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„Da wollen wir mal ganz locker bleiben“

Lübeck „Da wollen wir mal ganz locker bleiben“

Die CDU-Landtagskandidatin Anette Röttger spricht über Schulfrieden, Cannabis und Schulz-Effekt.

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Lübeck. Warum sollte man als Erstwähler die CDU wählen, da Straßenbau, Sicherheitspolitik und Wirtschaftspolitik nicht unbedingt Themen sind, die uns Erstwähler interessieren?

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Die CDU-Landtagskandidatin Anette Röttger spricht über Schulfrieden, Cannabis und Schulz-Effekt.

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Anette Röttger: Nein?

Nein, nicht wirklich.

Röttger: Sie sprechen ja mit einer Bildungspolitikerin, und dieses bildungspolitische Engagement habe ich auch immer auf Landesebene betrieben. Das CDU-Wahlprogramm setzt einen Schwerpunkt im Bereich Bildung. Wir sind eindeutig diejenigen, die für passgenaue, individuelle Bildungsangebote im Land sorgen und die Durchlässigkeit nach oben und die Vielschichtigkeit bewahren wollen.

Was werden Sie denn für die Erstwähler konkret tun?

Röttger: Der junge Wähler stößt bei uns auf eine sehr lebendige Jugendorganisation, die die Bildungspolitik sehr im Blick hat. Und dort war ganz klar zu hören, dass Kinder und Jugendliche mehr Zeit zum Lernen brauchen. Deshalb der Wunsch nach G 9. Zudem wollen wir eine bessere Unterrichtsversorgung und eine Flexibilisierung der Einschulung.

Was bedeutet diese Flexibilisierung?

Röttger: Im Moment ist es ja so, dass man Kinder nicht von der Einschulung zurückstellen kann. Wir wollen, dass man wieder die Möglichkeit hat, die Kinder auch ein Jahr später einzuschulen.

Außerdem wollen wir dafür sorgen, die Zahl der Schul- und Studienabbrecher zu reduzieren.

Wie soll der Wechsel auf G 9 konkret aussehen? Planen sie noch eine größere Reform?

Röttger: Das wird eine Weile brauchen, von G 8 auf G 9 umzustellen. Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Eine Umstellung wird im Dialog mit den Schulen erfolgen. Das kann nicht in einer Nacht- und Nebel-Aktion durchgeführt werden. Dann wird in einem vorgegebenen Zeitfenster und in Rücksprache mit den Schulen wieder auf das Abitur nach neun Jahren umgestellt.

Aber wie können Sie so sicher sein, dass G 9 das Maß der Dinge ist, da G 8 ja noch recht unerprobt ist?

Röttger: Wir folgen da den Umfragen und dem mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung. In den wenigen Jahren mit G 8 hat man schon die Erfahrung gemacht, dass G 8 zu knapp ist. Es bleibt zu wenig freie Zeit für Freunde und Hobbys. Das hat uns dazu gebracht, dort nachzujustieren. Bildung ist unser höchstes Gut, dafür muss man sich die nötige Zeit nehmen.

Die CDU hat sich doch aber mehrfach für den Schulfrieden ausgesprochen, warum dann daran rütteln?

Röttger: Wir gehen nicht davon aus, dass wir damit den Schulfrieden erschüttern.

Sie sind ja jetzt nun schon etwas älter als die Jugendlichen, die zum ersten Mal ihr Kreuz machen dürfen. Wie gut verstehen Sie dann die Wünsche und Sorgen der Erstwähler?

Röttger: Ich bin Mutter von drei Söhnen, von denen der jüngste gerade Abitur gemacht hat. Von daher bin ich sehr nah am Geschehen dran. Zudem sind in unserer großen Familie alle Altersschichten vertreten. Ich glaube, dass ich sehr kompetent bin, was das angeht.

Viele Erstwähler sind aufs Fahrrad angewiesen, aber die Radwege sind in einem sehr schlechten Zustand. Was möchten Sie dagegen tun?

Röttger: Das ist ein kommunalpolitisches Thema. Ich freue mich über jeden Schüler, der das Fahrrad nutzt. Mit Beschluss der Bürgerschaft im Jahr 2014 sollten jährlich etwa eine Million Euro in Radwege gesteckt werden. Das war aus haushälterischer Sicht leider nicht durchgängig möglich. Es bleibt aber nach wie vor unser großes Anliegen, Lübecks Radwegenetz zu verbessern.

Kann man auf landespolitischer Ebene Hilfe leisten?

