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Lübeck „Claptons“ Blut rettet „Bruno“ das Leben
Lokales Lübeck „Claptons“ Blut rettet „Bruno“ das Leben
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11:38 03.04.2016
Maren Schütt (52) ist überglücklich, dass „Bruno“ (3, r.) dank der Hilfe von „Clapton“ (4, l.) wieder auf den Beinen ist. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Christoph Brandt
St. Jürgen

Plötzlich muss alles ganz schnell gehen. Der dreijährige Airedale Terrier „Bruno“ liegt reglos auf dem Operationstisch der Tierarztpraxis, seine Blutwerte sinken auf einen dramatischen Tiefstand ab. „Bruno“ braucht innerhalb weniger Stunden einen Blutspender, um am Leben zu bleiben. Hundebesitzerin Maren Schütt (52) bangt um ihrem treuen Vierbeiner, Ehemann Christian (50) versucht verzweifelt, telefonisch einen Spender ausfindig zu machen. Zittern, bibbern, hoffen — ein Gedanke geht Maren Schütt nicht mehr aus dem Kopf: „Es kann doch nicht sein, dass Brunos‘ Leben von einem Beutel Blut abhängt.“

 

Dr. Kaja Lohse (42), Fachtierärztin für Kleintiere und Kardiologie.

„Als der Anruf kam, haben wir keine Sekunde gezögert und sind mit ,Clapton‘ gleich

in die Klinik gefahren.“Wolfgang Raddatz, „Claptons“ Herrchen

Zum Glück geht der Fall gut aus, denn „Bruno“ hat in Labrador „Clapton“ einen Spielfreund, der ihm helfen kann: „Clapton“ springt als Blutspender ein. Im Gegensatz zu anderen möglichen Spendern hat der Vierbeiner an diesem Abend noch nicht gefressen, kommt so für eine Transfusion unter Narkose in Frage.

„Bei Christians Anruf haben wir keine Sekunde gezögert und sind gleich in die Klinik gefahren“, erzählt „Claptons“ Herrchen und Maren Schütts Schwager Wolfgang Raddatz (53). Nur eine Dreiviertelstunde nach dem Notruf ist „Clapton“ für seinen Kumpanen, mit dem er einmal in der Woche in einem Waldstück spazieren geht, da. Unter Vollnarkose werden dem Labrador 250 Milliliter Blut entnommen und an den Airedale Terrier weitergegeben. Auch „Clapton“ ist dementsprechend einem gewissen Risiko ausgesetzt, erholt sich aber schnell von seinem Einsatz.

Hunde haben sechs Blutgruppen, von denen die beiden Serien DEA (Dog Erythrocyte Antigen) 1.1 und 1.2 als die beiden Hauptblutgruppen am häufigsten vorkommen. Im Gegensatz zu einer Bluttransfusion beim Menschen ist der Vorgang bei Hunden beim ersten Mal klinisch unproblematisch. Hunde besitzen keine natürlichen Antikörper gegen Blutgruppen, weshalb erst bei einer zweiten Übertragung die Kompatibilität der Blutgruppen berücksichtigt werden muss, um mögliche Transfusionsreaktionen zu vermeiden.

Schon einige Tage vor dem lebensrettenden Eingriff wundert sich Christian Schütt über „Brunos“ Verhalten. „Er hat einfach nur so dagelegen“, sagt der 52-Jährige über den sonst so agilen und frechen Airedale Terrier. Der Vierbeiner ist für das kinderlose Ehepaar Schütt das „Ein und Alles“. Nach einem Bluttest beim Tierarztbesuch steht fest: „Bruno“ hat eine autoimmunhämolytische Anämie.

„Bei dieser Anämie handelt es sich um eine Bluterkrankung, bei der der eigene Körper die roten Blutzellen zerstört“, sagt Tierärztin Dr. Kaja Lohse (42). Die Autoimmunkrankheit gehöre neben Gerinnungsstörungen, die häufig durch Vergiftungen verursacht werden, zu den typischen Blutkrankheiten bei Hunden. Auch nach Blutverlust bei Unfällen und Operationen kommt gespendetes Blut zum Einsatz. Insgesamt seien Transfusionen bei Hunden aber relativ selten, sagt Dr. Lohse.

Nach der Diagnose beginnt bei den Schütts ein wahres Wechselbad der Gefühle. Der Hund erhält eine Behandlung durch Infusionen, ein Spenderhund kann auch rasch gefunden werden. „Brunos“ Blutwerte aber stabilisieren sich im Laufe des mehrtägigen Klinik-Aufenthaltes, der „Patient“ wird wieder entlassen. Erst beim Kontrollbesuch kommt die erschreckende Erkenntnis: Der Hämatokrit-Wert ist lebensbedrohlich niedrig — „Bruno“ braucht eine schnelle Bluttransfusion.

Nach der Narkose sind beide Tiere sehr erschöpft, „Bruno“ verbringt eine weitere Nacht in der Klinik. Erst nach einigen Tagen können Maren und Christian Schütt dann aufatmen und dürfen ihn wieder mit nach Hause nehmen. Verträgt er die täglich verschriebenen Cortison-Tabletten, soll es ihm in vier Monaten schon viel besser gehen. „Zum Glück haben es beide Hunde sehr gut überstanden“, sagt Maren Schütt. „Bruno“ und „Clapton“ sind jetzt nicht nur beste Spielfreunde, sondern auch Blutsbrüder.

DREI FRAGEN AN...

1 Welche Blutgruppen haben Hunde? Ein Bluttransfusionssystem ordnet jeder Serie eine DEA-Nummer zu, wobei die Abkürzung „DEA“ für Dog Erythrocyte Antigen steht. Unter Hunden gibt es zwei Hauptblutgruppen: die Blutgruppe des Typs DEA-1.1 und DEA-1.2. Weniger häufig kommen Blutgruppen anderer DEA-Serien vor.

2 Was ist der Unterschied bei Transfusionen zwischen Hunden zu denen zwischen Menschen? Grundlegend unterschiedlich ist die Aufbereitung des Blutes. Beim Menschen werden die Teile des Blutes wesentlich genauer differenziert und isoliert als in der Tiermedizin. Während der Bluttransfusion bei Hunden wird dem Spender das Blut meistens aus der Halsvene genommen. Hier ist der Venendurchmesser verhältnismäßig groß und erscheint zur Blutabnahme optimal. Zudem spielt die Blutgruppe bei einer ersten Transfusion unter Hunden keine wesentliche Rolle.3 Welche Voraussetzungen muss ein Hund erfüllen, um spenden zu können? Ein Hund sollte im Optimalfall über 20 Kilogramm schwer und zwischen ein und fünf Jahren alt sein. Grundsätzlich gilt außerdem: je größer der Hund, desto besser. Wichtig ist auch, dass der Hund nicht im Ausland war und selbst gesund ist. Bei Hunden wird in der Regel das Blut nach Bedarf gespendet. Zunächst wird das Blut der Tiere daher untersucht, um die Vierbeiner dann in eine Kartei aufzunehmen. Viele Hundebesitzer kennen die Möglichkeiten einer Blutspende nicht, es werden daher laufend Spender gesucht.

Von Christoph Brandt

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