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Lübeck „Damit sie nicht durchs Raster fallen“
Lokales Lübeck „Damit sie nicht durchs Raster fallen“
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18:10 25.01.2016
Träume, Wünsche, Hoffnungen: Charlotte Humbeck und Nils See finden schnell einen Draht zueinander und wollen durch regelmäßige Treffen eine freundschaftliche Basis aufbauen. Sie sind eines der 15 Teams des Mentoring-Programms von „Rock your Life“. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn
St. Jürgen

Charlotte Humbeck (24) und Nils See (14) kennen sich seit knapp einer Woche, trotzdem fällt es den beiden leicht, miteinander tiefergehende Gespräche zu führen. „Ich finde es sehr spannend, etwas über Lotte zu erfahren“, so der Schüler. Gemeinsam knien sie über einem Flipchart im Audimax auf dem Uni-Campus und malen für den jeweils anderen ein Wappen. „Wir zeichnen, was wir im Gespräch über den anderen, über seine Träume, Hobbys und seine Superkräfte erfahren haben“, erzählt Charlotte. Die Medizinstudentin und der Schüler der achten Klasse sind Teil der Bildungsinitiative „Rock your life“. Am Wochenende fand die Kick-off-Veranstaltung auf dem Uni Campus statt.

Samir Hmayed (20) und Mourad Zoubir (27) brachten das Programm nach Lübeck. „Rock your life baut Brücken zwischen Schülern, Studenten und Unternehmen. Deutschlandweit“, beschreibt Samir Hmayed das Motto des Vereins. 2009 startete das Projekt in Friedrichshafen, mit der Zeit schlossen sich weitere Städte an. Das Konzept: Eins-zu-Eins-Mentoring-Programme zwischen Gemeinschaftsschülern und Studierenden, kombiniert mit einer flächendeckenden Kooperation mit Ausbildungsgebern. Das heißt, über zwei Jahre begleiten Studenten als Mentoren Gemeinschaftsschüler der achten Klasse.

„Sie treffen sich dann etwa einmal die Woche und nehmen an drei Trainings in der Zeit teil, bei denen alle Teams zusammenkommen“, erklärt Hmayed. Dabei solle eine freundschaftliche Basis entstehen.

„Die Studenten sollen nicht als typische Vorbilder fungieren, die immer wissen, wie es richtig geht.“ Vielmehr seien sie eine gute Instanz zwischen Ausbildung und Berufswelt. „Viele Studenten haben ja die gleichen Fragen, weil sie eben auch oft nicht wissen, in welche Richtung es nach dem Studium weitergeht“, so Hmayed.

Die beiden Vereinsvorsitzenden Hmayed und Zoubir waren von Anfang an begeistert von dem Projekt. „Es gibt einfach zu viele junge Menschen, die in unserer Gesellschaft durchs Raster fallen“, so Hmayed. Und diese Zahl gelte es zu minimieren. „Viele Jugendliche wandern nach der Schule direkt in die Arbeitslosigkeit. Bei ,Rock your Life‘ wollen wir das verhindern“, so der Student begeistert.

Er selbst sei wie viele andere Jugendliche mit der Perspektivlosigkeit konfrontiert worden. „Mir wurde vom Jobcenter empfohlen, Schornsteinfeger oder Türsteher zu werden. Nun studiere ich im dritten Semester Medizin.“ Natürlich sei nicht für jeden ein solcher Weg möglich. „Aber jeder hat ein Ziel, und wir wollen helfen, dieses zu verwirklichen.“

Auch Mourad Zoubir glaubt an die Möglichkeiten, die das Programm bietet. „Mein Weg war auch nicht geradlinig. Ich war arbeitslos, war in der Armee, arbeitete im Kindergarten und habe erst mit 25 mein Abitur gemacht“, so der Psychologie-Student. „Hätte ich einen Mentor gehabt, hätte ich meinen Weg vielleicht schneller gefunden.“

Der Achtklässler Nils hofft, in Charlotte solch einen Mentor gefunden zu haben. „Ich möchte mit jemandem über die Schule und die Zeit danach reden können — außerhalb von Familie und Freunden.“

Charlotte möchte diese Person sein. „Wir können beide viel voneinander lernen“, ist sie sicher. Schließlich hätte jeder ein besonderes Talent. „Nils‘ Superkraft ist zum Beispiel das Zeichnen, das kann ich leider gar nicht.“ Dafür habe sie andere spannende Eigenschaften, entgegnet Nils. „Lottes Motto ist es nämlich, intensiv zu leben.“

Zahlen und Fakten
15 Paare aus Schülern und Studenten zählt das Mentoring-Programm in Lübeck. Insgesamt entstanden über 3000 Mentoring-Beziehungen an 45 Hochschulen in Deutschland und der Schweiz.
Unterstützer des Lübecker Vereins ist die Possehl-Stiftung. Deutschlandweit wird der Verein beispielsweise durch die „Aufrunden bitte“-Aktion von Penny gefördert.
Der Verein macht es sich zur Aufgabe, Studierende als Mentoren zu qualifizieren, die ehrenamtlich Schüler aus sozial, wirtschaftlich oder familiär benachteiligten Verhältnissen auf dem Weg in den Beruf oder auf die weiterführende Schule begleiten.
Ziel des zweijährigen Mentoring-Prozesses ist es, die Schüler zu unterstützen, ihr individuelles Potenzial zu entfalten und ihre Perspektiven zu erweitern.
Interessierte können sich auf wegezumrocken.de über Teilnahmemöglichkeiten informieren.

Elisabeth Riedel

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