Röttger: Ja, das kann ich mir vorstellen. Man kann, ähnlich wie bei den Schultoiletten, dort landespolitische Hilfe einfordern.

Gerade sind ja auch die Fahrrad- Highways in der Debatte, sollen die auch zu Schulen führen?

Röttger: In der Debatte sprechen wir momentan über eine RadwegeSchnellverbindung zwischen Bad Schwartau, Innenstadt und den Hochschulen in Lübeck. Das wäre ein erster Schritt für die Studentenströme. Wenn das klappt, kann man sicher auch die Schulwege mit einbinden, aber momentan ist das noch Zukunftsmusik.

Wie wollen Sie Jugendliche dazu bringen, sich mehr in der Politik zu engagieren?

Röttger: Das findet oft in der Schule statt. Im Wirtschaft/Politik-Unterricht oder über Projekte wird Interesse geweckt. Munol oder das Wahlprojekt an der Thomas- Mann-Schule sind gute Beispiele. Auch Orte wie die Grenzdokumentationsstätte in Schlutup tragen dazu bei, Werte wie Demokratie und Freiheit zu begreifen, und wecken politisches Interesse.

Was halten Sie von der Cannabis-Legalisierung?

Röttger: Grundsätzlich: Finger weg von Drogen. Als Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin, die Red.) setze ich mich für ein gesundes Leben ein. Mit den Folgen von Drogenkonsum haben Menschen ein Leben lang zu kämpfen. Ich bin erschrocken, wie leichtfertig junge Menschen mittlerweile damit umgehen. Drogen gehören nicht zum Alltag. Von daher Nein zur Legalisierung.

Alkohol und Nikotin sind aber auch sehr gesundheitsschädlich.

Röttger: Ja, trotzdem rechtfertigt das nicht die Cannabis-Legalisierung. Nur weil man das eine schon hat, muss man das andere nicht einführen. Auch mit Alkohol und Nikotin muss man vorsichtig umgehen.

Und was halten Sie von der Homo- Ehe?

Röttger: Das Thema Homo-Ehe ist ein schwieriges Feld. Ich finde den Begriff an sich nicht schön. Auf rechtlicher Seite ist bereits eine Gleichstellung erreicht. Was noch nicht erreicht ist, ist eine Gleichstellung beim Adoptionsrecht und beim Begriff Ehe. Der Begriff Ehe steht für die Partnerschaft von Mann und Frau. Und da bin ich dagegen, dass man diesen Begriff erweitert.

Im Grundgesetz steht ja nun, dass alle Menschen gleich sind, da würde man dann ja eine Ausnahme machen.

Röttger: Ja, ich bin überzeugt, Männer gehen anders miteinander um, wenn sie unter sich sind, als wenn sie mit einer Freundin unterwegs sind. Deshalb ist es auch gut, dass Kinder Vater und Mutter haben, da die beiden Geschlechter ja unterschiedliche Vorgehensweisen haben.

Die CDU hat es in Lübeck ja nicht unbedingt leicht, Wahlkreise zu gewinnen, und jetzt kommt auch noch der Schulz-Effekt.

Röttger: Da wollen wir mal ganz locker bleiben. Ich weiß nicht, ob es diesen Schulz-Effekt überhaupt gibt. Wahlen werden auf den letzten Metern entschieden, und da sind wir gut im Rennen.

Interview: Max von Schwartz

Unter den Top Ten auf der CDU-Landesliste

Anette Röttger kam in Kellinghusen im Kreis Steinburg zur Welt, machte in Itzehoe ihr Abitur und studierte in Kiel Ernährungswissenschaften. Neun Jahre arbeitete sie als Lehrerin an diversen Landwirtschaftsschulen. In die Politik ging sie 2007 als Quereinsteigerin. Bereits 2008 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt und übernahm das Amt der schulpolitischen Sprecherin der CDU. Erstmals bewirbt sie sich um ein Landtagsmandat. Röttger rangiert auf der CDU-Landesliste auf Platz 9 – das gilt als durchaus aussichtsreich. Die 53-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.

Der Interviewer

In dieser LN-Serie zur Landtagswahl stehen die Politiker einem neuen Wähler gegenüber, denn erstmals dürfen bei dieser Landtagswahl 16-Jährige wählen. Für die LN interviewt der Lübecker Schüler Max von Schwartz die Kandidaten seines Wahlkreises Lübeck-Süd der im Landtag vertretenen Parteien. Das sind Wolfgang Baasch (SPD), Anette Röttger (CDU), Silke Mählenhoff (Grüne), Benedict Kölsche (FDP) und Arne Wulf (Piraten).

LN

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