. Quelle: Fotos: Kröger (2), Hellerling
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St. Jürgen

Alarm im Kaninchenborn: Bei der Firma 5N Plus hat es gestern Vormittag einen Chemieunfall gegeben. Gegen 10.15 Uhr trat nach einer chemischen Reaktion ein „Produkt“ aus. Worum es sich dabei genau handelt, konnte die Feuerwehr nicht sagen. Fest steht nur, dass innerhalb der betroffenen Anlage zwei Flüssigkeiten miteinander vermengt wurden. „Das ist offensichtlich nicht wie geplant verlaufen“, so Feuerwehrsprecher Matthias Schäfer. Bei 5N Plus werden sogenannte Wismutsalze hergestellt, die beispielsweise in Geschirrspülmitteln eingesetzt werden.

Die Feuerwehr rückte am Mittwochmorgen zu einem Einsatz im Kaninchenborn aus. In einer Chemiefirma treten giftige Stoffe aus.
Beim Lübecker Unternehmen 5N Plus kommt es zu einem Zwischenfall bei der Vermengung von zwei Flüssigkeiten – Vor vier Jahren gab es schon einmal einen Einsatz.

Das Unternehmen selbst wollte sich gestern auf LN-Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern.

Ein Mitarbeiter der Produktion kam mit dem ausgetretenen Produkt in Berührung und musste ärztlich behandelt werden. Drei weitere Kollegen erlitten Reizungen der Atemwege, sie kamen ebenfalls in umliegende Kliniken. Infolge der chemischen Reaktion entwickelte sich zudem eine Rauchwolke. Aufgrund der vorgefundenen Lage wurde sicherheitshalber das Stichwort „ABC Brand“ ausgelöst. Daraufhin rückten weitere Einheiten mit Spezialausrüstung für Gefahrguteinsätze nach. Die Feuerwehr kontrollierte den betroffenen Bereich und belüftete das Gebäude. „Es kam zu keinem Produktaustritt außerhalb des Produktionsbereiches, so dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für die Bevölkerung bestand“, sagt Matthias Schäfer.

An dem zweistündigen Einsatz waren rund 50 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren sowie des Rettungsdienstes und der Polizei beteiligt. Die Freiwilligen Feuerwehren Schönböcken und Vorwerk übernahmen außerdem die Wachbesetzung der Feuerwehr, die zu diesem Zeitpunkt komplett ausgerückt war.

Auch vor Ort mussten die Kollegen der Polizei helfend eingreifen. „In einem Umkreis von 500 Metern wurde der öffentliche Verkehrsraum vorsorglich gesperrt“, erzählt Polizeisprecher Stefan Muhtz. Dazu wurden sieben Streifenwagen eingesetzt. Über die Bundespolizeiinspektion Kiel wurden die Bahnstrecken Richtung Mölln und Herrnburg, die südlich des Unternehmens verlaufen, sofort gesperrt. Gegen 11 Uhr konnten die Sperrmaßnahmen wieder aufgehoben werden. „Seitens der Polizei wird der Ermittlungsdienst ,Umwelt‘ beim Polizei-Autobahn- und Bezirksrevier Scharbeutz die Ermittlungen aufnehmen“, so Muhtz.

Die Chemiefirma 5N Plus, die im Kaninchenborn im Geniner Gewerbegebiet ansässig ist, stellt Salze her, die unter anderem für pharmazeutische und technische Anwendungen benötigt werden. Ursprünglich hieß das Unternehmen MCP HEK. Seit 2012 gehört es zur kanadischen 5N-Plus-Gruppe.

Vor vier Jahren kam es schon einmal zu einem Zwischenfall. Damals hatte ein Feuer einen ähnlich großen Gefahrguteinsatz ausgelöst. Am Ende stellte sich der Alarm als normaler Brand heraus. In einer Mühle hatte sich Wismut-Zitrat entzündet. Grund soll ein Fremdkörper gewesen sein, der in die Mühle gelangt war.

Maike Wegner

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