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Lübeck Claudia Schmidtke landet zweiten Coup
Lokales Lübeck Claudia Schmidtke landet zweiten Coup
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21:21 25.09.2017
Lübeck

Wie lange haben Sie Ihren überraschenden Sieg gefeiert?

Prof. Claudia Schmidtke (CDU, 51) siegte in einem wahren Krimi knapp gegen die Titelverteidigerin im Wahlkreis 11. Nach 52 Jahren geht das Direktmandat wieder an die CDU. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Claudia Schmidtke: Ich konnte nicht so lange und intensiv feiern, da ich heute nach der langen Wahlkampfpause wieder in der Klinik tätig war.

Wie wurden Sie am Morgen auf Ihrer Arbeit empfangen?

Sehr herzlich, es waren alle sehr stolz auf mich. Und natürlich haben sie auch die berechtigte Erwartung, dass ich mich für gute Pflege und Gesundheit einsetzen werde. Über sämtliche Medien habe ich unzählige Glückwünsche erhalten.

Wie ist es Ihnen gelungen, das Direktmandat zu holen?

Ich habe im Wahlkampf eine Wechselstimmung gespürt, hin zu einer Lübecker CDU, die mit Seiteneinsteigerinnen neue Blickwinkel in der Politik eröffnet.

Sie sind Seiteneinsteigerin – ist das ein Vorteil?

Für mich ist es ein Vorteil, aber langjährige politische Erfahrung hat auch Vorteile.

Sie lagen den ganzen Abend knapp hinter Hiller-Ohm – haben Sie trotzdem an den Erfolg geglaubt?

Klar! Ich bin ein sehr optimistischer Mensch.

Es kippte, als die Briefwähler ausgezählt wurden. Wählen die eher konservativ?

Briefwähler haben zumindest etwas mehr Zeit. Das hat sicher bei einigen Wählern zu dem Ergebnis geführt, der Union und Angela Merkel erneut das Vertrauen zu schenken.

Welche Rolle spielten die Wähler im Lauenburgischen für Ihre Wahl?

Wir haben auch im Stadtgebiet von Lübeck die Mehrheit der Erststimmen erreicht. Die Wähler im Lauenburgischen habe ich aber schon längst in mein Herz geschlossen: Bodenständige und vernünftige Leute.

Die Wahlergebnisse zeigen, dass die CDU sowohl bei Erst- als auch Zweitstimmen ebenfalls verloren hat, nur die SPD deutlich mehr. Sie haben also von der Schwäche der SPD profitiert?

Eine Wahl ist eine Momentaufnahme. Was für mich zählt, ist die Mehrheit für die CDU bei Erst- und Zweitstimmen im Jahr 2017.

Am Dienstag fahren Sie nach Berlin. Welche Koalition sollte es Ihrer Meinung nach im Bund geben?

Da die SPD ja bereits entschieden hat, dass sie keine Verantwortung übernehmen will, bleibt nur Jamaika. Wenn das so gut wird wie bisher in Kiel, kann ich mir das auch in Berlin vorstellen.

Auf welche Themen werden Sie sich im Bundestag stürzen?

Ganz klar: Gesundheit und Pflege. Mein zweites Steckenpferd ist bekanntermaßen die Wissenschaft. Und selbstverständlich muss unsere Region gestärkt werden.

Was sagen Sie zum Abschneiden der AfD?

Das hat mich schockiert. Aber wir müssen da auch selbstkritisch sein. Acht Jahre Große Koalition, so etwas führt fast zwangsläufig zum Erstarken der Ränder. Viele hatten das Gefühl, dass man mal richtig aufrütteln muss. Ich will auch für diese Menschen ansprechbar sein und verstehen, was sie antreibt.

Die CDU Lübeck hat den Sieg an zwei verschiedenen Stellen gefeiert. Müsste Ihr Sieg nicht dafür sorgen, dass sich die Partei wieder zusammenrauft?

Parteien sind lebendige Strukturen und müssen sich immer wieder zusammenraufen. Ich will helfen, dass die CDU in Lübeck da auf einem guten Weg bleibt. Im Übrigen sind diejenigen, die traditionsgemäß

länger im Rathaus verharrten, nach Abschluss der letzten Auszählung vereinbarungsgemäß zur gemeinsamen Feier gekommen.

Die CDU hat die Landtagswahlen gewonnen, Sie haben in Lübeck das Direktmandat geholt. Wird die auch von der CDU unterstützte Bürgermeister-Kandidatin Kathrin Weiher in wenigen Wochen neue Bürgermeisterin?

Zur Bürgermeister-Wahl kann ich nur sagen: Wir von der CDU freuen uns auf eine gute Vertretung in Stadt, Land und Bund durch kompetente Frauen.

Interview: Kai Dordowsky

Zur Person

Claudia Schmidtke ist 51 Jahre alt, seit zweieinhalb Jahren Mitglied der CDU und hat ihre Brötchen bislang als Leitende Oberärztin im Herzzentrum Bad Segeberg verdient.

Als Gewinnerin des Direktmandats im Wahlkreis 11 wird sie jetzt Bundesparlamentarierin. Schmidtke kam in Neumünster zur Welt und wuchs dort auch auf. Neben Humanmedizin studierte sie auch Gesundheitsökonomie. Sie arbeitete 18 Jahre lang am UKSH.

Die Überraschungssiegerin ist unverheiratet, hat keine Kinder, wohnt in St. Jürgen und ist Mitglied im CDU-Ortsverband Süd.

LN

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