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Lübeck Das Hoghehus hat neue Hausherren
Lokales Lübeck Das Hoghehus hat neue Hausherren
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22:25 19.01.2016
Schönes, großes Bürgerhaus: Das einstige IHK-Veranstaltungszentrum am Koberg. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Es ist eine der ausgefallensten Immobilien in der Innenstadt: erbaut ab 1218, mehr als 2000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, bis auf das Langhaus in gutem, denkmalgerecht saniertem Zustand, mit Wandmalereien, Holzböden und historischer Möblierung, das Ganze gelegen auf einem riesigen Grundstück mitten in der Altstadt. Das Hoghehus ist genau das Richtige für die beiden Lübecker Wiebke und Jens Scheel. Der Architekt und seine Frau, beide aus Lübeck stammend, jetzt in Ratzeburg ansässig, haben in der Altstadt bereits etliche denkmalgeschützte Immobilien, vor allem Mehrfamilienhäuser. „Das ist unsere private Altersvorsorge“, erklärt Scheel (53), „außerdem haben wir Spaß an den Objekten.“

Die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK) hatte sich vor einiger Zeit entschlossen, das Hoghehus aus Kostengründen zu verkaufen und es an einen renommierten Makler gegeben (die LN berichteten im Oktober). Seit dem Umzug in die Fackenburger Allee nutzt die IHK das Gebäude nur noch selten für Veranstaltungen.

Neben anderen Interessenten traten auch die Scheels auf den Plan. „Wir haben uns gleich in das Objekt verliebt“, sagt Jens Scheel, „direkt nach der Erstbesichtigung haben wir gesagt: Wir kaufen es.“

Zunächst habe man ihn und seine Frau zwar für ein wenig verrückt gehalten, doch nach einigen Verhandlungen — unter anderem ging es um die Übernahme der gesamten Kunstgegenstände und Möbel — wurde er mit der IHK handelseinig. „Wir sind froh, dass die neuen Eigentümer es als Baudenkmal und damit als Teil der Geschichte der Hansestadt Lübeck erhalten wollen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning. Über den Kaufpreis allerdings schweigen sich beide Seiten aus.

Das Haus Koberg 2 mit seiner Diele und dem Gewölbekeller nämlich soll auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich sein — bei Veranstaltungen aller Art. Mit der am Koberg ansässigen Eventagentur ddt von Christopher Hoseit habe er bereits einen Vertrag geschlossen, sagt Scheel. Und auch die bisherigen Mieter bleiben.

Auch wenn im eigentlichen Hoghehus immer wieder Arbeiten wie das Abschleifen und Wachsen der Böden, die Überholung des Gewölbekellers oder Malerarbeiten anstehen — das ist nichts im Vergleich zu dem, was Wiebke und Jens Scheel mit dem Langhaus Koberg 3 vorhaben. Hier war eine Zeitlang die Wirtschaftsakademie mit Büro- und Schulungsräumen ansässig, seit geraumer Zeit stehen die Räume leer und müssten saniert werden. Die neuen Eigentümer würden das Langhaus gern in Abstimmung mit der Denkmalpflege in drei im Garten gelegene Einfamilienhäuser aufteilen und umbauen. Etwa anderthalb Jahre rechnet Scheel für Planung und Abstimmung mit der Denkmalpflege.

Eigentlich sollte das Langhaus bis dahin leerstehen, „doch ausgerechnet jetzt hatten wir zwei Mietanfragen.“ Die Arbeiterwohlfahrt mietet Räume für Deutschkurse für Flüchtlinge an, die Volkshochschule habe ähnliche Pläne, so Scheel. Doch bis er mit dem Umbau beginnen kann, dauert es ohnehin noch einige Zeit. In den nächsten fünf Jahren, schätzt der Architekt, werde er sicher rund 500000 Euro in das Objekt investieren — die Unterhaltungskosten für das Haus Koberg 2 einmal außen vor.

Sabine Risch

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