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Lübeck Damit Lübecks Kinder gut aufwachsen
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10:01 01.08.2017
Elsbeth Hoeck (48), Teamleiterin der Frühen Hilfen am Kinderschutz-Zentrum, kümmert sich um zweijährige Köchinnen. Quelle: Fotos: Sonja Filitz, Peyronnet
Lübeck

Lea-Sophie aus Schwerin verhungerte, Kevin wurde totgeprügelt. 2006 und 2007 erschütterten tödliche Kindesmisshandlungen die Republik.

Zehn Jahre Frühe Hilfen – 4000 Familien nahmen kostenlose Unterstützung in Anspruch.

In Lübeck wurde ein Netzwerk gegründet, in dem sich Geburtskliniken, Hebammen, Kinderärzte, Gynäkologen, Beratungsstellen, das städtische Jugendamt, Schulen, Kindergärten und das Gesundheitsamt zusammenschlossen. Das Ziel: Kein Kind in der Hansestadt sollte unter Misshandlungen leiden oder gar sterben, weil niemand die Hinweise beachtete oder überforderte Eltern sich im Stich gelassen fühlten. Vor zehn Jahren wurde das Projekt „Frühe Hilfen“ ins Leben gerufen. Die Bilanz zum Jubiläum: Rund 4000 Familien haben die vielfältigen Beratungs- und Gruppenangebote in Anspruch genommen.

Staatssekretär Dr. Matthias Badenhop aus dem Kieler Sozialministerium: „Frühe Hilfen sind ein wichtiger Teil eines wirksamen Kinderschutzes, sie stärken Eltern sowohl in der Erziehungskompetenz als auch im Umgang mit Überforderungs-Situationen.“

An drei Standorten sind die Frühen Hilfen, die von der Awo und der Frühen Hilfen gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) betrieben werden, vertreten – am Kinderschutz-Zentrum in der Innenstadt, an der Familien-Kiste in Moisling und am Familien-Zentrum in Kücknitz. Die Frühe Hilfen gGmbH hat wiederum drei Gesellschafter – die Gemeindediakonie, den Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen und Prof. Hans Arnold vom Förderverein Lübecker Kinder.

15 Sozialpädagogen und Familienhebammen sind an den drei Standorten beschäftigt. In der Startphase vor zehn Jahren schoben die Possehl-Stiftung und die Sparkassenstiftung das Projekt mit einer Förderung über eine Million Euro an. Detlev Wulff, Geschäftsführer der Frühen Hilfen gGmbH: „Damit konnten im Wesentlichen die beiden Zentren in Moisling und Kücknitz aufgebaut werden.“ Inzwischen ruht die Finanzierung auf drei Säulen. Die Hansestadt hat 2011 einen Budgetvertrag mit der gGmbH abgeschlossen und leitet zudem Bundesgelder an die Trägergesellschaft weiter. Hinzu kommen Landesgelder. Auf 400000 Euro taxiert Wulff das jährliche Budget.

Die Familien können alle Angebote kostenlos in Anspruch nehmen. Angebote wie Babymassage, Raupengruppe, Erziehungsberatung oder den Treff von Schwangeren und Müttern kleiner Kinder auf Deutsch, Englisch und Arabisch und Farsi. „Kinder in Lübeck sollen gedeihlich aufwachsen“, erklärt Geschäftsführer Wulff, „und jungen Müttern, die niemanden haben, wird gezeigt, wie man mit Kindern umgeht.“

Das Hilfsangebot wird komplettiert durch die Willkommensbesuche von Hebammen und 18 Familienzentren. Seit 2015 stehen die Frühen Hilfen vor der Herausforderung, dass Flüchtlingsfamilien die Hilfen in Anspruch nehmen. Die Fachleute brauchen die Unterstützung von Sprach-Kulturmittlern und müssen mit traumatisierten Menschen umgehen.

Kai Dordowsky

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