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Lübeck Coole Klassik: Neue Kammerphilharmonie gegründet
Lokales Lübeck Coole Klassik: Neue Kammerphilharmonie gegründet
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16:34 20.08.2016
Neues Ensemble mit neuem Zuhause: Die Kammerphilharmonie Lübeck ist das Residenz-Orchester in der Kulturwerft. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Klassik, Coolness und Kulturwerft: Klassische Musiker spielen coole Konzerte in einer alten Fabrikhalle. Das ist der Dreiklang der Kammerphilharmonie Lübeck. Das neu gegründete Ensemble aus 50 professionellen Musikern will die Szene in Schleswig-Holstein aufmischen. Das Besondere an ihnen: Sie bringen Heavy Metal auf die Konzertbühne, kombinieren klassische Musik mit Jazz, bieten zwischen ihren Stücken Kulinarisches – und alles mit wechselnden Besetzungen. Sie sind klassische Musiker und bieten ihren Zuhörern ungewöhnliche Events – jenseits der steifen Rituale in Konzertsälen. Und sie wollen Zuhörer anlocken, die kaum etwas mit Klassik zu tun haben. Dafür haben sie auch den richtigen Ort gefunden. Denn: Die Kammerphilharmonie wird das neue Residenz-Orchester der Kulturwerft. Sie werden in der sanierten Fabrikhalle auf der Roddenkoppel proben und Konzerte spielen.

Kulturwerft ist die neue Residenz des Ensembles aus 50 Musikern – Sie spielen Mozart und Metal – Vier ungewöhnliche Konzertformate sind geplant.

„Musik muss überraschen“, sagt Chefdirigent Leo Siberski. Der 46-Jährige kann sich Abende mit Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart neben denen von Tom Waits, dem US-Sänger mit der Reibeisen-Stimme, vorstellen. Genre- Grenzen gibt es für ihn nicht. Richtig los geht es zur Weihnachtszeit, mit einem Konzert samt Plätzchenbacken für Familien. Aktuell plant die Kammerphilharmonie vier Formate in der Kulturwerft: Bei den Ocean-Konzerten liegt der Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Themen wie Umwelt, Migration, Religion. Konzerte mit Multimedia – zwei Mal im Jahr. Das Format Soundtrack soll ein Mal im Jahr Filmmusik präsentieren, ebenfalls mit visueller Untermalung. Mit der Reihe Set Up sollen ungewöhnliche Besetzungen präsentiert werden – wie ein Streichquartett mit zwei Schlagzeugern, ein Holzbläser-Quintett samt DJ; geplant sind vier Konzerte pro Jahr. Lukullus sind Dinner- Konzerte – es gibt fünf halbstündige Musikblöcke, dazwischen wird ein Vier-Gang-Menü serviert. Die Ticketpreise für die Events stehen noch nicht fest – losgehen soll es beim Preis für eine Kinokarte, sprich etwa zehn Euro.

„Wir wollen neue Wege gehen“, erklärt Helge Tischler. Der Bassposaunist ist Mitbegründer der Kammerphilharmonie, und für den 35-Jährigen war klar: „Ich will nicht 22 Mal in der Saison die Oper Liebestrank spielen.“ Dieser Wunsch eint ihn mit dem Schlagzeuger Andy Limpio, der Filmmusik liebt. Eine Leidenschaft, die der 30-Jährige mit dem Alltag an staatlichen Opernhäusern schwer in Einklang bringen konnte. Ein launiger Abend in Lemmy’s Bierpub mit Helge Tischler – und schon war klar: Sie machen endlich das, was sie schon immer machen wollten. Herausgekommen ist ein Ensemble von freischaffenden Musikern aus Lübeck und Hamburg. Sie wollen Ungewöhnliches auf demokratischer Basis ausprobieren. Jeder darf Vorschläge machen, alle probieren es aus. Das hat den Nerv von Leo Siberski getroffen. Acht Jahre hat er als Dirigent Orchester an staatlichen Häusern geleitet – von den Bayreuther Festspielen bis zur Berliner Staatsoper. Eine Zeit, die er nicht missen möchte. Aber: „Ich brauche geistiges Futter.“ Und schon war Leo Siberski Teil des enthusiastischen Ensembles. Bei den Eutiner Festspielen hatte die Kammerphilharmonie ihre Feuerteufe mit der Oper Carmen. Ein Erfolg.

Jetzt wollen sie mehr. Und haben die Kulturwerft gefunden – und einen weiteren Profi. „Ein experimentierfreudiges Orchester passt gut zu uns“, sagt Markus Steeger, Leiter der Kulturwerft. Er hat 21 Jahre die Konzerte des Schleswig-Holstein Musik Festivals organisiert. Der 52-Jährige kennt die Szene, kann das Potenzial von Orchestern einschätzen. „Sie spielen in der ,Champions League’.“

 Josephine von Zastrow

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