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Lübeck Das Ende der Weihnachtsbäume
Lokales Lübeck Das Ende der Weihnachtsbäume
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21:17 11.01.2018
Roman Gradert (32), Betriebsleiter des Biomassewerks der Entsorgungsbetriebe (EBL) in Niemark, wirft einen kleinen Weihnachtsbaum auf den stetig wachsenden Haufen. Bis Ende nächster Woche holen die EBL Weihnachtsbäume vom Straßenrand ab. Quelle: Fotos: Lutz Roessler (2), Wolfgang Maxwitat
St. Jürgen

Die Anlagen der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) rund um die Deponie Niemark am südwestlichen Stadtrand sind nicht für Wohlgerüche bekannt. Aber vor dem Biomassewerk riecht es zurzeit angenehm nach Tannennadeln. Dort wächst allmählich ein riesiger Haufen aus Weihnachtsbäumen. Und es werde noch besser, sagt Betriebsleiter Roman Gradert (32): „Wenn geschreddert wird, dann duftet der ganze Standort!“ In der nächsten Woche werden er und seine Mitarbeiter beginnen, mit den Weihnachtsbäumen den Schredder vom Typ AK-430 zu füttern, der daraus mit 1000 Umdrehungen pro Minute kleine Schnitzel macht. „Der schafft Stämme von bis zu 25 Zentimeter Durchmesser“, sagt Gradert.

Ein Großteil der Lübecker Weihnachtsbäume landet irgendwann im Biomassewerk Niemark. Nach und nach wird der Haufen auf etwa 150 Tonnen anwachsen. Dann werden die Bäume geschreddert und zu Nährboden verarbeitet. Darauf können zum Beispiel Heidelbeeren wachsen.

Ungefähr jeder zweite deutsche Haushalt stellt einen Weihnachtsbaum auf. Wenn man die hohe Zahl von Ein-Personen-Haushalten in Rechnung stellt, dürften es in Lübeck ungefähr 50000 gewesen sein.

Viele landen in Niemark – wenn auch längst nicht alle. „Viele stellen ihre Bäume nicht an die Straße“, sagt Cornelia Tews, Sprecherin der Entsorgungsbetriebe. „Manche machen damit ein Feuerchen.

Andere liefern sie bei den Wertstoffhöfen ab.“

Aufs Ganze gesehen machen die Weihnachtsbäume nur einen kleinen Teil von dem aus, was im Biomassewerk verarbeitet wird. 6500 Tonnen Grüngut im Jahr werden hier angeliefert. Die Häcksel werden zu sogenannten Mieten aufgehäuft. Weil sich durch die Fäulnisprozesse im Innern eines solchen Haufens schon nach kurzer Zeit Temperaturen von 70 Grad bilden, müssen sie regelmäßig umgeschichtet werden. Am Ende wird die Masse mit einer Maschenweite von 20 Millimetern gesiebt und abtransportiert.

Das Substrat – so nennen die Fachleute das Endergebnis – kann als Dünger verwendet werden, aber auch als Füllmaterial, zum Beispiel im Wegebau. „Tannenbäume sind sehr speziell“, erklärt Roman Gradert: „Das Substrat ist sehr sauer.“ Deshalb sei es im Gartenbau nicht überall einsetzbar. „Aber Heidelbeeren mögen das sehr gern.“ Im vergangenen Jahr sei das Lübecker Weihnachtsbaum-Substrat komplett an einen Heidelbeerzüchter verkauft worden. Bis gehäckseltes Grüngut zu Substrat verrottet ist, vergehen drei bis sechs Monaten. Bei Nadelbäumen dauert es eher länger. „Die Nadeln verrotten sehr, sehr schlecht“, sagt Gradert.

Was gar nicht verrottet und oft auch nicht im Sieb hängenbleibt, ist Christbaumschmuck. „Wenn der Käufer auf seinem Feld Lamettafetzen oder Baumkugeln findet – das findet der gar nicht witzig“, sagt Gradert. Deshalb weisen die Entsorgungsbetriebe jedes Jahr wieder darauf hin, dass die Christbäume vom Schmuck zu befreien seien, bevor sie zur Abholung an den Straßenrand gelegt werden. Das hat offenbar Wirkung gezeigt. „Der Baumschmuck ist weniger geworden“, sagt Gradert. „Die Schmückmentalität hat sich auch verändert. Früher war ganz viel Lametta. Und Kunstschnee hat uns ganz viele Sorgen bereitet. Bäume, die damit besprüht sind, müssen im Sondermüll entsorgt werden.“

Bis Ende nächster Woche sammeln die Entsorgungsbetriebe noch Weihnachtsbäume ein – immer an den Tagen, an denen auch die Bio-Tonnen abgeholt werden. Sonderschichten werden deshalb aber nicht nötig.

„Wir schaffen das mit unseren Kräften“, sagt EBL- Sprecherin Cornelia Tews. „Nur die Sperrmüllabfuhr ist in dieser Zeit reduziert.“

Aufräumen im neuen Jahr

Die Kotka-Tanne auf dem Holstentorplatz wird am Sonnabend niedergelegt und Anfang der kommenden Woche vom Bereich Stadtgrün und Verkehr an Ort und Stelle zersägt und abtransportiert. Im Frühjahr wird die Fläche in der Mitte des Kreisverkehrs wieder bepflanzt.

Den Silvestermüll auf öffentlichen Flächen haben die Entsorgungsbetriebe schon am Morgen des Neujahrstags eingesammelt. „Ansonsten gilt: Wer vor seiner Haustür knallt, muss den Müll selber wegmachen“, sagt EBL-Sprecherin Cornelia Tews.

Hanno Kabel

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