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Lübeck Chinesischer Flughafenbetreiber schmeißt Segelflieger raus
Lokales Lübeck Chinesischer Flughafenbetreiber schmeißt Segelflieger raus
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01:24 08.11.2014
Der Vertrag des Aero Clubs Lübeck mit dem Flughafen Blankensee läuft zum Jahresende aus und wird nicht verlängert. Quelle: Christian Wese
Lübeck

Bitteres Aus für den Segelflugsport in der Hansestadt: Der neue Airport-Betreiber PuRen setzt den Aero Club Lübeck vor die Tür. „Die Nutzungsvereinbarung wird über den 31. Dezember hinaus nicht verlängert“, kündigte Flughafen-Geschäftsführer Markus Matthießen gestern bei einer 100-Tage-Bilanz an. PuRen hat den Airport am 1. August übernommen.

Gestern Mittag informierten Matthießen und der neue Leiter „Airport Operations“, Dr. Peter Steppe, die Vorsitzenden des Aero Clubs, Rüdiger Kosemund und Florian Mösch, über das Aus für die Segelflieger. Die waren wie vor den Kopf gestoßen. „Es war bis dahin für uns nicht vorstellbar, dass es in Lübeck keinen Segelsport mehr geben soll“, erklärt Club-Geschäftsführer Joachim Häusler.Die 150 Mitglieder — darunter 80 aktive Flieger — seien schwer enttäuscht vom neuen Airport-Eigner. „Die Neuseeländer von Infratil haben ja schon versucht, uns vor die Tür zu setzen“, sagt Häusler, „aber das hat nicht geklappt.“ In diesem Jahr mussten die Segelflieger bereits eine zweimonatige Zwangspause einlegen und auf andere Plätze ausweichen, weil sich Airport und Aero Club nicht einigen konnten.

Schließlich wurde die Nutzungsvereinbarung doch verlängert, Ab 2015 aber ist endgültig Schluss. Flughafen-Geschäftsführer Matthießen erklärte, dass der Airport für das Gelände andere Pläne habe. Welche, das wollte er nicht verraten. Auch der Aero Club rätselt über die Gründe. „Fakt ist, dass der Segelflug in Lübeck damit stirbt“, erklärt Geschäftsführer Häusler. Ausweichplätze gebe es in der Hansestadt nicht. Außerdem könne man den Mitgliedern nicht zumuten, woanders wieder Clubheim und Hallen aufzubauen.

PuRen hat große Pläne, die aber alle noch unkonkret sind. Die Chinesen wollen neben Linien- und Charterflug, neben technischem Service und Pilotenausbildung weitere Geschäftsfelder entwickeln.

Matthießen und Steppe setzen dabei auf den „China-Faktor“. 3,7 Millionen Chinesen würden jedes Jahr durch Europa reisen. Der Markt wachse mit Raten von 17 bis 25 Prozent. Ziel sei, einen Teil dieser Touristen durch spezielle Reiseprogramme für ein bis zwei Tage in die Region zu locken. Matthießen: „Davon würden hier alle profitieren.“ Das könne der Airport aber nicht allein stemmen. Was die am 1. September gegründete PuRen Airlines vorhabe, konnte die neue Führungscrew nicht beantworten.

Der Flughafen gewinne derzeit das Vertrauen von Reiseveranstaltern zurück, berichtete der Flughafen-Chef. Im nächsten Jahr stehen einige Pauschalreisen nach Italien, Spanien und Kroatien an. Die neue Wizz-Air-Linie ins lettische Riga starte im April 2015, bekräftigte Matthießen. Derzeit gebe es wenig Flugverkehr in Blankensee, räumte er ein. Dennoch würden die 93 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir sind in Bereitschaft, wenn andere Airports wegen schlechten Wetters nicht angeflogen werden können“, sagte der Geschäftsführer.

Am Ziel, den Airport auszubauen, halten die Chinesen fest. Das wegen der Insolvenz von Yasmina gestoppte Gerichtsverfahren zum Ausbaubeschluss werde wieder aufgenommen. Matthießen rechnet in der ersten Jahreshälfte 2015 mit einer Hauptverhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig.

Der 41-jährige, ehemalige Landtagsabgeordnete ist für die strategische Weiterentwicklung des Airports zuständig. Dr. Peter Steppe (56), der den Flughafen von 1993 bis 2005 leitete, ist als technischer Leiter wieder mit an Bord. Steppe war bis 2007 bei dem damaligen Flughafenbetreiber Infratil beschäftigt, anschließend technischer Direktor bei Hamburg-International und später Geschäftsführer von Aviation & Aircraft Assets. Die kleine Fluggesellschaft Almania Airlines, die Steppe ebenfalls leitete, befindet sich nach seinen Angaben in der Liquidation, also der Auflösung.

„Segelflug wird hier
in Lübeck künftig nicht
mehr stattfinden.“
Markus Matthießen (Flughafen-Chef)

Kai Dordowsky

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