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Lübeck Das Ende der „Hanseaten Diele“
Lokales Lübeck Das Ende der „Hanseaten Diele“
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12:18 23.05.2016
Etwa dort, wo Andreas Hagenkötter steht, muss einst die rückwärtige Fassade des Kaufmannshauses gewesen sein. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Man muss schon viel Fantasie, Idealismus und gute Nerven haben, um das zu tun, was Andreas Hagenkötter getan hat: Der 55-jährige Rechtsanwalt aus Ratzeburg hat den Gebäudekomplex der „Hanseaten Diele“ in der Königstraße 25 erworben. Nicht etwa, weil er in zentraler Innenstadtlage gern ein neues Lokal mit neuem Pep errichten möchte, sondern weil er mit seiner Frau und den beiden schulpflichtigen Töchtern von Ratzeburg in die Lübecker Innenstadt ziehen möchte.

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Grundstück und Haus an Rechtsanwalt aus Ratzeburg verkauft – Wohnen hat künftig Vorrang.

„Meine Frau und ich möchten einfach gerne abends mal spontan ein Glas Wein trinken gehen – zu Fuß“, sagt der gebürtige Dortmunder. „Wir haben lange versucht, etwas in der Altstadt zu finden – aber vergeblich.“ Dann bekam er den Tipp, dass die Königstraße 25 verkauft werden sollte.

Das Haus zur Königstraße stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert. Den alten Giebel des Kaufmannshauses sieht jedoch nur, wer in den vollkommen verbauten Innenhof gelangt. Denn bereits 1844 hatte der Gesellige Verein es zu einem Gesellschaftshaus mit einem Veranstaltungssaal für Kammerkonzerte – später „Eden-Lichtspiele“ – im ersten Obergeschoss umgebaut und mit einer klassizistischen Fassade versehen. 1907 wurde es das Gesellschaftshaus des Bürgervereins. Hinten, im von der Glockengießerstraße aus begehbaren Innenhof, steht ein L-förmiges Gebäude aus dem Jahr 1760 – und genau das hat sich Hagenkötter zum neuen Wohnhaus auserkoren. „Die Lage hier ist einfach genial, da kommt man ganz anders in der Stadt an“, sagt der neue Eigentümer.

Doch ob dort, im künftigen Familien-Domizil, ob im ehemaligen Kino oder in den Anbauten der „Hanseaten Diele“: Überall marode Wände, ein leicht muffiger Geruch, herabbröselnde Decken. „Das Haus ist in einem erbärmlichen Zustand“, weiß Hagenkötter. Weil sich die ehemaligen Eigentümer nie einig gewesen seien, „ist seit den 50er oder 60er-Jahren kaum etwas gemacht worden“.

Dennoch ist er überzeugt davon, aus dem 1760 erbauten Hinterhaus und dem Kaufmannshaus aus dem 13. Jahrhundert etwas machen zu können. Die Anbauten müssen abgerissen werden.

Und Hagenkötter ist geradezu euphorisch, welche Kontakte er in Lübeck schon binnen kürzester Zeit geknüpft, welche interessanten Menschen er bereits kennengelernt hat. Thomas Radbruch habe nun eine Foto-Dokumentation erstellt. Und auch mit seinem künftigen Nachbarn Frank-Thomas Gaulin, dem Eigentümer des „Buthmann’s“, habe er schon nette Gespräche geführt.

Klar ist: Sein Geld reicht vorerst nur für den Kauf der maroden Immobilie und für die Sanierung des Wohntraktes, die der Möllner Architekt Lars Eckloff bis spätestens zum Herbst hinbekommen will. „Alles andere“, sagt Hagenkötter, „müssen wir nach und nach machen.“ Die größte Herausforderung sei nun, „die Ungeduld zu zügeln und sich auf den Alltag zu konzentrieren“.

Während das einstige Kino vielleicht eines schönen Tages einmal wieder als multifunktionaler Veranstaltungsraum hergerichtet werden kann, hat die „Hanseaten Diele“ keine Zukunft. Ende Juni ist hier definitiv Schluss.

 Sabine Risch

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