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Lübeck DGB empört: Lehrlinge bekommen kein Gehalt
Lokales Lübeck DGB empört: Lehrlinge bekommen kein Gehalt
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16:15 10.06.2017
In Schleswig-Holstein bekommen einige Lehrlinge kein Geld. Quelle: Fotolia
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Lübeck

Unterstützung bekommen sie jetzt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB): „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist so eine Regelung einfach nicht mehr zeitgemäß“, moniert Heiko Gröpler, Referent für Arbeitsmarktpolitik beim DGB Nord.

Betroffen sind unter anderem Tischlerlehrlinge der Innung Lübeck und Malerlehrlinge in Mölln. Statt das erste Lehrjahr im Betrieb zu absolvieren, wie in einer Lehre sonst üblich, absolvieren sie ein Berufsgrundbildungsjahr (BGJ). „Dort erlernen sie an der Berufsschule erste handwerkliche Fähigkeiten in schuleigenen Werkstätten und werden fachbezogen geschult“, erläutert Christian Maack, Geschäftsführer Berufsbildung der Handwerkskammer Lübeck. Dies sei bei jedem Gewerk möglich.

Besonders für ältere Lehrlinge oft eine bittere Pille. „Mein Sohn ist 21“, sagt etwa ein Vater aus Scharbeutz (Ostholstein). „Da wird es Zeit, dass er eigenes Geld verdient und von zu Hause auszieht.“

„Da macht sich ein Gewerk einen schlanken Schuh“, rügt Gewerkschaftsmann Gröpler die Innung. Während die Lehrlinge ohne einen Cent nach Hause gingen, sei das BGJ für den Betrieb wie eine Subvention. Gröpler: „Die sparen Kosten und bekommen einen speziell auf den Beruf vorbereiteten Azubi, der dann in das zweite Lehrjahr einsteigt.“ Zwar könne der Lehrling Berufsausbildungsbeihilfe beantragen, das sei für diesen aber ebenfalls unbefriedigend. „Das Geld muss nachher ja zurückgezahlt werden“, bemerkt ein Vater. Wie viel und ob überhaupt gezahlt werde, richte sich nach dem Einkommen der Eltern.

Viele Lehrlinge würden lieber in den Bereich einer anderen Innung ausweichen, um die BGJ-Regelung zu umgehen, sagt Gröpler. „In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gibt es kein BGJ.“

Manche Innungen reagieren, indem sie den BGJ-Lehrlingen im ersten Jahr zumindest ein Taschengeld zahlen. So bekommen die Schüler laut Landesinnungsmeister Heino Fischer in Rendsburg im ersten Lehrjahr ein Taschengeld von 150 Euro. Andere Innungen, wie Kiel, würden lieber ganz auf das BGJ verzichten – die Lehrlinge erhalten dort rund 600 Euro Ausbildungsvergütung pro Monat.

Christian Maack verteidigt das BGJ. Mangel an Lehrlingen bestehe bei den Tischlern in Lübeck jedenfalls nicht. Es sei gut, gerade von den Leistungen her schwächere Schulabgänger ein Jahr nachschulen zu können. Viele Lehrlinge störe das nicht, sie wohnten ohnehin noch zu Hause. Maack: „Sie müssen nicht sofort in die Wirklichkeit der Arbeitswelt, sondern bleiben vom Gefühl her Schüler.“

Für den DGB zählen diese Argumente nicht. „Das BGJ macht Sinn für Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz finden“, bekräftigt DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. „Aber nicht für fest eingestellte Lehrlinge.“ Die Betriebe seien aufgerufen, „ihr eigenes Ausbildungsangebot zu erhöhen und die Nutzung des BGJ sukzessive zurückzufahren“.

Marcus Stöcklin

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