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Lübeck Hansemuseum: Experten diskutieren übers Wachstum
Lokales Lübeck Hansemuseum: Experten diskutieren übers Wachstum
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16:48 25.10.2018
Professor Christian Berg von der Uni Kiel, Professor Leef Dierks von der Technischen Hochschule Lübeck und Ernst Ulrich von Weizsäcker (v. l.). Quelle: Rüdiger Jacob
Innenstadt

 Entweder ist der Saal „La Rochelle“ im Hansemuseum zu klein, oder es kamen schlicht zu viele Besucher: Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Club of Rome ging es darum, ob wirtschaftliches Wachstum notwendig ist oder ob es sich um einen Wachstumswahn auf Kosten der Zukunft handelt.

Zu diesem spannenden Thema konnte Felicia Sternfeld, Direktorin des Hansemuseums, etwa 210 angemeldete Gäste, darunter auch die jüngere Generation, begrüßen. Weit mehr waren gekommen, standen Schlange und mussten wieder nach Hause geschickt werden. „Wir sind überwältigt“, sagte Sternfeld.

Politische Zielvorgaben verfehlt

„Wir werden andere Lebensstile haben müssen, auch starke Eingriffe in unser Wirtschaften, sowohl privat als auch in den Betrieben“, sagte Max Schön, Vorsitzender der Possehl-Stiftung und Mitglied des Club of Rome – einem Zusammenschluss von Experten, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzen. „Und wir werden damit zu völlig anderen Stoffkreisläufen und Wirtschaftskonzeptionen kommen, damit im Jahre 2050 zehn Milliarden Menschen auf dieser Welt in einer gewissen Balance leben können.“

Mehr Wachstum oder Umdenken?: Unter der Moderation von Professor Christian Berg von der Uni Kiel und einer Einführung von Angela Huang von der Forschungsstelle für Hansegeschichte diskutierten der Finanzmarktspezialist, Professor Leef Dierks von der Technischen Hochschule Lübeck, mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem Neffen des Alt-Bundespräsidenten und Ehrenpräsident des Club of Rome.

Allgemeines Unbehagen, Zunahme von Populismus, Nationalismus, zunehmend instabile und unsichere geopolitische Lage, hohe Flüchtlingszahlen, täglich neue Nachrichten über Fragen von ökologischer Bedeutung: „Die politischen Zielvorgaben werden seit Langem verfehlt“, bemängelte Berg. „Es wird so nicht mehr weitergehen“, sagte Dierks. „Natürlich brauchen wir Wachstum, daran führt kein Weg vorbei. Aber dieses Wachstum brauchen wir, damit wir zunächst unseren Lebensstandard erst einmal halten können“, so Dierks, der die heranwachsende Generation in einer Angst darin betroffen sieht, dass ihr Lebensstandard nicht mehr jenem der Vorgängergeneration entsprechen könnte. Dem widersprach von Weizsäcker: „Das muss so nicht kommen“, so der Naturwissenschaftler und Politiker. Es sei falsch anzunehmen, dass sich Wirtschaftswachstum nicht von Naturverbrauchswachstum abkoppeln ließe. „Die Abkopplungsstrategie wird tendenziell verdrängt“, sagte von Weizsäcker.

„Wir brauchen einen starken Staat“

Nach den Worten von Weizsäckers werde aus ökologischen Gründen ein autoritäreres Staatsverständnis zwar gebraucht, ein stärkerer Staat dürfe aber nicht mit Nationalismus verwechselt werden. „Das wäre ein großer Denkfehler“, so von Weizsäcker. Ein starker Staat müsse Sachen „ein Stück weit gegen die Mehrheitsmeinung im Volk durchsetzen können“. Staatliche Maßnahmen müssten so zu dimensioniert sein, dass das Volk mitgehen könne. „Es ist eine Kränkung für mich, wenn bestimmte Leute aus der Industrielobby das total ablehnen“, sagte von Weizsäcker. „Die wollen keine Änderung, die wollen einfach die Ellenbogen einsetzen. Das ist eine selbstzerstörerische Haltung, die mit den globalen Märkten zusammenhängt.“

Rüdiger Jacob

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