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Lübeck Das Ende des Horror-Hauses: Abriss in der Anschützstraße
Lokales Lübeck Das Ende des Horror-Hauses: Abriss in der Anschützstraße
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20:57 10.03.2016
Ein Abrissunternehmen verwandelte das berüchtigte Mietshaus in der Anschützstraße in einen Schutthaufen. In etwa zwei Wochen ist das Grundstück komplett geräumt und kann neu bebaut werden. Quelle: Holger Kröger
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St. Jürgen

Selten macht ein Gebäude-Abriss so viel Freude: Das Haus in der Anschützstraße nahe der Fachhochschule, in dem 120 Menschen, überwiegend EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien, unter schlimmsten Bedingungen leben mussten, wurde jetzt abgerissen. Nur noch ein großer Schutthaufen erinnert an das Lübecker Horror-Haus, das im Oktober vergangenen Jahres mit negativen Schlagzeilen eine fragwürdige Berühmtheit erlangte. Die Mieter standen wegen der Gesundheitsrisiken und massiver Sicherheitsmängel von einem Tag auf den anderen auf der Straße. Stadtwerke-Sprecher Lars Hertrampf bezeichnete damals die Wohnsituation in dem Gebäude als eine „unmittelbare Gefährdung für Leib und Leben der Bewohner“. 17 der Mieter fanden vorübergehend in der ehemaligen Schule Moisling Unterschlupf (die LN berichteten).

Ein Abrissunternehmen verwandelte das berüchtigte Mietshaus in der Anschützstraße in einen Schutthaufen. In etwa zwei Wochen ist das Grundstück komplett geräumt und kann neu bebaut werden.

Vor einer Woche nun begann das Lübecker Abbruchunternehmen Grabowski damit, das Gebäude dem Erdboden gleichzumachen. Zuvor hatte die Firma nach Aussage seines Chefs Bernd Grabowski vier Wochen lang erst einmal Schadstoffe entsorgt. Gestern Abend stand dann kein Stein mehr auf dem anderen. Das Gebäude war platt. Jetzt müssen 14 000 Kubikmeter Schutt und Stahl abtransportiert werden. Grabowski: „Die Abfuhr wird etwa zwei Wochen dauern.“ Auf dem Grundstück in unmittelbarer Nähe der Akademie für Hörgeräte-Akustik in der Bessemerstraße will die Akademie einen Neubau für die Lehranstalt errichten.

Was im September vergangenen Jahres ans Tageslicht kam, machte fassungslos. Der damalige Vermieter des Gebäudes war an die Stadt herangetreten und hatte freie Wohnungen als Flüchtlingsunterkünfte angeboten. Dazu kam es aber nicht. Was Mitarbeiter der Lübecker Stadtwerke in dem Gebäude entdeckten, war eine Katastrophe — eine kriminelle allemal. Die Polizei sprach von „massiven Manipulationen an den Hausinstallationen“. Schon mehrere Tage vor der kompletten Räumung des Gebäudes hatten die Lübecker Stadtwerke Strom, Gas und Wasser abgestellt. Sie erhoben den Vorwurf, der Wohnungsvermieter habe über einen langen Zeitraum illegal Energie abgezweigt — im Wert von insgesamt mehr als 100000 Euro. Außerdem waren in dem Gebäude die Rettungswege nicht frei, Brandschutztüren kaputt — ebenso die Treppenbeleuchtung. Ein Horror war auch der Mietpreis. So musste eine vierköpfige Familie, die in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer lebte, dafür 550 Euro monatlich berappen. Innensenator Bernd Möller (Grüne) nannte damals die gesamten Wohnverhältnisse „gefährlich und entwürdigend“.

Von Torsten Teichmann

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