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12:13 22.12.2017
„Das ging über Tische und Bänke“: Die Waltons aus Berlin bei ihrem Konzert im Lübecker Rider’s Café im vergangenen Jahr. Quelle: Foto: Timon Ruge
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Lübeck

In Bautzen stand ein Gefängnis der DDR, in dem das Regime Leute wie Walter Kempowski und andere Unbequeme unterbrachte. Die Waltons aus West-Berlin standen nicht vor seinen Toren, aber sie liefen Gefahr, es zu tun. Und zwar im Sommer 1989, ein paar Monate vor dem Fall der Mauer, als sie im Osten spielten, unter falschem Namen und auch sonst sonderbaren Umständen. Die Geschichte taucht im autobiografischen Roman „Düsterbusch“ von Alexander Kühne auf, und Arte hat sie kürzlich fürs Fernsehen gefilmt.

Wie der Kontakt damals zustande gekommen ist, wissen sie heute nicht mehr so genau, sagt Gitarrist Bene Middeler. Jedenfalls sind sie rübergefahren nach Ost-Berlin und dann etwa 100 Kilometer weiter Richtung Spreewald, in einen kleine Ort namens Lugau, wo es einen Landgasthof mit Ballsaal gab. Dort sollten sie am Abend mit zwei Ostbands spielen, allerdings nicht als die Waltons, sondern getarnt als „Tina Never Had A Teddybear“. Alexander Kühne aus dem Osten hatte das Konzert mit ihnen auf den Weg gebracht, und das hätte er eigentlich gar nicht tun dürfen. „Wenn wir kontrolliert worden wären, hätte das richtig ins Auge gehen und in Bautzen enden können“, sagt Middeler. „Falsche Pässe, falscher Name, keine Spielberechtigung, Ost-Berlin widerrechtlich verlassen – wir hatten natürlich alles falsch gemacht.“

Es ist aber gutgegangen, und den etwa 500 jungen Leuten, die von überall her angereist waren, hat es schwer gefallen. „Da war die Hölle los, das ging über Tische und Bänke. Die wussten alle, dass die Waltons aus Berlin kommen.“

Und als sie jetzt vor zwei Monaten wieder in Lugau waren, um mit einem Team von Arte die Geschichte fürs Fernsehen noch einmal zu erzählen und aufzubereiten, da gab es ein Wiedersehen. Tags zuvor hatte ein Bericht in der örtlichen Zeitung gestanden, und dann guckten etwa 200 Leute beim Dreh mit Musik im alten Ballsaal vorbei, ein Großteil davon Leute von damals. „Großartig“, sagt Middeler, „ein gelungenes Happening.“ Heute Abend spielen die Waltons im Rider’s Café, Leinweberstraße 4. Beginn 21 Uhr, 20 Euro Eintritt an der Abendkasse.

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